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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte _ Geburtsstunde des armen Michel Silbermedaille zum 100. Jahrestag des Westfälischen Friedens. Foto: Hermann Junghans, Wikimedia, CC BY-SA 3.0 DE Grafik: COMPACT Glieder, von Österreich und dem eben damals aufstrebenden Brandenburg-Preußen abgesehen, viel zu unbedeutend waren, um eine selbstständige Politik zu verfolgen. Die Schweden nisteten sich für die nächsten 150 Jahre in Vorpommern und Bremen ein, Franzosen besetzten das Elsass; die Schweiz und die Niederlande verließen endgültig das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Und während jeder kleine Potentat seinen Ehrgeiz dareinsetzte, ein Schlösschen im Stile von Versailles zu bauen oder seinem Leben etwas von dem fürstlichen Glanz Pariser Art zu geben, versuchten etwa 20 Millionen deutsche Bauern und Bürger in stiller, geduldiger Arbeit, das zerstörte Land wieder emporzubringen. Handel und Gewerbe, Landwirtschaft und Handwerk erholten sich allmählich in dem vom Krieg heimgesuchten Orten. Den politischen Gewinn aus drei Kriegsjahrzehnten zogen die Landesfürsten durch Übernahme der Kirchenhoheit, das Recht, Bündnisse mit auswärtigen Mächten zu schließen und die Errichtung stehender Heere. Territorialen Zuwachs erzielten vor allem Bayern mit der Oberpfalz und Brandenburg- Preußen mit Hinterpommern. Bedeutung und Einfluss der drei katholischen Kurfürstentümer Mainz, Köln und Trier schwanden dahin. Die «Libertät» der weltlichen Territorialherren siegte endgültig über des Kaisers Zentralgewalt, wobei es vom jeweiligen Herrscher abhing, ob er die seit dem Westfälischen Frieden verkündete religiöse Toleranz auch in der Praxis durchsetzte. Ohnmächtig und nahezu schutzlos musste man im Reich den französischen Raubzügen Ludwigs XIV. zusehen, dessen Truppen die Pfalz und das Rheinland verwüsteten, Städte wie Worms, Speyer, Der Dreißigjährige Krieg Königreich Dänemark Lübeck Stralsund Gustav II. Adolf (Schweden) 1630 Pommern Danzig Vereinigte Niederlande Köln Metz Pfalz Osnabrück Bremen Württemberg Hessen- Kassel Tilly 1626 Braunschweig Münster 1626 Magdeburg Lutter Stadtlohn am Berge 1623 Dessau 1626 Trier Köln Franzosen 1635/46 Höchst Mainz Tilly 1623 Dänen Frankfurt Würzburg Heilbronn Wimpfen 1622 Tuttlingen 1643 Memmingen Nördlingen 1634 Erfurt Gustav Adolf 1632 Ham Mecklenburg Lützen 1632 Nürnberg München Bayern Brandenburg Tilly 1631 Breitenfeld 1631 Leipzig Wallenstein 1632 Sachsen Mansfeld 1623 Stettin Lausitz Weißer Berg 1620 Prag Österreich Böhmen Nikolsburg Pressburg Königreich Polen Schlesien Königfelde 1629 Breslau Katholische- und Reichstruppen Protestanten Schweden Grenzen des Heiligen Römischen Reichs Schlachten Tilly 1620 Wallenstein 1627 Schweden 1636 Siebenbürgen Königreich Ungarn 46

COMPACTGeschichte _ Geburtsstunde des armen Michel Mannheim niederbrannten. 1693 sank Heidelberg mitsamt seinem prächtigen Renaissanceschloss in Schutt und Asche. Selbst der Frankreich heimlich bewundernde Preußenkönig Friedrich II. bezeichnete das als «ewige Schande der französischen Nation, die wiewohl sehr höflich, sich manchmal zu Grässlichkeiten hinreißen ließ, die der barbarischsten Nationen würdig wären.» So beklagenswert diese politische Zersplitterung des Deutschen Reiches auch ist – sie besaß nicht nur Nachteile. Gerade dank dieser in Europa einmaligen Zerklüftung besitzt Deutschland heute eine so reiche Kulturlandschaft wie kein anderes Land vergleichbarer Größe. «Jeder Einzelstaat und selbst kleinste Duodezfürstentümer hatten eine Residenzstadt, die entsprechend den finanziellen Möglichkeiten des Landesherrn ein Schloss, ein Theater, nicht selten ein Opernhaus, eine Bibliothek und weitere Kultureinrichtungen besaß», so Hans-Dieter Gelfert. Von dieser reichen Erbschaft ist das meiste bis heute erhalten oder wurde nach dem Krieg wiederaufgebaut. Deutschlands Zersplitterung besaß auch ihre Vorteile: eine große kulturelle Vielfalt. Der Historienmaler Carl Theodor von Piloty (1826–1886) schuf sein Gemälde Der Hofastrologe Seni vor der Leiche Wallensteins 1855 in Anlehnung an Friedrich Schillers Wallenstein-Trilogie. Auffallend ist das Fehlen jeglicher religiöser Motive in dem Werk. Bild: CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons Als Europa schließlich aus dem Schlaf der Vernunft erwachte, brach auch für Deutschland ein neues Zeitalter an. Die Aufklärung eroberte das Denken der Elite. Niemand hätte erwartet, dass ausgerechnet Brandenburg-Preußen, jenes vom Dreißigjährigen Ermüdungskrieg schwer mitgenommene Land, beispielgebend auf diesem Gebiet werden sollte. Dort, in der Mark, in Pommern und Ostpreußen begann ein Prozess, den Friedrich der Große 100 Jahre später als «Mirakel des Hauses Brandenburg» umschrieb. Die unzufriedenen Böhmen hingegen, von deren Territorium das ganze Morden seinen Ausgang nahm, standen 1648 vor dem Trümmerhaufen ihrer Hoffnungen. Die Fensterstürzer von Prag zahlten fast alle mit Geld und Leben, Böhmen selbst blieb für die nächsten 250 Jahre dem Kaiser in Wien untertan. Am 15. Mai 1648 beschworen die spanischen und niederländischen Gesandten im Rathaussaal von Münster den Friedensschluss. Erste Sondierungen der Kriegsparteien über einen Friedenskongress hatte es bereits im Jahre 1637 gegeben. Doch erst im Juni 1645 begannen in Osnabrück tatsächliche Gespräche. Um Streitigkeiten zwischen den beteiligten Mächten vorzubeugen, wurden die Verhandlungen auf Münster und Osnabrück aufgeteilt. Zeitgenössische Darstellung von Gerard ter Borch (1617–1681) Bild: Public Domain, Wikimedia 47

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