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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte _ Den Kriegern folgten Mönche und Bauern 16 Bild links: Szene aus dem Heidelberger Sachsenspiegel, die die deutsche Ostsiedlung um 1300 darstellt. Im oberen Bildteil erhält ein Locator (mit Hut) eine Gründungsurkunde von einem Grundherrn und beginnt mit dem Aufbau eines Dorfes. Im unteren Bildteil agiert er als Richter. Bild: Eike von Repgow, Public domain, Wikimedia Commons Bild rechts: Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, bezwingt die Wenden an der Ostsee. Radierung von Berhard Rode (1725–1797). Bild: picture alliance / akg-images Braunschweig: Heinrich der Löwe auf dem Heinrichsbrunnen. Foto: Brunswyk, CC-BY-SA-3.0, Wikimedia Commons Mark der Billunger an der Elbe. Zusammen mit der Meißner Mark war dies in etwa das Gebiet, auf dem einstmals die DDR lag, Thüringen ausgenommen. Mit der Errichtung des Erzbistums Magdeburg gründete Otto I. 968 ein Zentrum der christlichen Kirche im ostelbischen Raum bis zur Oder. Zu Magdeburg gehörten die Bistümer Brandenburg, Havelberg, Meißen und Zeitz. Aber des Kaisers Vorstellungen griffen wesentlich weiter aus. Er entsandte den Mönch Adalbert, einen böhmischen Fürstensohn, nach Russland, um dieses Gebiet (übrigens auf Wunsch der Kiewer Großfürstin Olga) für die mitteleuropäische Kultur zu gewinnen. Wäre Adalberts Mission geglückt, hätte die Geschichte des Abendlandes einen anderen Verlauf genommen. Doch der Mönch scheiterte, weil in Kiew bereits byzantinisch-orthodoxe Prediger das Terrain besetzt hatten. Umso wichtiger schien es nun, die benachbarten Westslawen jenseits der Oder zu gewinnen. Der Polenfürst Mieszko I. versuchte seinerseits, die Slawen zwischen Oder und Elbe zu unterwerfen. Er gehörte zu den Inspiratoren der heutzutage gern verschwiegenen polnischen Westexpansion, welche sich nicht minder aggressiver Mittel bediente als die deutsche in Richtung Osten. Doch Mieszko war der Hartnäckigkeit von Markgraf Gero nicht gewachsen und musste mit ihm einen Vertrag schließen, der die Oberhoheit des Kaisers anerkannte. 966 trat der Pole sogar zum Christentum über. Diese erste Etappe der deutschen Ostexpansion verlief häufig gewaltsam. Slawische Stämme zwischen Elbe und Oder (Obotriten, Wilzen, Heveller und Daleminzier) wehrten sich gegen ihre Unterwerfung und die damit verbundene Christianisierung. Deutschland war damals nicht so bevölkerungsreich, um das eroberte Gebiet dauerhaft kolonisieren zu können. Der große Slawenaufstand von 983 hatte den Verlust aller nördlichen Marken zur Folge; nur Meißen und ein Teil der Lausitz konnten behauptet werden. Damit war der erste Versuch einer territorialen Ausdehnung nach Osten gescheitert. Adalberts Russland-Mission hätte den Lauf der Geschicht verändert. Es fehlt bis heute nicht an Theorien, die den geschilderten Zug nach Osten mit einer spezifisch deutschen Aggressivität und Eroberungsgier erklärten, welche dann in Hitlers «Überfall» auf die Sowjetunion 1941 ihren folgerichtigen Höhepunkt erreicht habe. Dabei wird übersehen, dass ausnahmslos allen Feudalstaaten die Tendenz zur Expansion innewohnte. Deutschland sah sich dabei in einer besonders komplizierten Lage, weil dieses Land der Geschlossenheit natürlich geschützter Grenzen entbehrte, wie sie beispiels-

COMPACTGeschichte _ Den Kriegern folgten Mönche und Bauern weise Frankreich, Spanien und vollends England besaßen. «Ohne natürliche Grenzen und folglich ohne Schutz, leichte Beute für alle Eindringlinge, dem unmittelbaren Zugriff des chaotischen Balkans ausgesetzt, musste Deutschland allein dem Gewicht der gewaltigen slawischen Massen standhalten, deren Unendlichkeit es zugleich bedrückt und anzieht», beschreibt der französische Historiker Bernard Nuss das Dilemma. «Uneinig, von allen Seiten eingezwängt, ohne Fluchtmöglichkeit nach Norden, wo die Meere Einhalt gebieten, nach Süden, wo die Berge den Weg versperren, nach Osten, wo man an zähen Menschenmassen hängen bleibt oder nach Westen, wo starke Feinde auf der Lauer lagen, gab es für Deutschland nur einen Ausweg, den Rückzug auf sich selbst.» Die zweite Etappe der deutschen Ostexpansion im 12./13. Jahrhundert besaß tiefgreifende ökonomische Ursachen. Das System der Dreifelderwirtschaft (Wechsel von Winterfrucht, Sommerfrucht und Brache) ermöglichte mit seinem überwiegenden Getreideanbau ein reichhaltigeres Nahrungsangebot. Unterstützt wurde das durch Verbesserungen der agrarischen Technik (Pflüge und Eggen aus Eisen). Mehr Nahrung bedeutete auch höhere Geburtenziffern, letztlich einen Bevölkerungsüberschuss, den die damals winzigen Städte und Dörfer kaum noch aufnehmen konnten. Das trieb viele Bauern, Handwerker und Händler zum Verlassen ihrer Heimat und zur Suche nach einer neuen Existenz im dünnbesiedelten Osten. Der Magdeburger Dom ist die Grabeskirche des ersten römischdeutschen Kaisers Otto des Großen. Foto: Marcus_Hofmann, shutterstock.com Anfangs verfügte man im Osten über keine feste Grenzlinie, sondern nur über einen höchst anfälligen Grenzsaum. Das wenig kultivierte Niemandsland in Ostelbien war demzufolge mehr als 150 Jahre zwischen deutschen und polnischen Fürsten umkämpft, weil beide Staaten über ein wesentlich höher organisiertes Staatswesen verfügten, als die halbwilden Stämme der Elbslawen. Da aber den Eroberungen mit Feuer und Schwert im 10. Jahrhundert so wenig Erfolg beschieden war, versuchte man es 200 Jahre später durch den Einsatz friedlicher Mittel. Die großartigen Resultate dieser Methode sprechen für sich und sollten im Waffengetöse europäischer Geschichte nicht übersehen werden. Etwa 1.200 Dörfer entstanden im Rahmen der Ostkolonisation. Ihr Arbeitseifer bei der Rodung und Kultivierung des Bodens, dem Aufbau von Städten und Siedlungen war sprichwörtlich, so dass viele slawische Fürsten in Pommern, Polen, Mecklenburg und Schlesien dazu übergingen, deutsche Siedler ins Land zu rufen. Ungefähr 120 Städte (darunter Stralsund, Stettin, Stargard, Posen und Kolberg) sowie 1.200 Dörfer entstanden im Laufe dieser Kolonisation meist «aus wilder Wurzel», also auf unkultiviertem Land. «Das ganze Gebiet, das sich zwischen der Otto III. (980–1002) – hier als Fensterbild im Straßburger Münster – wurde als Dreijähriger zum deutschen König gewählt. Foto: crdp-strasbourg.fr, Public domain, Wikimedia Commons 17

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