Aufrufe
vor 11 Monaten

COMPACT-Edition 1

  • Text
  • Russland
  • Menschen
  • Ukraine
  • Krim
  • Russischen
  • Beziehungen
  • Staaten
  • Welt
  • Europa
  • Deutschland

«Von unseren

«Von unseren amerikanischen Freunden provoziert» Präzedenzfall Kosovo und Irak Herr Ministerpräsident, Kritiker sagen, Ihr eigentliches Kriegsziel war gar nicht, nur die südossetische Bevölkerung, aus Ihrer Sicht, zu schützen, sondern zu versuchen, den georgischen Präsidenten aus dem Amt zu treiben, um den Beitritt Georgiens über kurz oder lang zur NATO zu verhindern. Ist das so? Das stimmt nicht, das ist eine Verdrehung der Tatsachen, das ist eine Lüge. Wenn das unser Ziel gewesen wäre, hätten wir vielleicht den Konflikt begonnen. Aber, wie sie selbst sagten, das hat Georgien gemacht. Jetzt gestatte ich mir, an die Tatsachen zu erinnern. Nach der nicht legitimen Anerkennung des Kosovo haben alle erwartet, dass wir Südossetien und Abchasien anerkennen. Alle haben darauf gewartet, und wir hatten ein moralisches Recht darauf. Wir haben uns mehr als zurückgehalten. Ich will das auch nicht kommentieren. Ja, mehr noch, wir haben das geschluckt. Und was haben wir bekommen? Eine Eskalation des Konfliktes. Überfall auf unsere Friedensstifter. Überfall und Vernichtung der friedlichen Bevölkerung in Südossetien. Das sind Tatsachen, die angesprochen wurden. Augenzeugen berichteten, dass georgische Militäreinheiten gegen Frauen und Kinder mit Panzern vorgegangen sind. Sie trieben die Menschen in Häuser und verbrannten sie lebendigen Leibes. Und als georgische Soldaten in Tschinwali einmarschiert waren, haben sie in Keller, in denen sich Frauen, Kinder versteckt haben, im Vorbeigehen Granaten geworfen. Was ist das, wenn nicht Völkermord? Nun zur georgischen Führung. Leute, die ihr Land in eine Katastrophe gestürzt haben, die Führung Georgiens selbst hat mit ihren Handlungen die territoriale Integrität und Staatlichkeit Georgiens untergraben. Solche Menschen dürfen meiner Meinung nach natürlich an gar keiner Staatsspitze stehen. Egal, ob das kleine oder große Staaten sind. Wären dies anständige Menschen, dann hätten sie selbst sofort zurücktreten müssen. Das ist jedoch nicht Ihre Entscheidung, sondern die der georgischen Regierung. Natürlich. Aber wir kennen ja andere Präzedenzfälle. Erinnern wir uns daran, wie die amerikanischen Truppen in den Irak einmarschiert waren und was sie mit Saddam Hussein gemacht haben, weil er einige Dörfer der Schiiten vernichtet hat. Hier dagegen wurden gleich in den ersten Stunden zehn Dörfer auf dem Territorium Südossetiens dem Erdboden gleichgemacht. 46 Herr Ministerpräsident, sehen Sie sich denn im Recht, in das Territorium eines souveränen Staates, nämlich Georgiens, vorzudringen und dort Bombardierungen durchzuführen? Ich selbst sitze hier nur aus purem Zufall mit Ihnen,

Nach dem Georgien-Krieg: ARD-Interview am 29. August 2008 da buchstäblich einige Meter von mir eine Bombe explodiert ist, die aus Ihrem Flugzeug abgeworfen wurde. Gibt Ihnen das aus völkerrechtlicher Sicht das Recht? Wir haben uns absolut im Rahmen des Völkerrechts bewegt. Wir haben den Angriff auf unsere Friedensstifter, auf unsere Bürger als ein Angriff auf Russland aufgefasst. In den ersten Stunden der Kampfhandlungen töteten die georgischen Streitkräfte mehrere Dutzend unserer Blauhelmsoldaten. Sie haben unsere südliche Stellung – dort gab es im Süden und im Norden Stellungen der Friedenstruppen – mit Panzern umzingelt und sie unter direkten Beschuss genommen. Als unsere Blauhelmsoldaten die Technik aus einem Hangar holen wollten, wurde ein Schlag mit dem Artilleriesystem Grad ausgeführt. Zehn Leute, die in diesen Hangar reingingen, wurden auf der Stelle getötet, also lebendig verbrannt. Danach hat die georgische Luftwaffe Luftschläge in verschiedenen Punkten in Südossetien durchgeführt. Nicht in Tschinwali, sondern inmitten von Südossetien. Und wir sahen uns gezwungen, die Verwaltungspunkte der georgischen Streitkräfte, die sich außerhalb der Konfliktzone befanden, unschädlich zu machen. Das waren solche Punkte, von wo die Artillerieschläge und die Luftangriffe auf russische Blauhelmsoldaten koordiniert und ausgeführt wurden. Ich hatte ja gesagt, dass auch die Bombardierung der Zivilbevölkerung stattgefunden hat. Sie haben womöglich nicht alle Informationen. Ich verfüge möglicherweise nicht über alle Informationen. Im Zuge der Kampfhandlungen sind Fehler möglich. Vor Kurzem haben die amerikanischen Luftstreitkräfte in Afghanistan angeblich den Taliban einen Schlag versetzt, in Wirklichkeit aber haben sie mit einem Schlag an die hundert friedliche Menschen vernichtet. Das ist die erste Möglichkeit, aber die zweite Möglichkeit ist wahrscheinlicher: Die Feuerleitstellen, die Luftwaffenlenkstellungen und die Radarstationen hat die georgische Seite manchmal gerade in Wohngebieten untergebracht, um zu verhindern, dass wir gegen diese unsere Luftwaffe einsetzen. Dadurch hat sie die Zivilbevölkerung und auch Sie als Geiseln benutzt. Potenzielle weitere Konflikte Das ist eine Mutmaßung. Der französische Außenminister [Bernard] Kouchner hat viele Sorgen geäußert in den letzten Tagen, als Minister der [EU-] Ratspräsidentschaft. Er hat auch die Sorge geäußert, dass der nächste Konfliktherd um die Ukraine beginnt, nämlich um die Krim, um die Stadt Sewastopol. Ist die Krim das nächste Ziel, der Sitz der Schwarzmeerflotte? Sie sagten das nächste Ziel. Wir haben auch hier kein Ziel gehabt. Deshalb ist es nicht korrekt, so zu reden. Und, wenn Sie gestatten, dann bekommen Sie eine zufrieden 47

© COMPACT-Magazin GmbH 2016 Alle Rechte vorbehalten

   Mediadaten  /  Datenschutz  /  Impressum  /  Kommentarregeln  /  Nutzungsbedingungen  /  Widerruf