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COMPACT-Magazin 01-2017

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Merkels letzter Kampf

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COMPACT Dossier Erhältlich für 13 Euro. Foto: Verlag Antaios _ Ellen Kositza, geboren 1973 in Offenbach/Main, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie und ist Mutter von sieben Kindern. Sie ist seit 2008 Redakteurin der Zeitschrift «Sezession» und schreibt auch regelmäßig auf deren Webseite «sezession.de». Ebenfalls 2008 erhielt sie den Gerhard-Löwenthal-Preis für Publizisten. Gerade ist ihr Buch «Die Einzelfalle – Warum der Feminismus ständig die Straßenseite wechselt» (160 Seiten, 13 Euro) im Verlag Antaios (antaios.de) erschienen. Auf dieser Pressekonferenz riet Kölns Oberbürgermeisterin Reker Frauen zu «einer Armlänge Abstand». Foto: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons men! Der Neofeminismus – größtenteils von Mädels getragen, die sich vor allem mit einer großen Klappe profilieren, aber nichts Wirkliches aufgebaut haben – lebt und agitiert in einer ziemlich abgespaceten Filterblase ohne Kontakt zum «Bodenpersonal». Und was den Werdegang der Political Correctness allgemein angeht: Mit einigem Entzücken nehme ich wahr, dass sie mittlerweile weniger als respektgebietende Norm betrachtet wird, die es einzuhalten gilt, sondern mehr und mehr als Schmähund Ulkwort gilt. Ich glaube, es gibt so eine Art Grundregel: Je mehr einer (oder eine!) im wirklichen Leben steht, desto stärker nimmt derjenige den Islam als Gefahr wahr. Im schicken In-Kiez oder vom Professorensessel aus kann man dagegen die Bedrohung ausklammern und sich die Sachen schönreden. So blind sind die ganz normalen Leute nicht mehr. Vorsicht, Frau! Straftaten unterschiedlicher Schwere gegen die sexuelle Selbstbestimmung in Deutschland. Von 100.000 Bürgern folgender Nationalität sind jeweils tatverdächtig: Algerier 60,2 Somalier 41,2 Afghanen 36,8 Albaner 43,8 Nigerianer 30,4 Türken 7,2 Deutsche 0,9 Zugrundegelegt wurden die Zahlen des BKA für das gesamte Jahr 2015. Ein Beispiel für die Berechnung: Die Polizei hat 276 afghanische Tatverdächtige ermittelt. Dies wurde bezogen auf die Gesamtzahl der Afghanen, die zum 31.12.2014 in Deutschland lebten, nämlich 75.385. Quelle: BKA Grafik: COMPACT Sie kritisieren in Ihrem Buch, dass der Feminismus ständig «die Straßenseite wechselt». Gibt es «den» Feminismus überhaupt, und was ist «die Straßenseite»? «Der» Feminismus, das ist natürlich ein weites Feld. Man unterscheidet ja gemeinhin chronologisch drei Abschnitte der Frauenbewegung. Die erste kämpfte für eine rechtliche Gleichstellung, aber bereits damals gab es eine konservative und eine progressive Ausrichtung. Heute würde man sagen: Die einen, die «Differenzialistinnen», betonten stark den Unterschied zwischen Mann und Frau und setzten sich besonders für die Mädchenbildung ein, die anderen waren «Universalistinnen», neigten also dazu, den Geschlechterunterschied zu leugnen – denen ging es schon um absolute Gleichmacherei. Auf deren Konto gingen dann auch das Frauenwahlrecht, die Erosion der Ehe und die sogenannte Sexualaufklärung. Hinter all diese damals sensationell und radikal anmutenden Forderungen kann man allerdings heute kaum mehr zurück, wenn man recht bei Trost ist. Dann kam, nach den Kriegen, die zweite Welle des Feminismus. Das war das weibliche Umfeld der Achtundsechziger. Auch da gab es die mütterlichen Typen, die im Plenum Stricknadeln auspackten und das «Weibliche» voranbringen wollten, und andererseits diejenigen, die mehr der Hosenanzugfraktion zuneigten. Alice Schwarzer, wiewohl stets in netten Kleidern, gehört dazu, also zu denen, die die Geschlechter als soziales Konstrukt auffassten. Die Schwarzer-Fraktion hat damals obsiegt. Im schicken In-Kiez kann man die Bedrohung ausklammern. Die dritte Welle des Feminismus wird heute von absurden Theoretikerinnen wie Judith Butler, radikalen Bestsellerautorinnen wie Laurie Penny oder dem deutschen Missy Magazine verkörpert. Anders als Schwarzers Liga geriert man sich hier größtenteils vollends sexuell befreit, ist also auch pro Prostitution und pro Porno, zudem schreibt man sich hier strikten Antirassismus und sämtliche Forderungen des Gender Mainstreamings auf die Fahnen. Innerhalb dieses «Third-wave-feminism», dem Feminismus der dritten Welle, gibt es gar keine konservativen Positionen mehr. 48 Und zum Straßenseitenwechel: Das bezieht sich vor allem auf einen vielbeachteten Artikel von Antonia Baum, einer Feministin, in der FAZ im Januar 2016. Dort hatte sie geschrieben, was sie ihrer klei-

COMPACT Dossier Die Wahrheit gilt als rassistisch Einfach so zum Spaß trat diese Gang Ende Oktober 2016 in der Berliner U-Bahn eine Frau die Treppe runter. Foto: Polizei nen Schwester rät, falls ihr eine Gruppe von Männern auf der Straße begegnet, die sie «als Araber, Kurden, Türken oder Nordafrikaner identifiziert». Fräulein Baum schrieb damals: «Du weißt, es dauert nur ein paar Schritte, und dann sagen sie was. Ob Du ficken willst, oder…» Sie rät ihrer Schwester, auf den Boden zu gucken und schnell weiterzugehen. Am sichersten wäre natürlich ein Straßenseitenwechsel. Von dort aus kann man dann nämlich gut beklagen, dass es das omnipräsente Patriarchat sei und nicht eine ganz spezielle Klientel, die einem (pardon: einer!) zusetzt! Der Mann – das falsche Feindbild Justizminister Heiko Maas und sein Anhang wollen das Problem sexueller Übergriffe mit neuen Gesetzen in den Griff bekommen: «No means no» zielt gegen alle potentiellen Vergewaltiger, auch die inländischen. Kann das was werden? Ach je! Diese Leute sind nicht imstande oder nicht willens, die äußeren Grenzen zu sichern, darum infiltrieren sie jetzt die Schlafzimmer von Herrn Müller und Frau Schmidt… Das Gesetz über «Vergewaltigung in der Ehe», anno 1997, war bereits so ein Paragraph, mittels dessen höchstrichterlich über intimste Zustände befunden wurde. «Nein heißt nein» ist lächerlich und ein reines Einfallstor für private Schlammschlachten. Krass gesagt, beruht ein Gutteil der erotischen abendländischen Geschichte auf einem gehauchten «Oh nein…»! Wer will das «Nein» oder das «Jein» überhaupt nachweisen? Es ekelt mich direkt. Die gesamte Erotik auf verbriefte und vertraglich abgesicherte Jas und Neins festzulegen, hieße, sie auf Eis zu legen. Also bitte! Was heute als reaktionär gilt Sind Sie als Rechte irgendwie nicht auch Feministin? Eigentlich müsste das ja zusammenpassen, denn die ursprünglichen Feministinnen – jedenfalls die von Ihnen erwähnten «Differenzialistinnen» – vertreten doch eine Form biologisch fundierter Identitätspolitik und damit das genaue Gegenteil der biologieverleugnenden Gender-Mainstream-Agenda. Nö. Der Feminismus-Pool ist mir einfach zu verkeimt. Der tonangebende Feminismus hat sich vor hundert Jahren von einer biologisch fundierten Identitätspolitik verabschiedet – also auch von meinen eigenen Positionen und meinem selbst gewählten, heute schier mittelalterlich wirkenden Leben als siebenfache Mutter mit eigenem Kopf und Lebensprogramm. Das mit dem Feminismus ist wie mit einem T-Shirt, das eigentlich gut passt und echt nett ausschaut. Aber gucken wir mal auf die Zusammensetzung! Unter welchen Bedingungen wurde der Stoff geerntet, gewoben, verarbeitet? Da stecken verkehrte Arbeitsbedingungen drin, Pestizide und am Ende ein Markt, an dem ich nicht teilhaben will. Vorhin habe ich gesagt, wir könnten kaum hinter die Forderungen der linken Frauenbewegung um die Jahrhundertwende zurück: Gleiche Rechte, gleiche Chancen, unbedingt, ja! Aber keine Bevorzugung, kein Sonderröllchen, kein Hätte-Wollte-Könnte. Damals wäre das eine feministische Position gewesen. Heute gilt das als reaktionär – na und! Insofern bin ich strikt antifeministisch. Alice Schwarzer über die Silvesternacht 2015/2016 in Köln: «Die Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden waren, hatten von Anbeginn an darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um ”nordafrikanisch oder arabisch” aussehende und sprechende Männer gehandelt habe. Sie waren deswegen zunächst als ”Rassistinnen” beschimpft worden. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte. Erst allmählich war die bittere Wahrheit durchgedrungen: Die Täter waren nicht nur aus diesen Ländern, sondern zu fast hundert Prozent Asylbewerber und Illegale gewesen; überwiegend aus Marokko und Algerien, einige auch aus Syrien.» (aliceschwarzer.de, 25.10.2016) Titelbild der EMMA 2/2016. Foto: Emma Der Neofeminismus wird von Mädels mit einer großen Klappe getragen. Ellen Kositza Foto: B.C. Richter 49

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