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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte _ Die neuen Herren des Abendlandes Das Reich der Staufer um 1200 Frankreich Hzm. Burgund Friesland Nimwegen Antwerpen Hzm. Brabant Köln Hzm. Nieder- Lothringen Aachen Hzm. Franken Metz Hzm. Oberlothringen Colmar Hzm.Schwaben Rekt. Burgund Kgr. Arelat Kgr. Savoyen Gft. Provence Bremen Hzm. Sachsen Dortmund Holstein Hamburg Lüneburg Wetzlar Lgft. Thüringen Mainz Freiburg Nizza Lombardei Würzburg Mgft. Brandenburg Magdeburg Glt. Tirol Hzm. Bayern Mark Verona ITALIEN Tucien Hzm. Pommern M. Lausitz Mgft. Lausitz Eger Regensburg Kgr. Böhmen Salzburg Hzm. Kärnten Friaul Mark Ancona Hzm. Schlesien Mgft. Böhmen Hzm. Österreich Hzm. Steiermark Rep. Venedig Mark Krain Polen Kgr. Ungarn Königreich Serbien polit profilierte, konnte Deutschland nicht viel bedeuten. Die Geschehnisse zwischen Ostsee und Alpen waren ihm fremd geworden. Den Schutz des Reiches überließ er bequemerweise den Landesfürsten. Als 1227 König Waldemar II. von Dänemark in Norddeutschland einfiel, wurde er durch ein Heer des Grafen Adolf von Holstein sowie der Städte Hamburg und Lübeck am 22. Juli bei Bornhöved schwer geschlagen. Damit waren alle dänischen Großmachtpläne im Ostseeraum zerschlagen – der Kaiser nahm’s zur Kenntnis und begab sich mit 70.000 Mann auf einen völlig überflüssigen Kreuzzug nach Jerusalem. Selbst der verheerende Mongoleneinfall von 1241 konnte den Staufer nicht von seinen Machtkämpfen in Südeuropa ablenken. Dabei war die Gefahr enorm. «Es kam ein wildes Volk aus Asien hereingebrochen, genannt die Mongolen, so greulich anzuschauen wie einst die Hunnen, aber noch greulicher als diese an Unmenschlichkeit», so ein Chronist. «Zahllos lagen sie über Russland, Ungarn und Polen ausgebreitet, und die ganze Gesittung des Abendlandes schien ihnen bereits verfallen zu sein.» Staufi sche Pfalzen Korsica Wichtige Reichs- und Stauferburgen Rom Königreich Sizilien Reiterhorden aus der Steppe bedrohten ganz Mitteleuropa. Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation Haus- und Reichsgut der Staufer Friaul Provinzen Sardinien Reichsgrenze Grafik: COMPACT Palermo Den Reiterhorden aus der Steppe stellte sich am 9. April 1241 bei Liegnitz ein Heer schlesischer Adliger und Fußknechte unter Führung von Herzog Heinrich dem Frommen entgegen, das um den Preis der eigenen fast vollständigen Vernichtung den Feind zum Rückzug veranlasste. Friedrich II., ein leidenschaftlicher Falkner, wusste nichts Besseres zu tun, als dem Mongolen-General einen albernen Brief hinterherzusenden: Er könne sich nun leider nicht mehr unterwerfen. Aber wenn der Großkhan einmal einen erfahrenen Falkenjäger benötige, dann stehe er ihm gerne mit seinem Rat zur Verfügung. So witzig war die Majestät! Von den deutschen Fürsten musste Friedrich II. seine Ruhe regelrecht erkaufen.1232 stellte er ihnen in Cividale das «Statutum in favorem principum» aus, was ihnen unter anderem Münz-, Zollund Bergbaurechte einräumte. Obwohl das eigentlich nur die juristische Fixierung eines längst bestehenden Zustandes war, förderte es den Ausbau der fürstlichen Landesherrschaft und damit letztlich die weitere Spaltung des Reiches in divergierende Interessengruppen. 26 Denkmal von Friedrich I., genannt Barbarossa, auf dem Kyffhäuser in Thüringen. Foto: JanWolf, Wikimedia, CC BY-SA 3.0 Gleichzeitig begann das Gemeinwesen, sich nach außen abzuschotten. «Eine Nation, die von starken Nachbarn umgeben ist, hat die Wahl zwi-

schen Angleichung und Abgrenzung. Seit dem Mittelalter sahen sich die Deutschen in dieser Spannung, wobei sie der Abgrenzung meist den Vorzug gaben.», so der Literaturwissenschaftler Hans-Dieter Gelfert in seinem Buch Was ist deutsch? Es gehört nicht zu den Aufgaben des Historikers, Lob und Tadel zu verteilen. Doch wenn man nach den Ursachen späterer deutscher Zerwürfnisse sucht, findet man sie zuerst in den imperialen Ambitionen der Staufer-Kaiser, die sich im Kampf mit dem Papsttum und italienischen Städtebünden verschlissen. Ihre Politik trug nicht dazu bei, feudale Zersplitterungen zu überwinden, sondern verschuldete im Gegenteil eine Zementierung dieser Missstände. Während im Deutschland des 12./13. Jahrhunderts die Zentralgewalt bei der Lösung ihrer historischen Aufgabe versagte, entstanden in Frankreich und England auf dem Fundament einer raschen und nachhaltigen Entwicklung von Städten, Handel und Handwerk relativ stabile Erbmonarchien. Vor allem Frankreichs Kapetinger-Königen gelang es im Bündnis mit dem Städtebürgertum, etliche unbotmäßige Vasallen niederzuringen und eine effektive Zentralverwaltung aufzubauen. Das war in etwa auch jene – man könnte sagen deutschnationale – Politik, die Heinrich dem Löwen vorschwebte, der jedoch im Konflikt mit den Vertretern des letztlich utopischen Universalgedankens unterlag. Damit war Deutschland der Weg zurück zum Einheitsstaat Karls des Großen versperrt. Darüber können auch beeindruckende Kulturleistungen gerade der Stauferzeit nicht hinwegtrösten. Auf den Glanz der Staufer folgte ein böses Erwachen – das «Interregnum». 1254, vier Jahre nachdem Friedrich II. in Süditalien gestorben und alle seine Nachkommen ermordet waren, brach über Deutschland das «Interregnum» herein, die kaiserlose, die schreckliche Zeit. Schrecklich deshalb, weil ein mittelalterlicher Staat regelmäßig in Anarchie zu versinken drohte, wenn ihm ein gekröntes Oberhaupt fehlte, das rivalisierende Adelsfraktionen einigermaßen zähmen und kontrollieren konnte. Erst 1273 wurde von den Fürsten wieder ein König gewählt – Rudolf von Habsburg. Mit ihm beginnt eine neue Seite im Buch deutscher Geschichte, der Weg vom staufischen «sacrum imperium» zum reinen Hausmachtkönigtum. Mit des Reiches Herrlichkeit war es allerdings vorbei. Heinrich III. 1047 während der Rückkehr aus Italien. In Rom hatte er drei konkurrierende Päpste ab- und Suidger von Bamberg als Pontifex eingesetzt. Herman Wislicenus (1825–1899) schuf dieses Fresco 1879 für die Kaiserpfalz von Goslar. Bild: picture-alliance / akg-images Dieses goldene Siegel Barbarossas an einer Urkunde wird im Vatikanischen Archiv aufbewahrt. Foto: Public Domain, Wikimedia 27

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