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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte Deutschland spielt die zweite Geige _ 9. Kapitel Ruhe gilt nach 1815 als die erste Bürgerpflicht. Romantik und Biedermeier beherrschen die Szene. Auf deutsch-nationales Gedankengut stehen Zensur, Ächtung und Gefängnis. 60 August Neidhardt von Gneisenau (1760–1831) plante bereits 1811 einen Aufstand gegen die französische Besetzung Preußens, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Während der Befreiungskriege bekleidete er hohe Posten in der Armee, erhielt aber kein eigenes Kommando. Gemälde von George Dawe (1781–1829). Bild: English Heritage Photo Library; Public Domain, Wikimedia Nicht Deutschland befreite sich von Napoleon, sondern Preußen. In der Schlacht bei Kulm am 29. und 30.8.1813 besiegten vor allem preußische Truppen unter Friedrich von Kleist die Franzosen. Carl Röchling (1855–1920) schuf dieses Aquarell des deutschen Triumphs um 1900. Bild: picture-alliance / akg-images Das sächsische Dorf Großgörschen, zwischen Merseburg und Weißenfels gelegen, gab am 2. Mai 1813 die Kulisse für eine Schlacht her. Ganz in der Nähe, bei Lützen, hatten sich 181 Jahre zuvor die Heere Wallensteins und Gustav Adolfs von Schweden geschlagen; jetzt standen hier die Franzosen den vereinigten Preußen und Russen gegenüber. Nachdem beide Seiten mehr als 10.000 Tote und Verwundete auf dem Schlachtfeld zurückgelassen hatten, ging man auseinander. Das Ganze stellte ein klassisches Remis dar, bei dem jeder sich wie üblich für den Sieger hielt. Großgörschen war der erste Akt eines Dramas, das als «Deutsche Befreiungskriege 1813–1815» in die Geschichte einging. Wie so viele schematisierende Begriffe ist auch dieser irreführend. Was sich damals befreite, war eben nicht Deutschland oder die Deutschen, sondern bestenfalls Preußen und eine Handvoll verbündeter Kleinstaaten. Und selbstverständlich die Russen, Österreicher, Engländer, Spanier. Hingegen blieb es auch noch 1813 in den deutschen Rheinbundstaaten still und stumm, geschweige denn, dass jemand zur Waffe gegen die napoleonischen Besatzer gegriffen hätte. Der Würzburger Dichter Friedrich Rückert ließ neben dem Schwaben Ludwig Uhland als einziger Nichtpreuße seiner Vaterlandsliebe in Geharnischten Sonetten freien Lauf. Aber selbst Rückert blieb aus Rücksicht auf seine barmenden Eltern hinterm heimischen Herd, während der preußische Poet Max von Schenkendorf (Deutschland heißet unser Haus) trotz seiner gelähmten Hand freiwillig zur Armee ging. Dem tapferen Sachsen Theodor Körner, dessen König es penetrant lange mit Napoleon hielt, blieb nichts anderes übrig, als einer preußischen Freischar, den Lützowern, beizutreten. Preußen, von Napoleons Hegemonie am ärgsten gebeutelt, übernahm bereits 1813 eine gesamtdeutsche Führungsrolle, die eigentlich niemand so richtig gewollt hatte. 1807 auf die Hälfte seines territorialen Besitzstandes gedrückt, von den Franzosen und ihren europäischen Verbündeten ausgepresst und beargwöhnt, war das Land gezwun-

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