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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte _ Eine deutsche Idee spaltet Europa Kauf Dir einen Kaiser «Das Finanzkapital im Heiligen Römischen Reich zentrierte sich rund um den Konzern der Fugger. Die Fugger – ursprünglich aus Augsburg, zu Beginn Textilhändler und Textilproduzenten – schafften es im ausgehenden 15. Jahrhundert mithilfe der Handelsgroßmacht Venedig und mit guten Beziehungen zum Vatikan, zu einem Finanztrust aufzusteigen. Der erste Schritt war die Kolonisierung Tirols, die Okkupation der dortigen Bodenschätze. Die dabei zusammengeraubten Edelmetalle wurden genutzt, um ein Münzmonopol zu errichten, Währungspolitik zu machen und auf dieser Grundlage die deutschen Kaiser zu kreditieren. Die Kaiser in dieser Zeit, vor allem die Habsburger Maximilian I. (1459–1519) und Karl V. (1519– 1556), kamen durch die milliardenschwere Unterstützung aus dem Hause Fugger ins Amt: Die Augsburger hatten die Kurfürsten bei der Kaiserwahl bestochen und so ihre Favoriten ins Amt gebracht.» (aus: COMPACT- Magazin 7/2014) Bild links: Ulrich von Hutten züchtigt Franzosen. Gemälde von Wilhelm von Lindenschmit (1829-1895). Bild: picture alliance / akg-images Bild rechts: Thomas Müntzer in der ältesten, aber nicht verbürgten Darstellung durch Christoph van Sichem, 1608. Bild: Public Domain, Wikimedia Mord schreien hört, und die ebenso regelmäßig von diesen Revolutionen gefressen werden, ob sie nun Robespierre oder Trotzki heißen. Müntzer stachelte die Bauern, die jahrhundertelang zur Demut erzogen und eher friedlich gesonnen waren, in Brandreden wie der «Allstedter Fürstenpredigt» zum bewaffneten Kampf gegen die «gottlose Obrigkeit» an. Es hieß dort: «Schlagt dran, dran, dran, es ist Zeit, die Bösewichter sind verzagt wie die Hunde!» Doch dieser Aufruf war ein selbstmörderisches Unternehmen. Unzureichend bewaffnet, ohne militärische Disziplin unterlagen zuerst die Bauernhaufen in Süddeutschland den Landsknechtsheeren der Fürsten. Mit der totalen Niederlage des von Müntzer befehligten gut 6.000 Mann starken thüringischen Bauernaufgebotes im Mai 1525 bei Frankenhausen war das Schicksal der Erhebung besiegelt. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Luthers Reformation die geistige Freiheit in Deutschland beflügelt hatte und wie ein reinigendes Gewitter herniedergefahren war. Aber sie hatte auch eine tiefe Spaltung bewirkt. Denn die allumfassende, alleinseligmachende katholische Kirche war letztlich die einzige Gemeinsamkeit sämtlicher deutschen Länder, Staaten und Städte, welche sich allmählich als Nation begriffen. Dieses letzte Bindeglied war nun zerrissen und es verwundert nicht, wenn bald Gegenkräfte auf den Plan traten, um es wieder zusammenzuschmieden. In Gestalt Karls V., dem Erben der spanischen und der Kaiserkrone, war in Deutschland noch einmal die Möglichkeit erwachsen, der Zersplitterung des Reiches Einhalt zu gebieten. Die hereinbrechende Reformation lief den imperialen Plänen Karls diametral zuwider. Die aus ihr hervorgehende protestantische Fürstenopposition, deren tatsächlicher Beweggrund im Autonomieanspruch der Territorialherrscher bestand, musste deshalb vom traditionell katholisch gebundenen Kaiserhaus zwangsläufig bekämpft werden. Der innenpolitisch durchaus mögliche Sieg der Zentralgewalt (aus den neuentdeckten spanischen Kolonien in Amerika zog man die finanziellen Mittel dafür) wurde jedoch durch eine bedrohliche außenpolitische Konstellation verhindert. Aufgrund der Konfrontation mit Frankreich in Oberitalien und vor allem der osmanischen Gefahr – 1529 belagerten die Türken Karls Hauptstadt Wien! – war der Kaiser immer wieder auf den militärischen Beistand der deutschen Territorialfürsten angewiesen. Zwischen diesen Fronten wurden seine Einheitspläne zerrieben. Für den Kampf gegen die Türken musste Karl V. zu Hause Kompromisse schließen. War man sich im Kampf gegen Reichsritterschaft und Bauern noch einig, zerfiel der Fürstenbund bald darauf. In den folgenden Auseinandersetzungen versuchte das konservativ-katholische Lager unter Karl V., den Einfluss des Luthertums zurückzudrängen. Auf dem Reichstag zu Speyer 1526 brachen die Gegensätze zwischen beiden Lagern wieder auf. Die durch Aufhebung von Klöstern und Einziehung von Kirchengut auch finanziell erstarkten lutherischen Länder unter Führung Kursachsens und Hessens protestierten auf dem Reichstag gegen das kaiserliche Begehren nach politischer 38

Ächtung Martin Luthers. Aus diesem Vorgang leitet sich der geläufige Terminus «Protestanten» ab. Offenbar war ihr Siegeszug nicht mehr aufzuhalten. Mecklenburg, Brandenburg, Anhalt-Dessau führten die Reformation ein. 1542 wurde im Bistum Naumburg-Zeitz Nikolaus von Amsdorff als erster evangelischer Bischof eingesetzt. Zeitgleich damit breitete sich die Reformation auch in Europa aus. Neben Siebenbürgen (Ungarn/ Rumänien) und der Schweiz erfasste sie vorrangig Nordeuropa von den Niederlanden bis nach Schweden. Sie zerstörte die universelle Stellung der römischen Papstkirche und der von ihr getragenen religiösen Einheit in weiten Teilen des Kontinents und leitete allerorten den bürgerlichen Kampf gegen den Feudalismus ein. Ein höchst brüchiger Frieden besiegelte Deutschlands Spaltung. Die katholische Seite, durch das 1545 begonnene Konzil von Trient innerlich und äußerlich gefestigt, holte zum Gegenschlag aus. Protagonist dieser Gegenreformation war das habsburgische Kaiserhaus. Eine wichtige Rolle im katholischen Revancheplan spielte das Wirken des 1534 gegründeten Jesuitenordens. 1548 erlagen die deutschen Protestanten im Schmalkaldischen Krieg zunächst ihren Gegnern. Vier Jahre später kam es zur Fürstenrebellion gegen Karl V. unter Führung Sachsens, Hessens und Brandenburgs. 1555 wurde in Augsburg endlich Religionsfrieden geschlossen. Jeder Landesherr im Deutschen Reich hatte fortan das Recht, die Religion seiner Untertanen zu bestimmen. Damit waren die letzten kirchlich-religiösen Gemeinsamkeiten des Reiches aufgehoben und die territoriale Zersplitterung besiegelt. Die Spaltung Deutschlands in katholische und protestantische Fürstentümer fand ihre Entsprechung in der Spaltung Europas in katholische und protestantische Staaten. Während diese aber als einheitliche Staatsgebilde weiterexistierten, war Deutschland endgültig in sich zerrissen. Doch zunächst schien die größte Gefahr gebannt. Erst nach einer 63-jährigen Friedensperiode, der bis heute längsten in unserer Geschichte, folgte eine Katastrophe von wahrhaft apokalyptischen Ausmaßen. Bauernkrieg und Ritteraufstand 1522/23 bis 1525 Dieuze Trier Metz Zabern Straßburg Freiburg Mainz Pfeddersheim Zürich Frankfurt a. M. Heilbronn Böblingen Hersfeld Mühlhausen Stuttgart Ulm Wurzach Würzburg Königshofen Lindau Goslar Frankenhausen Meiningen Leipheim Memmingen Bayreuth Forchheim Nürnberg Ingolstadt Augsburg Der Augsburger Kaufmann Anton Fugger gilt als reichster Mann der Geschichte. Auf diesem Bild von Karl Becker (1820-1900) aus dem Jahr 1866 verbrennt er 1530 die Schuld scheine des vor ihm sitzenden Kaisers Karl V. Vermutlich ist diese Geschichte jedoch frei erfunden. Bild: picture-alliance / akg-images Grafik: COMPACT Leipzig München Joachimstal Waldsassen Salzburg Bauernaufstände Kerngebiete 1522/23 bis 15.3.1525 15.3. bis 16.4.1525 nach 16.4.1525 Aufstände in Städten Schlachten Ritteraufstand 1522/23 Deutschland in den heutigen Grenzen Steyr Schladming 39

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