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COMPACT-Magazin 01-2017

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Merkels letzter Kampf

Auto-Aus für

Auto-Aus für Deutschland? _ von Marc Dassen 56 Die Grünen planen die nächste große Revolution, der Bundesrat hat schon zugestimmt: Benzin- und Dieselmotoren sollen ab 2030 verboten werden – in der sogenannten klimaneutralen Zukunft hat nur noch das Elektromobil Platz. Den Schaden hat die deutsche Industrie, auf der Strecke bleibt die persönliche Freiheit des Bürgers. Ob Ingenieure motivierter arbeiten, wenn ihnen ein Grüner in den Nacken atmet? Wir schreiben das Jahr 1885. Der Ingenieur Carl Benz hat gerade seinen Patent-Motorwagen Nummer 1 aus der Fabrikhalle in Mannheim auf den leeren Innenhof hinausgeschoben – ein dreirädriges, filigranes Fahrzeug mit Stahlrohrrahmen, schmalen Speichenrädern und einem hölzernen Sitz, das noch mehr an eine Kutsche erinnert als an heutige PKWs. Die erste Probefahrt steht an. Mit viel Muskelkraft dreht Benz das Schwungrad des Einzylinder- Ottomotors, der erst einige Jahre zuvor patentiert worden war. Das Gemisch aus Luft, Öl und Benzin strömt durch den Vergaser, bis der Motor nach anfänglichem Stottern und Knattern erste ölige Dunstwolken aushustet. Benz sitzt auf, kuppelt ein, rattert los – und endet etwas erschrocken und zerknittert an der Fabrikmauer. Aller Anfang ist eben schwer. Viel Zeit ist seit den Kindertagen des Automobils vergangen. Aus einer simplen Idee ist das stählerne Rückgrat der deutschen Industrie, aus dem zunächst ominösen Pferdeersatz das weltweit wichtigste Fortbewegungsmittel geworden. Die rudimentäre Technik von damals ist vollendeten Konstruktionen aus Aluminium, Kohlefaser und Titan gewichen – sauberer, sicherer und zuverlässiger als je zuvor. Benz’ erstes Gefährt blieb ein Einzelstück – 2014 lieferten die deutschen Fahrzeugschmieden knapp sechs Millionen Automobile aus und machten einen Umsatz von rund 400 Milliarden Euro. Vollbremsung mit Totalschaden Wenn es nach den Wünschen von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), den Grünen und dem Bundesrat geht, soll die 130-jährige Erfolgsgeschichte des deutschen Automobilbaus jedoch schon in 13 Jahren ein abruptes Ende finden. Der Beschluss des Bundesrates vom 23. September orientiert sich an der «europäischen Strategie für emissionsarme Mobilität» der EU-Kommission, die bis 2050 eine «weltweite Dekarbonisierung» anvisiert, um die Klimaerwärmung unter zwei Grad zu halten. Die EU-Zielmarke 2050 war der Mehrheit in der Länderkammer allerdings zu weit entfernt. Schon ab 2030 soll kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr vom Band rollen, und zwar europaweit. Das gebe der Industrie «Investitionssicherheit»,

COMPACT Leben Der Porsche 911 und seine Nachfolgemodelle sind die bekanntesten Produkte des Stuttgarter Sportwagenherstellers. Foto: Porsche AG heißt es. Etwa 700.000 Menschen arbeiten derzeit bundesweit in der Autobranche, mehrere Hunderttausend in Zulieferbetrieben. Besonders in Baden- Württemberg, Bayern und dem Saarland steht viel auf dem Spiel. Erst Ende November kündigte VW die Streichung von rund 30.000 Stellen weltweit an – ein erstes Warnsignal? Sanierungsfall wie das Ruhrgebiet nach der Ära von Kohle und Stahl.» Ein «fallbeilartiges Verbot» wäre für ihn «eine Vollbremsung mit Totalschaden». Ein Grüner im Mercedes Niemand bezweifelt, dass allein schon aus ökonomischen Motiven über kurz oder lang die Entwicklung neuer Antriebstechniken sinnvoll ist: Wasserund Brennstoffzellen werden eines Tages die vollständige Unabhängigkeit vom Erdöl sicherstellen und ein erheblicher Gewinn für die Umwelt sein – brauchen aber noch Zeit zur Serienreife. Die Forschung führt die deutsche Industrie an, der man mit einem Verbot des Verbrenners aber regelrecht die Beine brechen würde. Die Technik der Zukunft baut auf dem wirtschaftlichen Erfolg von heute auf. «Wenn der Verbrennungsmotor morgen abgeschaltet wird, ist Baden-Württemberg ein Sanierungsfall (…).» Boris Palmer Der Standort Deutschland kann ohne Automobilsektor einpacken. Hunderttausende Arbeitslose für ein bisschen Öko-Romantik? «Uns geht’s darum, die Autoindustrie zu motivieren, zu schieben und zu ziehen, in den nächsten Jahren die modernsten und innovativsten Autos zu produzieren», so Hofreiter bei N24. Die Industrie müsse «endlich in die Gänge kommen». Ob die Ingenieure motivierter arbeiten, wenn ihnen ein Grüner in den Nacken atmet? Rekkevideangst «Das Hauptproblem der strombetriebenen Fahrzeuge ist die Batterie. Mit einem Nissan Leaf für rund 200.000 norwegische Kronen (21.000 Euro) kommt man ungefähr 200 Kilometer weit, der Tesla Model S für rund 900.000 Kronen (100.000 Euro) muss nach 500 Kilometern an die Steckdose. Und die sind nicht immer so leicht zu finden. Louise Brunborg-Næss hat damit böse Erfahrungen gemacht. Die 38-Jährige hat sich vor ein paar Monaten ein gebrauchtes E-Auto gekauft und wäre fast damit stehen geblieben. ”Ich war völlig verzweifelt”, erzählt die dreifache Mutter. Mit Glück erreichte sie doch noch eine andere Ladestation. Doch seitdem hat sie ”rekkevideangst”, Reichweitenangst. Ihr Elektroauto nimmt sie nun fast nur zum Einkaufen und wenn die Söhne zum Fußballtraining gebracht werden müssen. Längere Fahrten unternimmt die Familie im Zweitwagen, einem Diesel.» (Welt Online, 16.8.2016) Historischer BWM-Motor von 1907. Foto: picture alliance / dpa Die Grünen haben diese «Verkehrswende» auf ihrem Parteitag im November 2016 ausdrücklich begrüßt und dazu erklärt: «Immer mehr Autos weltweit sind eine der größten Bedrohungen für das Klima und für die menschliche Gesundheit.» Bereits Anfang des Jahres 2016 postulierte Fraktionschef und Verkehrsexperte Anton Hofreiter: «Die deutsche Autoindustrie muss raus aus der Dieselfalle.» Ausgeblendet werden in dieser Argumentation die Zahlen des Umweltbundesamtes und der internationalen Umweltagentur, die eindeutig zeigen, dass die Abgasbilanz des Straßenverkehrs in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht hat. Allein zwischen 1995 und 2013 sanken die Stickoxid-Werte um rund 60, die Partikel-Emissionen um fast 70 Prozent. Nicht mal die eigenen Parteimitglieder sind von einem Verbot überzeugt. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer fürchtet: «Wenn der Verbrennungsmotor morgen abgeschaltet wird, ist Baden-Württemberg ein 57

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