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COMPACT-Geschichte

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Beschreibung der Deutschen Geschichte

COMPACTGeschichte _ Mit Glanz und Gloria ins 20. Jahrhundert Deutsche Kolonien Am Wettrennen der Mächte um Überseegebiete beteiligte sich Deutschland ernsthaft erst ab etwa 1880. Dennoch gelang es Berlin, bis 1900 zum viertgrößten Kolonialreich aufzusteigen. Die meisten der militärisch kaum gesicherten Territorien gingen bereits zu Beginn des Ersten Weltkriegs verloren. Lediglich Ostafrika konnte sich bis zum Waffenstillstand 1918 halten. Die deutlichsten Spuren hinterließ die Kolonialzeit in Namibia (Deutsch-Südwestafrika), wo Deutsch bis heute eine der Umgangssprachen zwischen den Ethnien ist. Atlantischer Ozean Französisch- Westafrika Togo Kamerun Deutsch- Südwestafrika Russland Deutsch-Witu Deutsch- Ostafrika Nyassaland Britsch- Indien Deutsch-Somali-Küste Indischer Ozean China Nikobaren Tsingtao Sulu-Inseln Formosa Stiller Ozean Deutsch- Neuguinea Deutschland und Kolonien Santa-Lucia-Bucht gescheiterte Kolonialbestrebungen ab 1857 (Auswahl) Grafik: COMPACT Im Versailler Vertrag wurde das ganze deutsche Volk schuldig gesprochen. Nicht nur deutsche Soldaten glaubten bei Kriegsbeginn 1914 an einen schnellen Sieg. Foto: Public Domain, Wikimedia erholte sich die marxistische Ideologie lange nicht, wie immer, wenn die Wirklichkeit der reinen Lehre zuwiderläuft. Kaum ein Arbeiter dachte 1914 an den von Marx und Engels gepredigten Klassenkampf, geschweige denn, dass jemand den obskuren Schweizer Exilanten Wladimir I. Lenin ernst genommen hätte. «Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche», erklärte Kaiser Wilhelm II. am 4. August 1914. Das war ein wirkungsvolles Schlagwort mit realistischem Hintergrund. Denn jeder Mensch in Deutschland, ob Konservativer oder Sozialdemokrat, Protestant oder Katholik, alt oder jung, gebildet oder primitiv, glaubte fest an den Sieg seiner gerechten Sache. Wie sollte ein Heer mit preußischer Ausbildung je geschlagen werden? Doch Preußen stellte schon 1914 eher eine historische Reminiszenz dar. Auf seine traditionellen schwarz-weißen Fahnen war das Rot des Reiches und des Blutes gekommen. Das stolze, hochfahrende Deutschland sah sich 1919 als Paria unter den europäischen Nationen, verarmt und ausgeblutet durch vier Jahre Krieg gegen eine übermächtige Koalition und deren Hungerblockade. Im Versailler Vertrag hatte man ein ganzes Volk schuldig gesprochen, ohne ihm die geringste Möglichkeit zur Verteidigung einzuräumen. Der Kriegsschuldartikel 231 lud auf Deutschland die Bürde alleiniger Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Auf diesen Paragraphen stützten sich auch sämtliche unsinnig hohen Reparationsforderungen von zunächst 226 Milliarden Reichsmark. 80 Derartige ökonomische Unvernunft fand ihre Ergänzung durch politisch-moralischen Irrsinn. Frankreich verabreichte seinem Nachbarn eine Ohrfeige nach der anderen, die militärische Besetzung des Ruhrgebietes 1923 war der Höhepunkt. Ost- Oberschlesien mit Kattowitz wurde von Deutschland getrennt, obwohl sich 60 Prozent der Einwohner in einer Volksabstimmung dagegen erklärt hatten. In Westpreußen, Memelland und der Provinz Posen fragte man die Bevölkerung sicherheitshalber gar nicht erst und schlug das Gebiet den Polen und Litauern zu. Danzig wurde zum anachronistischen Gebilde einer «Freien Stadt». Es ergab sich die einmalig groteske Situation, dass Deutschland aus zwei voneinander isolierten Teilen bestand: Ostpreußen als Insel mitten im polnischen Ländermeer. Konflikte waren dadurch schon vorprogrammiert.

COMPACTGeschichte _ Mit Glanz und Gloria ins 20. Jahrhundert Was der SPD-Vorsitzende und Reichspräsident Friedrich Ebert über den «Gewaltfrieden» von Versailles im Mai 1919 sagte, sollte manchem sozialdemokratisch angehauchten Historiker in den Ohren klingen: «Gewalt ohne Maß und Grenzen soll dem deutschen Volk angetan werden. Aus solchem aufgezwungenen Frieden müsste neuer Hass zwischen den Völkern und im Verlauf der Geschichte neues Morden erwachsen.» Der Mann war ein Prophet. Heines Vermächtnis Die veröffentlichte Meinung dieses Landes vermittelt seit langem den Eindruck, Deutschlands Geschichte habe erst am 30. Januar 1933 begonnen und zwölf Jahre später geendet; Jahre, an denen wir alle bis heute gefälligst zu leiden und für die wir ewig zu büßen hätten. Unsere Vergangenheit begann aber nicht 1933 und endete auch nicht in diesem Jahr. Es begann allenfalls die Zeitgeschichte, deren anfängliche zwölf Jahre es unter anderem mit sich brachten, dass Heinrich Heine als «Judensau vom Montmartre» geschmäht wurde. Den argen Spötter, der selbst kräftig auszuteilen gewohnt war, hätte das wahrscheinlich kalt gelassen, wusste er doch, von wem es kam. Er hat seinen Glauben an die inneren Werte des deutschen Volkes nie verloren, auch wenn er zum Schluss den Wohnsitz in Paris nahm. Von dort schrieb er: «Ja, ich gestehe, es hängt mein Herz Ein bisschen an dem alten Deutschland noch immer, ich denke noch gern An die schönen verlornen Gestalten.» Mit solchen und ähnlichen Versen würde der Dichter wohl hierzulande schnell als Rechtsextremist denunziert werden. Was Joachim Fernau vor 30 Jahren beklagte, gilt bis heute und heute mehr denn je: «Wir leben in einem für immer aufrecht erhaltenen Bewusstsein, als einziges Volk der Erde eine vollkommen unsühnbare Vergangenheit zu haben. Das ist erschütternd in seiner Unsinnigkeit, Heuchelei und Brutalität.» Vielleicht aber wird eines Tages Realität werden, was Heinrich Heine Anfang des 19. Jahrhunderts seinen Landsleuten wünschte: «Alles Schöne kommet wieder, Alles Gute kehrt zurück; Und der Deutsche, fromm und bieder, Froh genießt sein deutsches Glück.» Bild oben: Wilhelm II. ging am 10.11.1918 ins niederländische Exil, wo er 1941 starb. Anfang des 20. Jahrhunderts stellte ihn der Porträtmaler Christian Hegden dar. Bild: Public Domain, Wikimedia Heute undenkbar: Schulkarte aus der Weimarer Republik. Österreich gehört noch ganz selbstverständlich zur deutschen Nation. Bild: Braun–Ziegfeld, Geopolitischer Geschichtsatlas 81

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