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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte Eine deutsche Idee spaltet Europa _ 5. Kapitel Martin Luther schenkt den Deutschen ihre moderne Sprache und löst mit seiner Reformation eine Abkehr von der Papstkirche aus. Religion wird zum Politikum und stärkt vor allem die Macht der Fürsten. Am Ostersonntag 1525 töteten aufständische Bauern vor Weinsberg den Grafen Ludwig von Helfenstein und seine Begleitung. Die Tat nahm Martin Luther zum Anlass für seine Schrift Wider die mörderischen Rotten der Bauern. Gemälde von Fritz Neuhaus (1852–1922) aus dem Jahr 1879. Bild: picture-alliance / akg-images Ein kleiner Mönch forderte den Kaiser heraus. Der 18. April 1521 soll, wenn man den Chronisten glauben darf, ein schöner sonniger Tag gewesen sein. Der Reichstag ist in Worms versammelt. Kaiser Karl V. – ein 21-jähriges spanisches Knäblein, das kaum ein Wort Deutsch versteht – präsidiert der erlauchten Versammlung von Kurfürsten, Erzbischöfen und Rechtsgelehrten. Nun stößt der Reichsherold mit seinem Stab auf den Boden und verkündet, dass Doktor Martin Luther, Augustinermönch und Professor an der Wittenberger Universität, vorgeführt werde. Zunächst ein wenig betreten und verwirrt, tritt ein kaum mittelgroßer, magerer Kleriker in schwarzer Kutte mit einem Strick um den Leib und großen Sandalen vor das Auditorium. Ein befremdlicher Anblick inmitten von so viel Samt, Seide, Goldketten und Federbaretten. Die Räte und Bischöfe kommen schnell zum Gegenstand der Verhandlung. Sie fordern Luther auf, seine ketzerischen Schriften zu widerrufen, die Angriffe gegen das Papsttum zu bereuen und sich der kirchlichen Autorität zu unterwerfen. Widrigenfalls, so der päpstliche Gesandte, würde das Ganze auf dem Scheiterhaufen enden. Doch Luther lässt sich nicht schrecken. Schon hat seine Lehre die Massen ergriffen. In einer Zeit, da man seit zwei Menschenaltern die Kunst des Buchdrucks kennt, ist ihr Siegeszug nicht mehr aufzuhalten. Die bedeutendsten Humanisten diskutieren Luthers Thesen, Universitäten geben Gutachten ab, Disputationen finden statt, zahllose Prediger ziehen durchs Land, um die Botschaft von evangelischer Gewissensfreiheit und Reform der Glaubenslehre zu verbreiten. Die Welt des Spätmittelalters erfährt eine Erschütterung, deren Auswirkungen die Entwicklung auf dem Kontinent über Jahrhunderte beeinflussen sollte. 34 Die wohl bekannteste Darstellung Luthers aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren, 1528/1529. Der Reformator saß für das Porträt selbst Modell. Bild: Public domain, Wikimedia Zunächst hatte Luther nur zeittypische Verirrungen des religiösen Gefühls abgestoßen, wie der Ablass- und Reliquienhandel. Es musste doch jeden frommen Menschen empören, wenn ein Mönch wie der berüchtigte Johann Tetzel behauptete: «Und selbst wenn einer die Heilige Jungfrau Maria geschändet hätte, so habe ich doch genug Sündenablaß für ihn in meiner Truhe.» Freilich waren die

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