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COMPACT-Edition 1

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«Gute Beziehungen zu

«Gute Beziehungen zu Frau Merkel» Und Ihr Land bewegt sich nicht zurück in die Richtung hin zu einem totalitären Regime? Daran ist kein Körnchen Wahrheit. Sie sollten nicht glauben, was Sie hören. Sie hatten eine sehr enge Beziehung zu Gerhard Schröder. Glauben Sie, dass Angela Merkel, die neue Kanzlerin, eher geneigt ist, sich den Vereinigten Staaten zuzuwenden als Russland? Jeder Mensch und jeder Politiker wählt seine eigene Verhaltensweise und setzt für sich Prioritäten. Ich habe nicht den Eindruck, dass es zu einer Verschlechterung unserer Beziehung mit Deutschland gekommen ist. Was meine guten Beziehungen zu Gerhard Schröder betrifft, kann ich nur sagen, dass ich auch eine gute und geschäftsmäßige Beziehungen zu Frau Merkel aufgebaut habe. Ja, sie scheint in manchen Bereichen beharrlicher zu sein. Es gefällt ihr beispielsweise sehr, sich für polnisches Fleisch einzusetzen. Wie ich bereits sagte, sie will es nicht selbst essen. Wir wissen alle, dass eine Lieferung Fleisch aus Polen in Berlin beschlagnahmt wurde. Wenn es aber um Kernfragen geht, um das Prinzip, gibt es zwischen uns keine Probleme, die bei der Entwicklung von Beziehungen zwischen unseren Ländern stören könnten. Wir haben sehr pragmatische und beständige Beziehungen, und wir sehen, dass es eine Fortsetzung der Beziehungen zur vorherigen Regierungspolitik gibt, wenn es um die Beziehungen zu Russland geht. 36 Wirtschaftliche Erfolge in Zahlen Wall Street Journal: Jetzt, da sich Ihre Amtszeit ihrem Ende nähert, wie möchten Sie, dass sich die Geschichte an Ihre Präsidentschaft erinnert? Was sind die Haupterrungenschaften Ihrer Präsidentschaft, von denen Sie wünschen, dass man sich daran erinnert? In dieser Hinsicht, mit welchem russischen oder globalen Führer möchten Sie, dass Ihre Präsidentschaft verglichen wird? Um am Ende zu beginnen, warum sollten Vergleiche gezogen werden? Die Situation in jeder historischen Periode und jedem Land ist stets einmalig, und ich sehe keine Notwendigkeit dafür, Vergleiche anzustellen. Die Zeit wird vergehen, und die Spezialisten, die Öffentlichkeit und die Experten werden objektiv beurteilen, was ich während dieser acht Jahre als Präsident der Russischen Föderation erreichen konnte. Ich glaube, dass es Dinge gibt, auf die die Leute, die mit mir gearbeitet haben, zu Recht stolz sein können. Dazu gehört die Wiederherstellung von Russlands territorialer Integrität, Stärkung des Staates, Fortschritt bei der Einrichtung eines Multiparteiensystems, Stärkung des parlamentarischen Systems, Wiederherstellung des Potenzials der Streitkräfte und natürlich die Entwicklung der Wirtschaft. Wie Sie wissen, ist unsere Wirtschaft im Ver-

Proteste gegen den G8-Gipfel. Foto: Salvatore Barbera; CC BY-SA 2.0 lauf meiner Amtszeit jährlich um durchschnittlich 6,9 Prozent gewachsen, und unser Bruttosozialprodukt ist allein im Verlauf der ersten vier Monate dieses Jahres um 7,7 Prozent angestiegen. Als ich mit meiner Arbeit im Jahre 2000 begann, lebten 30 Prozent unserer Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Diese Zahlen sind seitdem zweistellig gefallen, und heute sind es nur noch 15 Prozent, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Wir werden diese Zahl bis 2009 oder 2010 auf 10 Prozent senken und damit den europäischen Durchschnitt erreicht haben. Wir hatten enorme Schulden, einfach katastrophal für unsere Wirtschaft. Aber wir haben unsere Schulden getilgt. Wir haben unsere Schulden nicht nur beglichen, sondern wir haben auch die positivste Auslandsverschuldung gegenüber der Bruttosozialprodukt-Rate in Europa. Unsere Gold- und Währungsreserven sind bekannt. Im Jahre 2000 standen sie bei lediglich 12 Milliarden Dollar, und unsere Verschuldung überstieg unser Bruttosozialprodukt um mehr als 100 Prozent, aber heute haben wir die drittgrößten Gold- und Währungsreserven der Welt, und sie sind allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres auf 90 Milliarden Dollar angestiegen. Während der 1990er Jahre und selbst in den Jahren 2000 und 2001 hatten wir eine massive Kapitalflucht aus Russland in einer Größenordnung von 15 Milliarden, 20 Milliarden und 25 Milliarden Dollar, die jährlich unser Land verließen. Im vergangenen Jahr haben wir diese Situation zum ersten Mal umgekehrt und hatten einen Kapitalzufluss von 41 Milliarden zu verzeichnen. Die ersten vier Monate dieses Jahres brachten bereits einen Kapitalzufluss von 40 Milliarden. Die Kapitalisierung der russischen Börse hat im 37

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