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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte _ Den Kriegern folgten Mönche und Bauern Der Ordensstaat Deutsche Ostsiedlung Erweiterung zwischen 700 und 1400. Altes deutsches Volksgebiet (um 700 n. Chr.) Beginn der bäuerlichen deutschen Siedlung im 8.–11. Jhdt. Beginn der bäuerlichen deutschen Siedlung im 12. Jhdt. Beginn der bäuerlichen deutschen Siedlung im 13. Jhdt. Beginn der bäuerlichen deutschen Siedlung im 14. Jhdt. Um 1400 siedlungsleere Räume (Wälder und Sümpfe) Grenze des Reiches um 1400 Bekannte Klöster in den Ostgebieten Der von 1230 bis 1561 existierende Staat des Deutschen Ordens umfasste neben dem späteren Ost- und Westpreußen große Teile des heutigen Baltikums. Grundlange des straff durchorganisierten Gemeinwesens war eine Selbstverwaltung der Bürger einschließlich eigener Gerichtsbarkeit. Die Abgaben blieben maßvoll und waren an die tatsächlichen Erträge gekoppelt. Durch umfangreiche Kultivierungen vor allem im Weichseldelta stieg Preußen bis 1350 zum führenden Exportland für Holz und Getreide auf. Trotz des Zuzuges deutscher, aber auch dänischer und polnischer Siedler blieb das Ordensgebiet ein Vielvölkerstaat, in dem sich die althergebrachten Sprachen Prußisch, Livisch, Kurisch, Lettisch und Estnisch erhalten konnten. Im Baltikum dominierte Deutsch vor allem in den Städten – was sich erst im 20. Jahrhundert ändern sollte. Bauer mit Pflug im 13. Jahrhundert in einer Abbildung des Heidelberger Sachsenspiegels. Bild: Ronald Preuss, CC-BY-SA-2.5, Wikimedia Oldenburg Lüneburg Salzwedel Nürnberg Regensburg Schwerin Magdeburg Zwickau Halle Rostock 1218 Perleberg Naumburg Pforta Güstrow Leipzig DRESDEN 1216 Karlsbad Pilsen Passau Churin STETTIN 1243 BERLIN Budweis Ostsee Frankfurt 1253 Cottbus PRAG Zittau Kolberg 1255 Deutsch-Krone 1303 Landsberg Görlitz Königgrätz Rügenwalde Posen 1253 Wollstein Glogau BRESLAU Leitmischl Brünn Lauenburg 1341 DANZIG Baldenburg 1382 Marienwerder Glatz Trebnitz 1250 Brieg 1248 Kulm 1231 Gnesen Troppau Moosburg Kalisch Beuthen Thorn 1231 Teschen KÖNIGSBERG 1286 Heilsberg 1308 Marienburg Allenstein Sieradz Osterode Plozk Warschau 1334 KRAKAU 1257 Neumarkt Deutsch-Liptsch Dobschau Grafik: COMPACT MÜNCHEN Salzburg Linz Krems WIEN Preßburg Schemnitz Deutsch-Pilsen 20 Konrad von Masowien rief 1225 die Deutschordensritter zum Kampf gegen die heidnischen Pruzzen. ßen zog, wo ihm 1236 der Landmeister des Deutschen Ordens, Hermann Balk, die Burg Klein Quedin bei Marienwerder nebst 300 Hufen Landes verlieh. «Auf! Rasche Franken, zähe Sachsen, Ihr Schwaben klug, ihr Bayern stark: Gen Preußenland! Aus Sumpf erwachsen Soll Deutschland eine neue Mark.» So feierte den Zug nach Osten im 19. Jahrhundert der Schriftsteller und Geschichtsprofessor Felix Dahn. Allerdings war das Ganze weniger Idylle als harte Arbeit. Rodung der Urwälder, Trockenlegung von Sümpfen, Errichtung von Häusern und Burgen forderten ihren Tribut. Meist dauerte es drei Generationen, bis die Siedler saniert waren, daher rührte ihr Spruch: «Dem ersten der Tod, dem zweiten die Not, dem dritten das Brot». Den Endpunkt der deutschen Ostkolonisation setzte der 1198 in Palästina gegründete «Orden des Spitals Sankt Mariens vom Deutschen Hause». Seine Mitglieder waren die Deutschordensritter; ihre immer noch geläufige Bezeichnung «Kreuzritter» ist ziemlich unsinnig, weil auch andere Ritterorden (Johanniter, Templer) ein Kreuz auf ihrer Kleidung führten. 1225 rief sie der polnische Herzog Konrad von Masowien ins Land, um die heidnischen Stämme der Pruzzen zu bekämpfen, mit denen er nicht fertig wurde. Als Preis für diese Waffenhilfe überließ er den Rittern das Kulmer Land in Westpreußen an der oberen Weichsel und darü-

COMPACTGeschichte _ Den Kriegern folgten Mönche und Bauern ber hinaus alles Gebiet, was sie von den Pruzzen erobern konnten. Ab 1230 etablierte sich der Orden im späteren Ostpreußen und im Baltikum. Handwerker und Kaufleute ließen sich im Schutz seiner Burgen nieder, so dass dort allmählich Städte nach deutschem Recht emporwuchsen. 1309 verlegte Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen den Hauptsitz des Ordens von Venedig in das neugebaute trutzige Schloss zu Marienburg. Erst 1410 nach der Niederlage gegen die vereinigten Polen, Litauer und Tataren bei Tannenberg ging die kolonisatorische Mission des Ordens verloren. Der Deutsche Orden beherrschte im 14. Jahrhundert ein Gebiet von etwa 200.000 Quadratkilometern an der Weichsel und im Baltikum. Er ist heute vor allem karitativ tätig. Foto: Chron-Paul, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons Polen wurde eher von den Russen als von den Deutschen bedroht. Dass durch die bäuerliche und städtische Siedlungsbewegung Richtung Osten auch eine Germanisierung einsetzte, ist unbestritten. Slawische Stämme vermischten sich mit den Einwanderern und verschwanden so langsam vom Schauplatz des historischen Geschehens. Daraus eine naturgegebene Feindschaft zwischen deutschen Berufs- Aggressoren und geknechteten Ostvölkern zu machen, hieße, geschichtliche Tatsachen zu vergewaltigen. Auch das Schicksal Polens liefert keinen Beweis für die Ostexpansion als «drückende Hypothek» der Deutschen, wie BRD-Politiker gern behaupten. Denn gerade dieses Land war bis ins 20. Jahrhundert weniger durch Expansion aus dem deutschen Westen als vielmehr durch Aggressionen aus dem russischen Osten in seinem territorialen Bestand bedroht. Die Marienburg im Weichseldelta war von 1309 bis 1454 Sitz der Hochmeister im Deutschordensstaat. Die Anlage ist der größte Backsteinbau Europas. Foto: dmitry_islentev, shutterstock.com 21

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