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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte _ Den Kriegern folgten Mönche und Bauern Reste einer Skulptur in der westpreußischen Marienburg, einst Sitz des Deutschen Ordens. Foto: Roman Babakin / Shutterstock.com Nach der endgültigen Eroberung der Festung Brandenborch – auf dem Gebiet des heutigen Brandenburg an der Havel – gründete Albrecht der Bär 1157 die Mark Brandenburg. 1834 stellte Atoplh von Menzel (1815–1905) die Kämpfe auf diesem Gemälde dar. Foto: picture-alliance / akg-images Elbe und der Ostsee bis nach Schwerin erstreckt, einst ein mit Schrecknissen erfülltes, fast wüstes Land, ist nun eine zusammenhängende sächsische Kolonie geworden, in der Städte und Burgen gebaut werden und wo immer mehr Kirchen und Priester einziehen», schrieb Helmold von Bosau 1171 in seiner Slawenchronik. So wenig die Deutschen als verarmte Bittsteller in ihre neuen Wohnstätten zogen, so wenig kamen sie als Ausbeuter. Sie übertrugen ins Neuland die gesamte heimatliche Wirtschaftskraft, einschließlich Handwerk, Ackerbau und Handel. Ihre Ansiedlung erfolgte zumeist in einheitlich geplanten Großdörfern. Oft taten sich mehrere Familien zusammen, die von einem «Locator» geleitet wurden. Letzterer, eine Art Siedlungsunternehmer, der das finanzielle Risiko der Aktion trug, erhielt in der Regel das Erbschulzenamt, das heißt, er leitete die Dorfverwaltung und die Ortsgerichtsbarkeit. Jede Familie bekam von ihm eine Hufe Land (etwa 24 Hektar) zugewiesen, die sie kultivieren musste. Die Siedler blieben mehrere Jahre von Steuern befreit, konnten ihr Land vererben und brauchten keinerlei Frondienste zu leisten. Dies war für viele Deutsche Anreiz, sich der nicht ungefährlichen und immer beschwerlichen Kolonisation anzuschließen. Das für sie geltende «ius teutonicum» (deutsches Recht) umschrieb eine Sonderstellung freier Menschen in der mittelalterlichen Gesellschaft. «Abgesehen von ihrem Wissen und Können, wurden die Siedler aus dem Raum zwischen Elbe und Rhein auch deshalb im Osten bevorzugt, weil die dortigen Feudalherren alles Deutsche meist tief bewunderten», so Martin Wein in seinen Schicksalstagen deutscher Geschichte. Schon ab 1250 begann eine «Tochterkolonisation»: Die Nachkommen der ersten Siedler zogen ihrerseits weiter nach Osten und gründeten dort neue Städte wie Breslau oder Marienburg. Bergleute erkundeten Bodenschätze, Architekten brachten die Steinbauweise mit, Mönche kultivierten den Ackerbau, Adlige hofften auf Karriere bei den Streitkräften oder an osteuropäischen Adelshöfen, zu denen oft verwandtschaftliche Beziehungen bestanden. Erst im 14. Jahrhundert kam dieses Phänomen zum Stillstand, weil einfach nicht mehr genug Menschen zur Verfügung standen. In Europa wütete die Pest und im deutschen Kernland begann eine stärkere Abwanderung in die prosperierenden Städte gemäß der Devise «Stadtluft macht frei». Handwerk, Ackerbau und Handel florierten bei den Siedlern. Im Gegensatz zur Ostexpansion des 10. Jahrhunderts, als der König sich an die Spitze der Bewegung stellte, lag 200 Jahre später die Hauptverantwortung bei den Landesfürsten. Territorialherren als Träger der Ostpolitik waren anfangs Graf Adolf von Schauenburg, der ab 1110 Holstein eroberte, Konrad von Wettin (Stammvater des sächsischen 18

COMPACTGeschichte _ Den Kriegern folgten Mönche und Bauern Die deutschen Kaiser Die sächsischen Kaiser: 919–1024 Die fränkischen (salischen) Kaiser: 1024–1125 Die staufischen Kaiser: 1138–1254 Kaiser aus verschiedenen Häusern: 1273–1437 Die Kaiser aus dem Hause Habsburg: 1438–1806 Die Kaiser aus dem Hause Hohenzollern: 1871–1918 Bild oben: So stellte der Sachsenspiegel, das älteste Rechtsbuch des deutschen Mittelalters, eine Königswahl dar. Bild: Public Domain, Wikimedia Königshauses), der seit 1136 in die Lausitz eindrang und Albrecht der Bär von Askanien, der ab 1134 Markgraf von Brandenburg wurde. Im Raum zwischen Elbe und Oder machten sich vor allem die Zisterziensermönche um eine Kultivierung des Landes verdient. Ihre Klöster Doberan (1171), Zinna (1174), Lehnin (1183) und Chorin (1260) waren Zentren des materiellen Fortschritts. Von Lehnin aus rodeten die Mönche in den schwarzweißen Kutten die Wälder und schufen ringsum Wirtschaftshöfe und Dörfer wie Kagel und Kienbaum. Aus den Kalksteinfelsen von Rüdersdorf bauten sie Kirchen und Wohnhäuser. Ihr erster Abt Siebold wurde noch von den heidnischen Wenden erschlagen, was die gefahrvolle Seite der Ostkolonisation aufzeigt. Bedeutendster Kolonisator war zweifellos Herzog Heinrich der Löwe von Sachsen und Bayern, Gründer von Lübeck und München. Der Welfe förderte ab 1160 die Eroberung Mecklenburgs und Vorpommerns, wobei er auf heftigen Widerstand des einheimischen Fürsten Niklot stieß, der im Kampf fiel. Heinrich, der die universale Politik der Staufer- Kaiser nicht auf Dauer mittragen und vor allem nicht mitfinanzieren mochte, kümmerte sich vor allem um den Aufbau eines geschlossenen, wirtschaftlich blühenden Territorialstaates. Durch den Zuzug niederdeutscher Kolonisten nahmen Ackerbau, Viehzucht, Handel und Gewerbe in den neuen Ländern des Herzogs einen ungeahnten Aufschwung. Dabei ging Heinrich der Löwe politisch klug vor, indem er ein Bündnis mit Niklots Erben Pribislaw schloss, der zum Christentum übertrat und ein Lehnsmann des Welfen wurde. Die Besiedelung des Ostens in den Jahrzehnten ab 1200 darf man sich nicht als plötzliche Invasion von vertriebenen Landsuchern vorstellen, sondern eher als ein allmähliches Einsickern von Gruppen. Die meist adeligen «Locatoren» waren beileibe keine verzweifelten Habenichtse; sie erinnern eher an wagemutige Unternehmer. Oftmals führten sie regelrechte Werbefeldzüge in Deutschland, um künftige Kolonisten zum Umzug nach Osten zu veranlassen. Einer von ihnen war Dietrich von Tiefenau aus der Hildesheimer Gegend, der seinen Besitz verkaufte und als Führer einer Kolonistenschar nach Westpreu- Bild links: Die Königswahl von Otto III. in Verona 983 war die einzige auf italienischem Boden. Darstellung der Reichenauer Schule im Evangeliar Ottos III. Bild: The Yorck Project, Meister der Reichenauer Schule, Public domain, Wikimedia Commons Heinrich der Löwe vertrat eine kluge Geostrategie. 19

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