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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte _ Freie Wahlen – aber nur für sieben Männer Dabei konnte sich dieser knorrige Graf, im Volksmund «Rauschebart» genannt, der Unterstützung seiner einfachen Bauern gewiss sein, die von den Rittern oft nach Strich und Faden kujoniert wurden. Doch 1377 erlitten Eberhards Männer eine schwere Schlappe vor den Toren der Reichsstadt Reutlingen. Erst 1388 gelang es dem alten Herrn, seine Gegner in der Schlacht bei Döffingen zu besiegen. Die aus dem fränkischen Nürnberg stammenden Hohenzollern, seit 1415 mit kaiserlicher Protektion Kurfürsten von Brandenburg, trieben es weit weniger gewaltsam. Friedrich I., ein eminent kluger Politiker und Feldherr, verbündete sich mit den märkischen Städten gegen die berüchtigten Raubritter, und seinem Sohn Friedrich dem Eisernen genügten politisch-moralische Druckmittel, um den Widerstand Berlins (den «Berliner Unwillen») gegen seine Herrschaft zu brechen. Die Hohenzollern bekamen von allen deutschen Fürsten wohl am wenigsten Ärger mit ihren Untertanen, weil sie als ursprünglich Landfremde besonders behutsam auftraten und auch, weil es bei den armen Märkern nicht viel auszubeuten gab. Manchen Fehler ihrer Nachbarn vermieden sie, beispielsweise dauernde Erbteilungen, die das Territorium des Landes pulverisierten. Sie hielten es besser als die Wettiner in Sachsen mit ihrem Leipziger Vertrag von 1485. Damals teilten die Söhne Kurfürst Friedrich des Sanftmütigen, Ernst und Albrecht der Beherzte, ihre Stammlande. Dadurch wurden Sachsen und Thüringen für immer getrennt, wobei die Linien der Ernestiner und Albertiner einander oft genug feindselig gegenübertraten. Deutsche Erfinder legten den Grundstein für die Neuzeit. In Brandenburg verhinderte 1473 das «Achilleische Hausgesetz» (benannt nach Kurfürst Albrecht Achilles) solche negativen Entwicklungen. Es legte fest, dass das Land ungeteilt und nach dem Recht der Erstgeburt vererbt werden musste. Auch wenn sich nicht alle Nachfolger hundertprozentig daranhielten, verfügte das spätere Brandenburg-Preußen doch über eine solide Grundlage zur Wahrung seiner gebietsmäßigen Einheit. Dass ausgerechnet die Hohenzollern 400 Jahre nach Albrechts Verfügung an der Spitze eines geeinten Deutschlands standen, besitzt unter diesem Blickwinkel eine gewisse historische Folgerichtigkeit. Sie ließen die Habsburger Kaiser sein und vergrößerten indessen ihr bescheidenes Land mit bemerkenswert friedlichen Mitteln. 32 Bild oben: Rathaus in Stralsund. Foto: Wolfgang Zwanzger, shutterstock.com – Bild darunter: Die Bunte Kuh war eines der Führungsschiffe der Hanseflotte bei der Jagd auf den Seeräuber Klaus Störtebeker. Bild: picture alliance / dpa

COMPACTGeschichte _ Freie Wahlen – aber nur für sieben Männer Zum Ausgang des Mittelalters besaß das Deutsche Reich eine relativ starre territoriale Struktur, deren hervorstechendstes Merkmal die Zersplitterung in große Landesfürstentümer und vergleichsweise winzige Städte und geistliche Gebiete war. Noch repräsentierte der Hansebund eine überregionale Macht, die den Ostseeraum zu einer Wirtschaftseinheit zusammenschweißte. Doch der Niedergang vieler deutscher Städte begann mit der Entdeckung Amerikas 1492. Seit dieser Zeit führten die großen Handelsströme nicht mehr durch Mitteleuropa, sondern über den Atlantik, wo England, Portugal und Spanien sich das Revier teilten. Die technisch-wissenschaftlichen Voraussetzungen dafür waren kurioserweise in Deutschland selbst geschaffen worden. Nikolaus Kopernikus leitete eine astronomische Zeitenwende mit seiner heliozentrischen Himmelsmechanik ein, der Nürnberger Martin Behaim konstruierte den ersten Globus, sein Landsmann Peter Henlein die erste Taschenuhr, Johannes Gutenberg erfand die Buchdruckerkunst. In dieser Zeit um 1500 bereitete das Schicksal alles vor, um neue Kontinente zu entdecken. Doch wie schreibt Joachim Fernau in seiner deutschen Geschichte so schön: Das Schicksal «verteilte die Rollen dann reichlich komisch: Die Deutschen machten in ihren Kämmerchen die weltbewegenden Erfindungen, die Bewegung der Welt übernahmen dann andere … Spanier, Portugiesen und Italiener sagten Dankeschön und begannen, die Welt zu erobern. Kolumbus gondelte nach Nordamerika, Cortez nach Mexiko, Pizarro nach Südamerika, sie standen aufrecht, kühn und gottesfürchtig am Bug ihrer Segelschiffe, Helden der Neuzeit, während sich die deutschen Bürger schlafen legten.» Bewegung in dieses Gefüge brachte erst wieder die Reformation, die wohl nachhaltigste Umwälzung des Abendlandes. Gutenbergs erster Buchdruck: Gemälde von Friedrich Reichert aus dem Jahr 1871. Bild: bpk / Hermann Buresch Grafik: COMPACT Die Hanse und der mittel- und nordeuropäische Handel _ 13. bis 16. Jahrhundert FINNLAND Hansestädte Handelshöfe und Niederlassungen der Hanse Wichtige Seerouten Wichtige Landrouten Bergen KÖNIGREICH NORWEGEN Oslo KÖNIGREICH SCHWEDEN Stockholm Reval Pernau FÜRSTENTUM NOWGOROD Pieskau Nordsee Wisby DEUTSCHER ORDEN Riga KÖNIGREICH DÄNEMARK Polozk Kopenhagen Malmö Ostsee Kauen Königsberg KÖNIGREICH ENGLAND London Amsterdam Bremen Hamburg Braunschweig Rostock Kolberg Stettin Berlin-Cölln Danzig DEUTSCHER ORDEN Thorn GROSSFÜRSTENTUM LITAUEN Brügge Köln Warburg Aschersleben Leipzig Breslau KÖNIGREICH POLEN KÖNIGREICH FRANKREICH Dinant Frankfurt / Main HEILIGES RÖMISCHES REICH DEUTSCHER NATION Krakau 33

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