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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte _ Vorwort Vorwort Heinrich Heine, der große Spötter und ätzende Kritiker jüdischer Herkunft, war gleichzeitig ein inniger Patriot. Was er über sein deutsches Vaterland schrieb, würde ihn heute zum Rechtsextremisten stempeln. Wenn Heine etwas hasste, dann Zensur und geistige Bevormundung. Die hatten Übung darin, weil sie schon seit 1688 die wehrlose Pfalz und das Rheinland verwüsteten. Aber diese Tatsache scheut man sich heutzutage in Deutschland zu erwähnen, es könnte womöglich den Nachbarn (und staatlich verordneten Busenfreund) Frankreich verprellen. Was ist geschehen mit diesem Land, das sich seiner Geschichte so inbrünstig schämt? Wo liegen die Wurzeln dafür, dass selbst die Zerstörung eines Schlosses durch fremdländische Soldateska heute schamvoll verschwiegen und kaschiert wird? Warum diese Scheu vor unserem Tausendjährigen Reich? Ein schwer belasteter Terminus, gewiss. Aber die Behauptung, Adolf Hitler habe den Deutschen weiland eine 1000-jährige NS-Herrschaft versprochen, entspringt der Unkenntnis von Historikern und der notorischen Denkfaulheit von Journalisten. Wenn die Nationalsozialisten vom Tausendjährigen Reich sprachen, war jenes im Jahre 919 gegründete deutsche Kaiserreich gemeint, dessen Traditionen sie (mit welcher Berechtigung auch immer) fortsetzen wollten. Warum schämt sich unser Land seiner eigenen Geschichte? Vielleicht existiert ein spezielles Depressionsgen der Deutschen, das sie ihre eigene Vergangenheit so düster wahrnehmen lässt. Heinrich Heine konstatierte vor gut 150 Jahren: 4 Das bekannteste Werk von Heinrich Heine (1797–1856), Deutschland ein Wintermärchen, war das Bekenntnis eines Exilanten zu seiner Heimat: «Pflanzt die schwarz-rot-goldne Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschtums, und ich will mein bestes Herzblut für sie hingeben.» Bild: Moritz Daniel Oppenheim, Public domain, Wikimedia Commons, bridgemanart.com Das Schloss zu Heidelberg galt einst als prächtigster Renaissancebau in ganz Deutschland. Seit 1693 ist es nur noch eine – obgleich imposante – Ruine. Wenn man heute auf einem Neckar-Dampfer am Schlossrudiment vorbeidümpelt, dann wird per Tonband erklärt, weiland sei das Gebäude «zerstört» und hernach «wegen Unbewohnbarkeit aufgegeben» worden. Was mag diese Zerstörung wohl verursacht haben? Ein Erdbeben vielleicht, ein Vulkanausbruch, Blitzschlag oder Hochwasser? Auch offizielle Schlossführer schweigen darüber. Um das Geheimnis zu lüften: Das Schloss wurde auf Befehl des «Sonnenkönigs» Ludwig XIV. von französischen Soldaten in Schutt und Asche gelegt. «Franzosen und Briten sind von Natur Ganz ohne Gemüt; Gemüt hat nur Der Deutsche, er wird gemütlich bleiben Sogar im terroristischen Treiben.» Diese Zeilen enthalten nicht nur triefenden Hohn, sondern auch ein Quentchen Anerkennung für die friedfertige Grundeinstellung unseres Volkes. Es ist ein ebenso verstecktes Lob wie der Witz bolschewistischer Massenmörder, die deutschen Revolutionäre würden vor Erstürmung eines Bahnhofes erst noch eine Bahnsteigkarte kaufen. Der Deutsche galt im Ausland lange Zeit als gutmütiger, weltfremder Trottel. Im 19. Jahrhundert wurde es Mode, den Nationalcharakter eines Volkes in Symbolfiguren zu kennzeichnen. So entstand der britische «John Bull», ein ruppiger Typ in Schaftstiefeln mit Türstehervi-

COMPACTGeschichte _ Vorwort sage, in Frankreich die verführerische, blankbusige «Marianne» und in den USA der «Uncle Sam» mit seinem Knüppel allgemeiner Weltbeglückung in der Faust. Verkörperung des Deutschen hingegen war «Michel», der unter seiner Schlafmütze leicht verdattert in die Welt schaut, stets gewillt, von seinen Nachbarn jedwede Gemeinheit hinzunehmen und sich dafür auch noch zu bedanken. Heinrich Heine kommentierte: «Michel! Fallen dir die Schuppen Von den Augen? Merkst du itzt, Dass man dir die besten Suppen Vor dem Auge wegstibizt?» John, Marianne und Sam blieben viele Jahre ihrem Charakter treu, nur der Michel änderte sich plötzlich. Er rieb sich allen Schlafsand aus den Lidern, wurde stark und erwachsen, besorgte sich sogar seinerseits einen Knüppel. Also nahm Heine wieder die Feder und schrieb: «Deutschland ist noch ein kleines Kind, Doch die Sonne ist seine Amme, Sie säugt es nicht mit stiller Milch, Sie säugt es mit wilder Flamme. Bei solcher Nahrung wächst man schnell Und es kocht das Blut in den Adern, Ihr Nachbarskinder hütet euch, Mit dem jungen Burschen zu hadern.» Und als dieser junge Bursche dann auch noch Soldaten ausbildete, um seine Grenzen zu sichern, und eine Flotte baute, um seine Handelswege zu schützen, da riefen John, Marianne und Sam 1914 den russischen Bären zu Hilfe, um einen Weltkrieg vom Zaun zu brechen. Denn sie wollten ja ihren alten, treudoofen und bequemen Michel wiederhaben. Heute, zwei Weltkriege später, ist er wieder da. Schon in der Schule lernen die Kinder, dass man fremde Besatzungssoldaten, Massenvergewaltiger und Bombenschützen als Befreier zu bejubeln hat und dass der deutsche Michel nicht nur eine Schlafmütze trägt, sondern auch zum größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte mutiert ist. Und weil der Deutsche endlich wieder zu seiner einfältigen Demut gefunden hat, darf er als Belohnung – selbstredend unter ausländischem Kommando – in Mittelasien ein bisschen Krieg führen. Um eben dieses Michel-Deutschland und seine Geschichte geht es hier. Unser Vaterland hat in den 1000 Jahren seiner Geschichte vor 1933 keine Scheusale wie Zar Iwan den Schrecklichen, keine geifernden Hassprediger wie Robespierre, keine Bartholomäusnacht, keine barbarischen Gewaltherrscher wie Heinrich VIII. oder Gangsterbosse wie Al Capone hervorgebracht. Gerade deshalb lohnt es sich, Michels Vergangenheit zu beleuchten. Denn Heinrich Heine wusste auch: «Deutschland hat ewigen Bestand, Es ist ein kerngesundes Land! Mit seinen Eichen, seinen Linden Werd’ ich es immer wiederfinden.» Diese 12,5 Meter hohe Germania ist Teil des 1883 eingeweihten Niederwalddenkmals bei Rüdesheim am Rhein. Foto: Oliver Haub, visibi.de, CC BY-SA 2.5, Wikimedia Commons Der deutsche Michel darf wieder Krieg führen. Heidelberg – hier der Blick vom Schloss – ist seit etwa 2.500 Jahren besiedelt. Insbesondere in den USA ist die Stadt heute ein Synonym für Deutschland. Foto: jakubtravelphoto, shutterstock.com 5

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