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COMPACT-Magazin 02-2017

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Jung, wild, patriotisch

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COMPACT Titelthema 10 Anabel Schunke. Foto: YouTube/ videoatonale Birgit Kelle. Foto: picture alliance / dpa Alice Weidel. Foto: picture alliance / Sammy Minkoff Ellen Kositza. Foto: B.C. Richter Wiebke Muhsal. Foto: afd-thl.de/ presse Missionare ermorden, sobald sie können. Und wehe, wenn ein Bürger protestiert. Wehe, wenn er einem von ihnen antwortet: Übe diese Rechte bei Dir zu Hause aus. ”Rassist! Rassist!” (…) Sie zerreißen ihn in der Luft. Schlimmer als bissige Hunde fallen sie über ihn her. Mindestens beschimpfen sie seine Mutter und seine Kinder.» Angriff ist die beste Verteidigung Leider sind diese Sätze mittlerweile fast vergessen. Sie stammen aus einem Buch, das 2002 erschien und trotz einer Auflage von weltweit vier Millionen Exemplaren heute – warum wohl? – nicht mehr auf Deutsch erhältlich ist. Die Wut und der Stolz stammt aus der Feder von Oriana Fallaci, einer journalistischen Ikone Italiens – als eine der wenigen Linken die frühzeitig vor der islamischen Gefahr warnte und deswegen als «Hasspredigerin» geschmäht wurde. «Habt Ihr denn keinen Funken Würde im Leib, Ihr Schafsköpfe?» Fallaci wurde 1929 geboren, ihr Vater kämpfte im Widerstand gegen den Diktator Benito Mussolini, und auch sie selbst transportierte Bomben für die Resistenza. Nach dem Krieg wurde sie Reporterin und ließ sich beim Ungarn-Aufstand 1956, bei Unruhen in Mexiko 1968, später in Vietnam und im Libanon die Kugeln um den Kopf pfeifen. Legendär wurde sie mit Interviews, die sie mit allen Größen der damaligen Zeit führte: Jassir Arafat, Golda Meir, Indira Gandhi, Haile Selassie, Deng Xiaoping, Henry Kissinger. Ihr Markenzeichen war die Aggressivität ihrer Fragen, sie nahm nie ein Blatt vor den Mund. Ein gutes Beispiel ist das Gespräch, das sie 1979 mit Ajatollah Khomeini führte, kurz nachdem dessen «islamische Revolution» Persien in einen Gottesstaat verwandelt hatte. Als erste westliche Reporterin war sie zugelassen worden – vermutlich, weil sie zuvor den Schah unversöhnlich attackiert hatte. Doch Khomeini ging es nicht besser, ohne Scheuklappen fragte sie ihn nach den Massenerschießungen, den Folterungen, der Unterdrückung der Frauen in seinem Regime. Dann provozierte sie den Geistlichen: «Wie schwimmt man eigentlich mit einem Tschador?» Khomeini schnappte zurück: «Unsere Sitten gehen Sie gar nichts an. Wenn Sie die islamische Kleidung nicht mögen, müssen Sie sie nicht tragen.» Fallaci konterte: «Das ist sehr freundlich, Imam. Und weil Sie das gesagt haben, werde ich jetzt diesen dummen, mittelalterlichen Fetzen ausziehen.» Und auf der Stelle warf sie den Tschador ab und saß dem Alten mit offenen Haaren gegenüber, eine Todsünde im Gottesstaat. Khomeini sprang schockiert – «wie eine Katze, eine solche Beweglichkeit hätte ich dem Alten nicht zugetraut» – auf und stürmte aus dem Raum. Die Italienerin musste 24 Stunden warten, bis er sich zur Fortsetzung bequemte. Vorher wurde sie von seinem Sohn Achmed ermahnt, keinesfalls wieder das Thema Tschador anzusprechen. Doch Fallaci tat genau das Gegenteil, schon in der ersten Frage. Die Reaktion des Imams war verblüffend: «Zuerst schaute er mich erstaunt an, total erstaunt. Dann war der Schatten eines Lächelns auf seinen Lippen. Dann wurde aus dem Schatten ein wirkliches Lächeln. Und dann lachte er!» Später flüsterte Achmed ihr zu: «Glaube mir, ich habe meinen Vater nie lachen gesehen. Sie sind die einzige Person auf der Welt, die ihn zum Lachen brachte.» Das Beispiel zeigte ihr, dass Gegenangriff die einzige Sprache ist, die ein Moslem versteht. Umso mehr empörte sie das Duckmäusertum ihrer Landsleute: «Und die Leute schweigen resigniert, eingeschüchtert, in Schach gehalten von dem Wort ”Rassist”. (…) Habt Ihr denn keinen Funken Würde im Leib, Ihr Schafsköpfe? Habt Ihr kein bisschen Selbstachtung, Ihr Hasenfüße, Ihr Feiglinge?» Antifaschismus der alten Schule Dem Antifaschismus ihrer Jugendtage hielt sie bis zuletzt die Treue – und gerade daraus speiste sich ihre Ablehnung der Religion der Mohammedaner. «Ich weise sie zurück, und das ist nicht nur meine Pflicht gegenüber meiner Kultur, meinen Werten, meinen Prinzipien, meiner Zivilisation. Es ist nicht nur meine Pflicht gegenüber meinen christlichen Wurzeln. Es ist meine Pflicht gegenüber der Freiheit und gegenüber der Freiheitskämpferin, die ich war, seit ich als kleines Mädchen als Partisanin gegen den Nazi-Faschismus kämpfte. Islamismus ist der neue Nazi-Faschismus.» Jede Anpassung an den Zeitgeist war ihr verhasst: Je stärker die falsche Toleranz gegenüber der Masseneinwanderung wurde, umso heftiger schrieb sie dagegen an. Unermüdlich warnte sie vor der Kolonisierung unseres Kontinents, «egal ob mit Kanonen oder mit Schlauchbooten»: «Europa ist nicht mehr Europa, es ist ”Eurabien”, eine Kolonie des Islam, wo die islamische Invasion nicht nur physisch fortschreitet, sondern auch auf geistiger und kultureller Ebene. Unterwürfigkeit gegenüber den Invasoren hat die Demokratie vergiftet, mit offensichtlichen Konsequenzen für die Gedankenfreiheit und für das Konzept der Freiheit selbst.» Fallaci starb 2006. Ihre Nachfolgerinnen werden die Fackel ihres Kampfes weitertragen.

Jeanne d’Arc und Marianne _ von Alexander Markovics Marion Maréchal-Le Pen ist die Zukunftshoffnung des Front National – die junge Frau punktet mit einer Mischung aus Radikalität und Charme. Dabei hat sie eigene politische Vorstellungen, die sich durchaus von denen ihrer Tante – der Parteivorsitzenden und Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen – unterscheiden. Die bekannteste Marianne stammt aus Eugène Delacroix Bild «Die Freiheit führt das Volk» über die Revolution von 1830. Ein reales Vorbild hat die Barrikadenkämpferin vermutlich nicht. Foto: Eugène Delacroix, Public domain, Wikipedia Eine junge, adrett gekleidete Frau mit langen blonden Haaren blickt konzentriert in die Kamera. Sie ist dezent geschminkt, ihr Kostüm lässt die Arme nackt. Coco Chanel? Dolce & Gabbana? Man könnte meinen, sie sei ein Model, das sich für den Laufsteg bereitmacht – wäre nicht die Trikolore im Hintergrund. Als sie mit ihrer Ansprache beginnt, bildet sich zwischen den Augenbrauen eine Falte, und ihr Blick wird schneidend. Ihre Stimme zittert nicht – sie vibriert, voller Kraft und Zorn. Es geht um den islamistischen Anschlag vom 14. Juli 2016 in Nizza, der eine ganze Nation in Angst und Schrecken versetzte: 86 Menschen wurden von einem Lkw niedergewalzt – noch schlimmer als fünf Monate später in Berlin. Eine Kriegserklärung Die Worte, die sie akzentuiert in die Kamera spricht, sind unerhört. Kein Politiker in diesem Teil der Welt hält Reden von vergleichbarer Schärfe – auch nicht Frauke Petry, HC Strache oder Viktor Orban, denen die Frau ansonsten Respekt zollt: «Wenn wir nicht den Islamismus töten, wird der Islamismus uns töten.» Ihren Landsleuten ruft sie zu: «Wenn Euch ein Feind den Krieg erklärt, dann könnt Ihr unmöglich neutral bleiben. Entweder nehmt Ihr Partei für uns – oder Ihr seid mit dem Islamismus, gegen uns. Diejenigen, die sich für den Status quo, für das Nichtstun oder fürs Schweigen entscheiden, werden somit Komplizen unserer Feinde.» Das ist eine Kampfansage sans phrase, ohne Wenn und Aber. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Man denkt an die Marseillaise: «Allons enfants de la patrie» – Auf, Kinder des Vaterlands, der Tag des Ruhmes ist gekommen! (…) Hört Ihr auf den Feldern diese wilden Soldaten brüllen? Sie kommen bis in Eure Arme, um Euren Söhnen, Euren Gefährtinnen die Kehlen durchzuschneiden.» Damit hat die französische Revolution 1792 die Bürger zu den Waffen gerufen – gegen die Übermacht der ausländischen Invasoren. Doch die wilden Kopfabschneider – das sind heute die militanten Muslime. Oft hat die junge Frau die Nationalhymne gesungen, und Tausende haben mit eingestimmt. Bei der heißkalten Französin handelt es sich um Marion Maréchal-Le Pen, 27 Jahre alt, die Erbin einer großen Politikerdynastie. Ihr Großvater ist Jean-Marie Le Pen, der Gründer des Front Natio- «Noch nie kam die Ideologie der Le Pens so sexy rüber.» Youssoupha, Rapper _ Alexander Markovics lebt und studiert in Wien und ist Vorsitzender der Identitären Bewegung der Stadt. In COMPACT 12/2016 schrieb er über den Kinofilm «Willkommen bei den Hartmanns». 11

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