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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte _ Das Reich entschlummert sanft Zur Lage der Nation Der Rheinbund 1812 Königreich Dänemark DANZIG Königreich Großbritannien Mecklenburg- Schwerin Königreich Preußen LONDON Königreich Westphalen Berg Arnsberg Königreich Sachsen BERLIN Herzogtum Warschau Nassau «Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrichs des Großen, welcher, der Herr seines Jahrhunderts, eine neue Zeit schuf. Wir sind mit derselben nicht fortgeschritten, deshalb überflügelt sie uns.» (Prinzessin Luise von Preußen über die Niederlage gegen Napoleon) PARIS Kaiserreich Frankreich Schweiz Rheinbund Württemberg Königreich Bayern Königreich Italien WIEN Kaisertum Österreich Die preußischen Reformen ab 1807 führten auch zur Selbstverwaltung der Städte. 1808 trafen sich die ersten Berliner Stadtverordneten zum Gottesdienst in der Nikolaikirche. Bild: Public Domain, Wikimedia Grafik: COMPACT BARCELONA Frankreich von Frankreich abhängige Länder Rheinbund: Konföderation 39 deutscher Staaten unter napoleonischer Sardinien Herrschaft ROM Neapel Osmanisches Reich 58 Preußens Kriegserklärung hielt man in Paris für eine Finte. kürherrschaft und Rheinbund-Kollaborateure zu Felde gezogen wurde. Dieses Mittelding zwischen Klage und Anklage im Namen Deutschlands führte zu Palms Verhaftung. Am 26. August 1806 wurde der Buchhändler von einem französischen Kriegsgericht binnen 24 Stunden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Diese grelle Maßnahme des Gesinnungsterrors sollte zum Symbol für die Segnungen der Napoleon-Ära in Deutschland werden. In den Rheinbundstaaten fanden zwar umfangreiche Verwaltungs- und Sozialreformen statt; die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches Code Napoléon sollte grundlegende Rechte der Französischen Revolution einführen: Freiheit und Sicherheit der Person, Gleichheit vor dem Gesetz, Unverletzlichkeit des Eigentums. Praktische Auswirkungen ergaben sich daraus kaum, weil sich die wirtschaftliche Lage der Rheinbundstaaten wegen hoher materieller Belastungen durch die napoleonischen Besatzungstruppen eher verschlechterte. Frankreichs Hegemonieansprüche stießen in Deutschland auf zunehmenden Widerstand. Der preußische Theologe Friedrich Schleiermacher schrieb im Juni 1806: «Es steht bevor, früher oder später, ein allgemeiner Kampf, dessen Gegenstand unsere Gesinnung, unsere Religion, unsere Geistesbildung nicht weniger sein werden, als unsere äußere Freiheit und äußeren Güter. Ein Kampf, den … die Völker mit ihren Königen gemeinsam führen werden.» Den von Schleiermacher prophezeiten Kampf nahm Preußen gemeinsam mit Sachsen an. Allerdings zu einem derart unpassenden, ungeschickt gewählten Zeitpunkt, verlassen von allen potentiellen Verbündeten, dass Napoleon die preußische Kriegserklärung von 1806 zunächst für eine diplomatische Finte hielt. Als er merkte, dass die ganze Angelegenheit doch ernst gemeint war, begann die französische Militärmaschine zu rollen. Kaum drei Wochen vergingen, da erlitt die ruhmreiche friderizianische Armee bei Jena und Auerstedt ein Debakel erster Ordnung. Es ist viel geschrieben worden über das damalige preußische Heer und dessen Unzulänglichkeiten auf materiellem Sektor. Was aber letztlich die Niederlage verschuldete, war die mentale Einstellung der Generalität. Die Führung des Jahres 1806 war derart von der eigenen Unfehl- und Unschlagbarkeit überzeugt, derart vom Nimbus Friedrichs des Großen durchtränkt, dass es an sträflichen Leicht-

COMPACTGeschichte _ Das Reich entschlummert sanft sinn grenzte. Wenn der General Ernst Philipp von Rüchel behauptete, Heerführer wie Napoleon gäbe es in Preußens Militär dutzendweise, so drückte er die allgemeine Haltung des höheren Offizierskorps aus. Einzig der von manchen Historikern als hilfloser Trottel verkannte König Friedrich Wilhelm III. stand dem ganzen Feldzug skeptisch gegenüber und beklagte «die unbeschreibliche Konfusion» in den eigenen Reihen. Dieser steife, entschlusslose Mann schlichten Gemütes wurde eigentlich nur durch seine Gemahlin Luise im moralischen Gleichgewicht gehalten; an den bramarbasierenden Generalen seiner Umgebung hatte er keinen Halt. Zu den Legenden gehört auch die Behauptung, Preußens Soldaten wären 1806 desertierend in alle Himmelsrichtungen verschwunden. «Wir waren ein festes, treues, ein gutes, starkes Kriegsvolk. O, hätten Männer an unserer Spitze gestanden!», schrieb der preußische Offizier Adelbert von Chamisso, später als Lyriker und Publizist bekannt. Auch konnte vom «Zusammenbruch» Preußens nach Jena/Auerstedt keine Rede sein. Der Staatsapparat blieb im Wesentlichen intakt und wich in die Ostgebiete aus, die Armee leistete mit russischer Hilfe hartnäckigen Widerstand. Was die preußische Niederlage den Zeitgenossen so unerhört scheinen ließ, war die Tatsache, dass die für unbesiegbar gehaltenen Truppen Friedrichs des Großen vor französischen Revolutionshorden davonliefen. Selbst Napoleon, der keineswegs an Selbstunterschätzung litt, besaß eingestandenermaßen Respekt vor Preußens Armee. Seine zunächst leicht errungenen Siege ließen ihn allerdings schnell in äußerste Geringschätzung des Gegners zurückfallen. Böse sah es für Preußen aus, als Ende Juni 1807 der russische Verbündete um Waffenruhe bat. In Tilsit stand das Schicksal des Staates auf Messers Schneide. Dass Preußen nicht von der Landkarte getilgt wurde, war weniger dem Verhandlungsgeschick der Königin Luise zu danken (so sehr man den außergewöhnlichen Einsatz dieser Frau bewundern darf), als dem Druck des Zaren, der Napoleon nicht ganz Deutschland ausliefern mochte. Der Krieg war sichtbar verloren, doch wenigstens vermied es die Berliner Politik, dem suspekten Rheinbund beizutreten. Der König beklagte «die unbeschreibliche Konfusion» in den eigenen Reihen. Im Jahre 1808 fand in Erfurt unter Napoleons Vorsitz ein Fürstentag statt. Die deutschen Huldigungen an den Kaiser überstiegen nach Einschätzung des französischen Diplomaten Talleyrand jedes Maß und berührten ihn peinlich. Kein Mensch rechnete damit, dass gerade dieses scheinbar für immer sklavisch unterworfene Volk der Deutschen dem Imperator fünf Jahre später sein politisches Grab schaufeln sollte. Ernst Moritz Arndt (1769–1860). Bild: Public Domain, Wikimedia Bild links: 1913 schuf Hugo Lederer diese Gedenktafel für den Freiherrn Karl vom und zum Stein am Rathaus von Schöneberg, heute Teil von Berlin. Foto: Public Domain Bild rechts: Der französische Code civil galt in Teilen Deutschlands bis zum Jahr 1900. Foto: DerHexer, Wikimedia, CC-by-sa 4.0 59

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