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COMPACT-Magazin 01-2017

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Merkels letzter Kampf

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COMPACT Leben Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter borgt sich hin und wieder Papas Golf. Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, CC BY 2.0, flickr.com Der Deutsche hat Benzin im Blut. Mit dem Käfer fuhren viele Westdeutsche erstmals über die Alpen. Foto: Volkswagen AG Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, lieferte sich Mitte November ein Streitgespräch mit Hofreiter. Bis 2030 alle Verbrennungsmotoren zu ersetzen, hält er für «völlig unrealistisch». Auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) findet, das Datum sei «einfach Unsinn», und bekommt Rückendeckung von seinem Parteichef Horst Seehofer, der ebenfalls nicht «die Axt an die Wurzel einer Schlüsselindustrie» legen will. Hofreiter hält mit Chuzpe dagegen: «Wie die Industrie das schafft, kann und soll die Politik nicht vorgeben.» Aber dass sie es schaffen muss, darf sie vorgeben? Haben planwirtschaftliche Vorgaben ohne Rücksicht auf ihre Umsetzbarkeit nicht schon genug Schaden angerichtet? Um nur ein deutsches Beispiel der jüngsten Vergangenheit zu nennen: Laut dem Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomik hat die Energiewende bis 2015 bereits 150 Milliarden gekostet und wird bis 2025 nochmal mit 520 Milliarden zu Buche schlagen. Pikant: Nicht nur Wissmann, sondern auch Hofreiter waren, wie Die Welt berichtete, in einer Mercedes-Limousine vor dem Redaktionsgebäude vorgefahren. Wie üblich gilt bei den Grünen: Wasser predigen und Wein saufen. Nie wieder tanken Die Folgen der grünen Agenda wären nicht nur für den Standort Deutschland verheerend, sondern würden auch Millionen Bürger ein großes Stück Lebensqualität kosten. Für jeden, der zur Arbeit muss, der am Wochenende die Familie besuchen oder zum See fahren will, ist das konventionelle Auto Dient der Welterfolg Made in Germany bald nur noch als Hühnerstall? Foto: Porsche AG noch lange nicht wegzudenken. Es ermöglicht Dynamik und Flexibilität in der Alltagsgestaltung, die das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel schuldig bleiben. Auch das Elektromobil ist kein Ersatz: Da man sich ständig an den seltenen Ladestationen orientieren muss, könnte eine Spritzfahrt ins Blaue schnell am Straßenrand enden. Ein einfacher Kurzurlaub in Italien würde tagelange Vorbereitung verlangen (siehe Infobox Seite 57). 58 Aber es geht nicht nur um die simple Bewältigung des Alltags, sondern auch um ein tiefsitzendes Lebensgefühl. Was die Grünen nicht verstehen: Der Deutsche hat Benzin im Blut, eine Leidenschaft für ausgefeilte Technik, Stil und Komfort, die tiefer sitzt als das von manchen Politikern induzierte schlechte Gewissen. Die grünen Diätenschlucker radeln, wenn Kameras laufen, gerne demonstrativ mit dem Fahrrad ins Abgeordnetenbüro. Aber im wahren Leben, vor allem fernab der Großstädte, bedeutet das erste eigene Auto besonders für junge Menschen ungeahnte Freiheit. Es bedeutet neue Straßen, neue Städte, neue Bekannte entdecken zu können. Es gibt einem die Autonomie, mitten in der Nacht heimkommen zu können, nachdem man die stockbesoffenen Freunde sicher nach Hause gefahren hat. Es bedeutet, die Freundin zur Ausfahrt einladen oder mit den Jungs gen Sonnenuntergang brettern zu können. Ich zumindest will nicht in einer Welt leben, in der ausschließlich Elektroautos emissions- und emotionsneutral durch öde Windparks zuckeln und im Hinterkopf immer die bange Frage pocht: Reicht der Saft bis zur nächsten Steckdose?

Wie ich zum Glauben fand _ von Nadja Bachheimer Ich bin ein Kind kommunistischer Eltern – und heute eine gläubige Katholikin. Mein Weg dorthin war verschlungen, führte vor allem über die Liebe zu meinem Mann und die Herzlichkeit der Menschen in der Steiermark. Ich bin in der DDR aufgewachsen, in Ostberlin. Meine Eltern waren sehr im System verhaftet. Sie sind zwar katholisch getauft, haben sich aber in ihrer Jugend vom Glauben verabschiedet und dem Sozialismus als dem sinnstiftenden Größeren zugewandt. Ich habe in meiner Erziehung überhaupt keinen Zugang zu Gott gehabt. Es hieß immer, der Kommunismus schaffe einen neuen Menschen: Wir hätten die Religion überwunden, da sie irrational sei und den Einzelnen an der Entfaltung hindere – denn wer glaube, schiebe die Verantwortung von sich auf ein höheres Wesen. Ironisch irgendwie, wenn man bedenkt, dass die Eigenverantwortung gerade im Sozialismus auf ein Minimum herabgeschraubt wird… In der Schule gab es regelmäßig Appelle im Schulhof, Arbeiterkampflieder wurden gesungen, alles lief nach einem bestimmten Schema ab. Gott schien nicht zu fehlen, denn es gab für alles eine Erklärung – die Natur oder Darwin. In der Pubertät habe ich mich zunehmend von der marxistischen Ideologie entfernt. Der Fall der Mauer 1989 gab mir die Möglichkeit, meine ungeliebte Ausbildung – die Lehre als Bankkauffrau in der Deutschen Außenhandelsbank – abzubrechen. Ich beendete die Schule, ging für vier Jahre nach Schottland zum Studieren und arbeitete währenddessen und danach in verschiedenen deutschen Städten. Aber Gott, Glaube oder gar die Kirche spielten weiterhin keine besondere Rolle in meinem Leben. 2004 kam ich nach Wien, und fortan war für mich eine gewisse Metaphysik erstmals spürbar – nicht zuletzt auf Grund der unglaublich hohen Anzahl sakraler Bauten, aber vor allem in den Begegnungen mit den Menschen. Dieses Übergeordnete oder nicht Erklärbare hat mehr und mehr in meine Gedankenwelt Einzug gehalten – still und leise. Ohne dass ich es bewusst gesteuert oder bemerkt hätte. Immer wieder schaute ich in eine der alten Kirchen hinein: Ich fühle dort Stille und Erhabenheit. Man merkt: Da ist etwas, das größer ist als der Mensch. Als sich auf einem Firmenausflug nach Italien meine Arbeitskollegen ganz selbstverständlich beim Betreten einer Kirche bekreuzigt haben, beeindruckte mich das sehr – diese einfache Geste der Zugehörigkeit zum Glauben und des Respekts vor der Erhabenheit der sakralen Umgebung. Uralter Kraftort: der Dom im steirischen Neuberg. Foto: Andreas Hafenscher In Wien spürte ich eine gewisse Metaphysik. 59

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