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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte _ Auf steinigem Pfad zum Einheitsstaat Die Germania von Philipp Veit (1793–1877). Bild: Public Domain, Wikimedia Hinrichtung von Robert Blum am 9. November 1848 auf der Brigittenau bei Wien. Zeitgenössisch dargestellt von Carl Steffeck (1818– 1890). Bild: Deutsches Historisches Museum, Public Domain, Wikimedia in Grundsatzreden. Preußen sah sich fast zwangsläufig auf den Weg einigungspolitischer Initiativen verwiesen, so wie 1834 mit der Gründung des Zollvereins. Vor allem in Norddeutschland schloss man sich den Einheitsbestrebungen an, während südlich des Mains namentlich Bayern und Württemberg einen deutschen Zusammenschluss unter preußischer Dominanz fürchteten wie der Teufel das Weihwasser. Und König Georg von Hannover, nicht nur physisch blind, war der Stachel im Fleische Norddeutschlands – ein ewig gestriger Reaktionär mit feudalistischen Allüren. Den «Grund, der uns die Einheit verlieren ließ» erklärte sich Otto von Bismarck zu dieser Zeit so: «Es ist, wie mir scheint, ein gewisser Überschuss an dem Gefühle männlicher Selbständigkeit, welcher in Deutschland den Einzelnen, die Gemeinde, den Stamm veranlasst, sich mehr auf die eigenen Kräfte zu verlassen als auf die der Gesamtheit.» Das hat sich 150 Jahre später gründlich ins Gegenteil verkehrt und ist in eine Mentalität der Staatsversorgung und persönlichen Passivität abgeglitten. Kontrovers wurde die Einheitsproblematik damals vor allem hinsichtlich des Habsburgerreiches diskutiert. Der großdeutsche Gedanke vertrat die historische begründete Einbindung der deutschstämmigen Österreicher in den erstrebten Nationalstaat; die Kleindeutschen wollten nichts von Habsburg wissen, das die Balkan-Zeitbombe immer mit sich schleppen würde. In Preußen musste man kleindeutsche Lösungen favorisieren, anderenfalls wäre die österreichische Hegemonie im künftigen Reich nicht zu vermeiden gewesen und Berlin wollte sich Wien ebenso wenig unterordnen wie umgekehrt. Groß- und kleindeutsche Strategie standen sich entgegen. Im Konflikt um Schleswig-Holstein 1864 gingen Preußen und Österreich noch gemeinsam militärisch gegen dänische Expansionsgelüste vor und jagten dem König in Kopenhagen einen gehörigen Schrecken ein. Doch zwei Jahre später war der große Konflikt ausgebrochen – ein deutsch-deutscher Bruderkrieg par excellence. Der Wiener Regierung, spätestens seit dem Frankfurter Fürstenkongress 1863 in der Rolle des Hemmschuhs für Deutschlands Einheit, gelang es, die süddeutschen Staaten nebst Hannover in den antipreußischen Feldzug hineinzuziehen. Mit sicherem Instinkt trat auch Sachsen wieder an die Seite der Verlierer. Die ganze Angelegenheit dauerte im Sommer 1866 nur 40 Tage, dann waren die Habsburger und ihre Vasallen schwer geschlagen: Österreich und Sachsen bei Königgrätz durch das Genie des preu- 70

ßischen Generals Moltke, Hannover bei Langensalza, Baden und Württemberg bei Tauberbischofsheim, Hessen bei Laufach, Bayern bei Hünfeld (wo die blau-weißen Kürassiere vor den «Saupreiß’n» bis nach Schweinfurt ausrissen). Friedrich Engels, der selbsternannte große Guru militärischer Prophezeiungen irrte sich gewaltig, als er in britischen Zeitungen den sicheren Sieg der pro-österreichischen Koalition vorhersagte. Nachdem die Interessenkollision zwischen Preußen und Österreich durch den Schwertstreich von Königgrätz und einen nachfolgend durch Kanzler Otto von Bismarck konstruierten, sehr milden Friedensschluss bereinigt war, konnte die kleindeutsche Variante der Einheit erprobt werden. Preußen schloss eine Allianz mit der deutschen Nationalbewegung. Staaten wie Hannover, Hessen-Nassau, Schleswig und Holstein sowie die Freie Reichsstadt Frankfurt am Main verschwanden von der Landkarte, der Deutsche Bund wurde im August 1866 aufgelöst. Für vier Jahre existierten die «drei Deutschlands»: Deutsch-Österreich, die Länder südlich des Mains (Bayern, Württemberg, Baden und Hessen- Darmstadt) und der Norddeutsche Bund. Letzterer, gegründet am 9. Februar 1867, war ein Zusammenschluss von 22 Staaten und freien Städten auf föderativer Grundlage. In seiner verfassungsmäßigen Struktur nahm er das Deutsche Reich von 1871 schon vorweg. Es gab den aus freien und allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Reichstag (297 Abgeordnete) sowie Bundesrat und Bundeskanzler. Der preußische König stand als Bundespräsident an der Spitze des Staates. Die Bundesgesetzgebung regelte Zoll- und Handelsfragen, das Strafrecht sowie Verkehrs-, Post- und Telegraphenwesen. Für Zivilgerichtsbarkeit, Kultus, Erziehung und öffentliche Bauvorhaben waren die Länder zuständig. Der Norddeutsche Bund war der Vorläufer des Reiches. Viele Liberale sahen im Norddeutschen Bund die Verwirklichung ihrer politischen Ziele: Verfassungsstaat, Freiheit von Wirtschaft und Gewerbe, Freizügigkeitsrecht. Sie gaben ihre Opposition gegen Bismarck auf und unterstützten den preußischen Weg zur deutschen Einheit. Auch die Demokraten südlich der Mainlinie konnten sich diesem Zug der Zeit nicht entziehen, wenngleich die 1868 in Stuttgart gegründete «Süddeutsche Volkspartei» ausgesprochen antipreußische und partikularistische Zwischen den 1830er Jahren und 1873 erfolgte die Industrialisierung Deutschlands. Dieses 1875 vollendete Bild zeigt die Darstellung eines Eisenwalzwerks durch Adolph von Menzel (1815–1905). Als Grundlage dienten Skizzen aus Königshütte in Oberschlesien. Bild: Public Domain, Wikimedia Kaiser Wilhelm I. (1797–1888). Bild: Public Domain, Wikimedia 71

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