Aufrufe
vor 5 Monaten

COMPACT-Geschichte

  • Text
  • Otto
  • Deutschen
  • Reich
  • Deutschland
  • Deutsche
  • Friedrich
  • Domain
  • Compactgeschichte
  • Kaiser
  • Heinrich
Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte Die Staatsmaschine im märkischen Sand _ 7. Kapitel Nahezu unbemerkt etabliert sich im Norden ein Reich von neuem Zuschnitt. Das spätere Preußen wird allmählich zum Vorbild für Pflichtbewusstsein, Toleranz und militärischen Schneid – von keinem so exemplarisch verkörpert wie von Friedrich dem Großen. «Allianzen sind zwar gut, aber eigene Kräfte noch besser», erklärte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg in seinem Testament. Er wusste, wovon er sprach, war es doch gerade sein Land gewesen, das im Dreißigjährigen Krieg leidvolle Erfahrungen mit jähen Bündniswechseln machen musste. Vom Franzosenkönig Ludwig XIV. um die Früchte seines Sieges bei Fehrbellin (1675) betrogen, sah der Große Kurfürst sein politisches Heil im Aufbau einer möglichst schlagkräftigen Armee und einer weitgehend autarken Wirtschaft. 48 Seit 1170 verwendeten die Askanier einen roten Adler, hier auf dem Wappen der Markgrafen von Brandenburg im 15. und 16. Jahrhundert. Der Greifvogel symbolisiert bis heute das Land. Foto: Bayerische Staatsbibliothek Cod.icon. 312 c, Public Domain, Wikimedia «Allianzen sind zwar gut, aber eigene Kräfte noch besser.» Kurfürst Friedrich Wilhelm In der Schlacht bei Zorndorf im Siebenjährigen Krieg verhinderte Preußens Armee unter Führung von Friedrich II. am 25. August 1758 das Eindringen der Russen in die Mark Brandenburg. Hier in der Darstellung von Carl Röchling (1855–1920) aus dem Jahre 1904. Bild: picture-alliance / akg-images Da aber Brandenburg-Preußen ein bekanntermaßen armes und von der Natur wenig verwöhntes Land war, holte sich Friedrich Wilhelm seine Mitstreiter aus allen Himmelsrichtungen. Im Edikt von Potsdam gewährte er den in Frankreich aus religiösen Gründen drangsalierten Hugenotten Glaubensfreiheit und eine neue Heimat an Spree und Havel. Dieses Dokument vom 8. November 1685 gilt allgemein als Anfang einer von den Hohenzollern geprägten Politik ideologischer Toleranz. Begonnen hatte das jedoch weitaus früher. Bereits die Reformation verlief in Brandenburg ohne ansonsten übliche Glaubenskämpfe und Zwangsbekehrungen. Als 1613 unter Kurfürst Johann Sigismund das brandenburgische Herrscherhaus zum Calvinismus übertrat, wurde kein Untertan gezwungen, diesen Schritt nachzuvollziehen, wie es anderswo in Deutschland an der Tagesordnung war. Derartig behutsamer Umgang mit Glaubensfragen sprach sich rasch herum, und seit der Mitte des 17. Jahrhunderts suchten religiös Verfolgte in Brandenburg-Preußen Zuflucht. Zu ihnen gehörten deutsche Mennoniten, schottische Presbyterianer, französische Waldenser und Katholiken aus aller Herren Länder. Selbst die nirgendwo gern gesehenen Juden erhielten anfangs (allerdings in begrenztem Maße und zeitlich befristet) Asyl. Bald kam der populäre Spruch auf: «Es wird niemand Preuße, denn durch Not, Und ist er’s geworden, so dankt er Gott.»

© COMPACT-Magazin GmbH 2016 Alle Rechte vorbehalten

   Mediadaten  /  Datenschutz  /  Impressum  /  Kommentarregeln  /  Nutzungsbedingungen  /  Widerruf