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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte Freie Wahlen – aber nur für sieben Männer _ 4. Kapitel Das Adelsgeschlecht der Habsburger beginnt seinen historischen Aufstieg, kann sich indes noch nicht durchsetzen. Die kaiserliche Zentralgewalt wird immer schwächer, und Deutschland verliert zum Ausgang des Mittelalters den internationalen Anschluss. Sechs von sieben deutschen Kurfürsten wählten in Frankfurt am Main am 1. Oktober 1273 einen neuen König. Dass ihre Wahl auf Graf Rudolf von Habsburg fiel, besaß zwei einleuchtende Gründe. Zum einen war der Mann mit 55 Jahren für damalige Verhältnisse schon recht alt und ließ deshalb ehrgeizigere Thronbewerber auf baldige nötige Neuwahl hoffen. Zum anderen besaß Rudolf nicht viel mehr als eine kleine Grafschaft im schweizerischen Aargau und einige elsässische Burgen, so dass er mit eher unbedeutendem Territorialeigentum kein allzu gefährlicher Rivale der großen Landesherren zu werden drohte. Dieser leutselige, hagere Graf mit der Adlernase sollte eigentlich nur eine Übergangslösung sein – stattdessen wurde er Stammvater der mächtigen Habsburger-Dynastie, die 300 Jahre später ein Reich beherrschte, in dem die Sonne nie unterging. Eines war Rudolf, dessen Staatsklugheit viele unterschätzten, klar: Obwohl er die Staufer bewunderte, war deren Politik nicht zu halten. Wenn sein Königstitel überhaupt etwas wert sein sollte, musste er sich eine möglichst machtvolle Position innerhalb des Territorialsystems suchen. Das Deutsche Reich war ja nach den Zersplitterungen des 13. Jahrhunderts kein einheitliches Staatsgebilde mehr. Nicht das Reich, sondern die großen Landesterritorien wurden allmählich zu Staaten im modernen Sinne. Kein Kaiser konnte mehr Gebilde wie Baden, Brandenburg oder Württemberg einfach von der Landkarte streichen oder umverteilen. Wohl aber konnte er sich neben diesen eine starke Hausmacht, also ein möglichst umfangreiches eigenes Herrschaftsgebiet schaffen und weitervererben, egal, ob die Kaiserkrone daran hing oder nicht. Rudolf wollte seinen Nachfolgern weniger glanzvolle Titel als vielmehr eigenständige Macht geben; Das Habsburgerland sollte nicht so sang- und klanglos zugrunde gehen wie einst das Stauferimperium. Der neue König schuf rasch klare Verhältnisse. Als sich Ottokar II., Herzog von Österreich, beständig weigerte, den neugewählten Monarchen anzuerkennen, wurde er geächtet und verlor 1278 auf Siegel der Goldenen Bulle mit dem Bildnis des Kaisers Karl IV. Foto: Public Domain, Wikimedia Rudolf I. zog die Konsequenzen aus dem Scheitern der Staufer. Der böhmische König Ottokar II. Premysl fiel 1278 in der Schlacht von Dürnkrut. Sein Sohn Wenzel bittet Rudolf von Habsburg um die Leiche. Gemälde von Anton Petter (1781- 1858) aus dem Jahr 1821. Bild: picture alliance / akg-images / Nemeth 29

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