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COMPACT-Magazin 01-2017

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Merkels letzter Kampf

COMPACT

COMPACT Titelthema Die ödipale Nation _ von Harald Harzheim Wer Merkel sagt, muss auch Mutti sagen. Und wie jeder gute Spottname bringt auch dieser eine Wahrheit ans Licht – nicht nur über die Bundeskanzlerin, sondern ebenso über ihre Anhänger. gertum. Nein, wer die Illusion familiärer Harmonie stört, wird zum bösen Schmuddelkind erklärt, soll sich schämen und muss in den Schmollwinkel gehen. Und die Medien zeigen mit dem Finger auf ihn. Wie gefährlich solche Regression in der Politik ist, dass sie eine subtile Diktatur darstellt, wusste die Philosophin Hedwig Conrad-Martius bereits 1952: In Goethes Faust II schickt Mephisto den Gelehrten hinab zu den «Müttern», zu den Mythen und Irrationalismen. Für Conrad-Martius war dies ein typisch deutsches Problem: «Es hat einmal jemand geäußert (…), wenn die Deutschen nicht wüssten, wohin gehen, dann gingen sie zu den ”Müttern”. Es ist wohl an der Zeit, vor allem wieder zu lernen, nach oben zu den ”Vätern” zu gehen…» Die Väter stehen hier für rationale Lebensbewältigung. Ein Satz, der wenige Jahre nach dem mythen- und affekttriefenden Faschismus allzu berechtigt war. 20 Angela Merkel bleibt auch 2017 die Nummer 1 der CDU. Auf dem Parteitag im Dezember 2016 nominierte ihre Partei sie mit 89,5 Prozent als Spitzenkandidatin. Foto: picture alliance / dpa Die Kanzlerin verkörpert den Archetyp der Glucke. Obwohl Angela Merkel keine Kinder hat, gilt sie manchen als «Mutti der Nation», im In- und Ausland gleichermaßen. Ihre Ersatzkinder, das sind Millionen Wahlberechtigte und einige tausend Hofberichterstatter. Zusammen bilden sie die ödipale Nation. Das würde manches Mainstream-Medium gern verbergen: «Hört endlich auf, Angela Merkel ”Mutti” zu nennen!», befahl die Tageszeitung Die Welt per Schlagzeile. Das hat aber nichts genutzt. Denn diese Bezeichnung ist mehr als ein willkürlicher Spitzname. Die Kanzlerin verkörpert den Archetypen der Glucke besser und radikaler als die meisten biologischen Mütter. Zwar hat sie keinen Plan, aber sie ist alternativlos. Obwohl unter ihrem Gefieder jede sinnvolle Entwicklung stagniert, herrscht ungebrochenes Vertrauen in ihre pausbäckige Zuversicht, in die totalitäre Güte einer Person, die schon weiß, was «ihren Kleinen» gut tut. Regression ist Merkels Erfolgsrezept. Das beinhaltet natürlich, dass sie die Sorgen, Ängste oder Einwände ihrer «Lieben» nicht allzu ernst nimmt. Verständnisvolles Zuhören, ein paar beruhigende Worte – und alles ist wieder im Lot. Aber wehe, wenn das nicht hilft. Wenn undankbare Pimpfe weiterhin aufmucken. Dann versucht Merkel keine Moderation wie einst Gustav Heinemann zwischen tobenden 68er-Studenten und Bür- Wie sehr dürfte sich Frau Conrad-Martius heute, unter Merkels ödipalem Regime, bestätigt fühlen! Zumal als Kontrast zu Amerika, das gerade der Versuchung widerstanden hat, eine tödliche Übermutti ins Präsidentenamt zu wählen… Damit kein Missverständnis aufkommt: Das ist kein Plädoyer gegen Frauen in der Politik! Aber echte Kämpferinnen wie Rosa Luxemburg, Sahra Wagenknecht oder Roms Bürgermeisterin Virginia Elena Raggi würden in Deutschland nie an die Regierung gewählt. Eine Luxemburg und eine Wagenknecht analysieren die Krisen ihrer Zeit und reagieren mit der Erstellung eines rationalen Gegenprogramms. Aber dafür erhalten sie höchstens einen Spielplatz am politischen Rand. Stattdessen bevorzugt man Muttis unförmige Fleischmasse, zwischen deren Speckrollen der ängstliche Bürger sich verkriechen kann. Merkel bekämpft keine Probleme, sondern leugnet sie. Skeptiker werden mit einem «Wir schaffen das!» und «Weiter so!» eingelullt. Weiter so – bis Mutti willkürlich die Richtung ihrer Politik wechselt, für niemanden nachvollziehbar. Aber alle müssen solche Wendungen stillschweigend mittragen – auch darin sind sie hilflose Kinder. Im Hotel Mama Das Schlimmste am Mutti-Typus ist aber die Übergriffigkeit: Die Glucke erdrückt, sie akzeptiert keine emotionale Distanz zwischen sich und ihrer Brut. Und sie scheut auch nicht das Niederreißen von Staatsgrenzen, wenn sie damit die Zahl ihrer Schutzbefohlenen vergrößert. Tatsächlich glaubt der Psychologe Stephan Grünewald, dass Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik auch eine Reaktion gekränkter

COMPACT Titelthema Kinder sei: «Jetzt fragen sich viele Deutsche: Wen liebt Mutter Merkel mehr? Die eigenen Kinder oder die fremden, die in Turnhallen leben?» Stimmt: Warum macht sie keine Selfies mit Dresdner Obdachlosen? – Auch darin beweist sich das Antidemokratische ihrer Politik: Nicht mehr das Interesse der Bürger, sondern Übermuttis Befindlichkeit und Vorliebe stehen im Zentrum der Fragestellung. Man weiß aus eigener Beobachtung: Kinder, die sich nicht aus dem Einflussfeld der Mutter befreien, werden niemals erwachsen. Wie viel Mitleid oder Verachtung erfahren Menschen jenseits der Vierziger, die noch im «Hotel Mama» wohnen! Warum? Weil jedem intuitiv klar wird, dass der Betroffene niemals Verantwortung für sich selbst übernehmen, sein Potential niemals ausschöpfen wird, sich vor dem Alltag drückt. Zumal das Leben ständige Auseinandersetzung bedeutet, die aber nicht ins Grandhotel Mutti gelangen kann, weil man dort seinen sicheren Hafen hat… Dafür sorgt sie – und deshalb kommt Merkel den harmoniesüchtigen Deutschen sehr entgegen, die inzwischen sogar die Diskussionskultur verlernt haben. Wie Psychos gemacht werden Anders als männlich-väterliche Destruktivität äußert sich die weiblich-mütterliche selten physisch, sondern zumeist psychisch und zielt auf Lähmung der Seele ab. Das lässt sich gut als Fürsorge tarnen und ist im Gegensatz zur offenen Gewalt nicht strafbar. Nur Hollywood und die Populärkultur warnen seit Jahrzehnten vor allzu enger Mutterbindung. Viele Serienmörder in Thrillern und Krimis haben ein zentrales Problem: Sie haben die Nabelschnur nicht rechtzeitig durchtrennt, sind Muttersöhnchen geblieben, und ihre verkrüppelte Persönlichkeit eskaliert im Blutrausch. Berühmtestes Beispiel ist Norman Bates in Alfred Hitchcocks Psycho (1960). Kürzlich entstand die TV-Serie Bates Motel, ein Prequel zu Psycho: Das zeigt die Dominanz und Grenzüberschreitung der Übermutter Norma Bates gegenüber ihrem Sohn bis ins Detail. Dass der zum Killer wurde, verwundert danach nicht mehr. Die Serienmörder in Thrillern sind oft Muttersöhnchen. Bleibt nur noch die Frage nach der Befreiung. Die löste Peter Jacksons Splatter-Komödie Braindead (1990, später indiziert) auf rabiate Weise: Der ödipale Held wird von seiner – auch physisch zum Monster mutierten – Erzeugerin verschlungen. Danach schneidet er sich von innen heraus, mit einem spitzen Gegenstand, einen blutigen Ausgang. Auch Muttermord kann vergeben werden, wusste schon der antike Dramatiker Aischylos in seiner Orestie. Aber keine Panik: Das ist Symbol- und Märchensprache. In der politischen Realität geht das unblutig und ganz bequem: Man wählt die tyrannische Alte einfach ab. Die Bevölkerung muss 2017 erwachsen werden – indem sie Merkel nicht zum vierten Mal zum Amt verhilft. Der Bürger muss Streitkultur und politische Rationalität wiederentdecken. Traut Euch. Die Welt lacht über Mutti. Hier im Februar 2015 auf dem Karnevall im italienischen Viareggio. Foto: picture alliance / dpa Die Merkel- Männchen Schon im Sommer 2011 schrieb Jürgen Elsässer im Editorial von COMPACT-Magazin: «In ihrem Beraterkreis haben die Alpha- Frauen einen Typus Mann versammelt, der stilbildend für das kommende Feminat ist: blasse Jüngelchen wie Norbert Röttgen und Ronald Pofalla, die kein Widerwort geben. Anstelle des knorrigen Axel Weber führt mit Jens Weidmann nun ein weiterer Merkel-Primaner auch noch die Bundesbank. Den Vogel schießt die Boygroup des Koalitionspartners FDP ab: Dürfen die überhaupt schon Alkohol trinken? Titanic hatte dazu das passende Titelbild: Vorne läuft der knabenhafte Deutsch-Asiate Phillip Rösler, in Brustentfernung dahinter Signora Leutheusser-Schnarrenberger. Schlagzeile: “Sextourismus – jetzt auch im Inland.”» Norbert Röttgen. Foto: Wolfgang Henry, CC BY-SA 3.0 DE Mutti im Sinkflug Seit Merkels Grenzöffnung ist die Zustimmung zur Kanzlerin dramatisch gefallen. 80% 75 70% 60% 1 2 50% 40% 39 4 2015 2016 3 1 2 3 4 63 Prozent der Befragten sind für eine Asyl-Obergrenze 60 Prozent hat Sorgen vor Kriminalität 34 Prozent sind mit der Flüchtlingspolitik zufrieden 46 Prozent sind für Kanzlerkandidatur von Merkel Quellen: infratest dimap Grafik: COMPACT 21

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