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COMPACT-Magazin 02-2017

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Jung, wild, patriotisch

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COMPACT Titelthema Schön, intelligent, identitär Die Identitäre Bewegung (IB) grenzt sich vom Nationalsozialismus und der sogenannten Alten Rechten sowie deren Antisemitismus und Rassismus scharf ab. Stattdessen wirbt sie für den Ethnopluralismus, der allen Völkern gleichermaßen das Recht auf Souveränität und eigene Kultur zubilligt. Als Bloc identitaire 2007 in Frankreich entstanden, expandierte die IB 2012 nach Österreich und hat dort mittlerweile 1.000 Mitglieder. In Deutschland macht die IB erst seit Sommer 2016 durch spektakuläre Aktionen auf sich aufmerksam. Seit der Besetzung des Brandenburger Tores im August und der Blockade der CDU-Parteizentrale im Dezember haben sich ihr Hunderte angeschlossen. Im Sommer besetzten IB-Aktivisten das Brandenburger Tor. Foto: Identitäre Bewegung Paula (2. von rechts). Foto: Identitäre Bewegung Margarete Stokowski vom «Spiegel» hat eine Erklärung für die Wut nach Köln: Deutsche Männer wollen ihre Frauen bitteschön immer noch selbst belästigen. Erwiderungen? Nadja: Darauf würde ich gar nichts erwidern. Das Niveau liegt unter der intellektuellen Nulllinie. Paula: Darauf kann ich leider nicht adäquat reagieren, da ich kein Idiotisch spreche und den Niveau- Limbo nicht beherrsche. Wird der Systemwechsel Eurer Meinung nach aus dem Parlament kommen oder von der Straße? Nadja: Jedes System kann gekippt werden. Manchmal dauert es lange, und manchmal ist der Preis dafür sehr hoch. Lisa: Wenn Du mit Veränderung «von der Straße» einen gewaltsamen Umsturz meinst, dann wird es den niemals wieder geben, nicht mit uns! Was wir jetzt mit allen friedlichen Mitteln tun müssen, ist, Bürgerkriegszustände oder eine neue Diktatur zu verhindern, solange wir noch können. «Ich habe den deutschen Mann noch nicht aufgegeben, trotz allem.» Nadja Was sagt Ihr, wenn man Euch als die «Heimchen-am-Herd-Fraktion» bezeichnet? Nadja: Ich bin sicher kein Heimchen-Typ. Ganz im Gegenteil. Aber ich finde es gut, wenn sich Frauen auch hauptsächlich ihren Kindern widmen. Wer will schon Kinder, um sie dann in die Krippe oder Kita zu stecken? Lisa: Diese «Heimchen-am-Herd»-Geschichte ist eine der größten Lügen unserer politischen Gegner. Wir wollen die Rechte von Frauen erweitern, nicht einschränken. Wir sind eine Gefahr für die herrschende Ideologie, vor allem wir identitären Frauen. Im Bootcamp des Widerstands Ist von Euch eigentlich jemand bei der Besetzung des Brandenburger Tores mit oben gewesen? Nadja: Bin nicht höhentauglich. Nicht auf dem, aber am Tor war ich! Ina: Ich auch! Und am nächsten Tag stand in der Zeitung, dass «Nazis» das Wahrzeichen der Hauptstadt entehrt hätten… Nadja: Da fühle ich mich an die Meldungen im «Neuen Deutschland» erinnert. Propaganda! Paula: Ich war sauwütend, als ich das Titelblatt der BZ sah. Aber gekauft hab’ ich sie trotzdem. Ist die IB für Euch so etwas wie eine Ersatzfamilie? Lisa: Wir sind doch keine Sekte! Wir haben alle auch ein Leben außerhalb – mit Hobbies, Freunden und Familie, die nicht Teil der IB sind. Ina: Ich habe in der IB sehr nette und charakterlich starke Patrioten kennengelernt, mit denen ich mich gerne aktiv für meine Heimat einsetze, zum Beispiel bei der Blockade der CDU-Zentrale nach dem Berliner Terroranschlag. Ihr wart dabei? Paula: Ok, das ist ja eh aktenkundig: Ich war dabei. Ina: Und es war im wahrsten Sinne des Wortes arschkalt! Links und rechts von mir saßen IBler aus Wien, mit denen das In-der-Kälte-Hocken dann eigentlich halb so wild war. Wir wurden alle von Polizisten abgeführt, darauf folgte die Aufnahme der Personalien, und vor einer Woche kam dann Post vom LKA. Meine erste Straftat, aber ich würde es wieder genauso machen. Muss man als neue APO da hingehen, wo es wehtut? Oder gibt’s bei der IB eine Komfortzone? Nadja: IB und Komfortzone? Wenn Du wüsstest! Das ist ’ne Art Bootcamp! 16 Und wer ist der Drill-Sergeant? Nadja: Jeder sein eigener. Das ist am schlimmsten! Lisa: Allen kritisch denkenden Mädels da draußen will ich echt sagen, dass Ihr nicht allein seid. Traut Euch, uns kennenzulernen. Ihr werdet sehen, dass wir genau die noch normal denkenden Leute sind, nach denen Ihr ständig Ausschau haltet. Wir sind ein hochmotivierter, positiver Haufen, der sich komplett selbst organisiert. Und wir erleben natürlich jede Menge Action und das Gefühl, endlich nicht mehr tatenlos zuzuschauen, endlich etwas zu bewegen.

Der Zorn der alten Dame _ von Marc Dassen Alice Schwarzer hat nach der Machtdemonstration nordafrikanischer und arabischer Männer zu Silvester in Köln ihre Kritik am Islam verschärft. Ist die «Emma»-Herausgeberin im hohen Alter von 74 Jahren etwa rechts geworden? Viele Jahre, sogar Jahrzehnte war diese Frau eine Ikone des Establishments. Als Gründerin des deutschen Feminismus in den frühen Siebzigern zunächst vor allem von Achtundsechzigern hofiert, schaffte es Alice Schwarzer spätestens mit deren Marsch durch die Institutionen in alle Talkshows – und schließlich sogar ins Vorzimmer der Kanzlerin. Doch damit ist Schluss, seit die grün-feministische Taz sie Anfang 2015 als «Pegida-Versteherin» an den Pranger stellte. Schwarzer hatte am 6. Januar 2015 verkündet: «Wer den Flüchtlingen wirklich helfen will, muss auch die Gottesstaatler bekämpfen – in Syrien wie in Deutschland.» Gleichzeitig attestierte sie den Demonstranten in Dresden ein «berechtigtes Unbehagen». Damit hatte sie die rote Linie der politisch Korrekten übertreten. Als nach den Grapsch-Attacken auf der Kölner Domplatte an Silvester 2015/16 der direkte Zusammenhang zwischen sexueller Gewalt und dem Import islamischer Männer offensichtlich wurde, legte sie nach: «Die träumen davon, Helden zu sein wie ihre Brüder in den Bürgerkriegen von Nordafrika und Nahost – und spielen jetzt Krieg mitten in Europa.» Schwarzer warnte vor «falscher Toleranz» gegenüber «fanatisierte[n] Anhänger[n] des Scharia- Islam» – während andere Feministinnen kontrafaktisch darüber schwafelten, dass deutsche Männer auf dem Oktoberfest nicht weniger aggressiv gegenüber Frauen seien. Im Rückblick wurde Schwarzers Wortwahl noch schärfer: «Es ging 2015 darum, es den westlichen ”Schlampen” und deren Männern, diesen europäischen ”Schlappschwänzen”, mal richtig zu zeigen.» Der Sex-Terrorismus Ein Jahr später, wieder Köln, wieder Silvester: Nachdem noch mehr Grapscher in die Domstadt gekommen waren und nur durch ein Großaufgebot von 1.700 Polizeibeamten einigermaßen gebändigt werden konnten, platzte es endgültig aus Schwarzer heraus: «Dieselbe Sorte Mann wie vor einem Jahr legte es darauf an, in Köln auf ihre Art zu ”feiern”.» Während die Grünen-Vorsitzende Simone Peter eine absurde Debatte über die polizeiliche Kennzeichnung dieser Problemgruppe (Nafris: nordafrikanische Intensivtäter) lostrat und strukturellen Rassis- «Es ging 2015 darum, es den westlichen ”Schlampen” … mal richtig zu zeigen.» Alice Schwarzer Alice Schwarzer gründete 1977 die Zeitschrift «Emma». 1971 initiierte sie den «Stern»-Titel «Wir haben abgetrieben!» Foto: picture alliance / dpa 17

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