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COMPACT-Magazin 02-2017

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Jung, wild, patriotisch

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COMPACT Dossier Latakia 46 Das befreite Amphitheater Das antike Theater, zwölf Monate lang Hinrichtungsstätte des IS, war Anfang Mai 2016 Schauplatz eines Konzertes anlässlich der Befreiung durch die syrisch-russischen Waffenbrüder. Es spielte das St. Petersburger Mariinski-Orchester unter Valery Gergiev. Gespielt wurden Werke von Johann Sebastian Bach (Interpret Pawel Miljukow), Rodion Schtschedrins Qadrille für Cello und Orchester (Solist Sergej Roldugin) und Sergej Prokofjews Klassische Symphonie D-Dur, opus 25. Präsident Putin wurde per Video zugeschaltet. Amphitheater von Palmyra. Foto: Kremlin.ru, CC BY 4.0, Wikimedia Commons Bildunterschrift Grafik: COMPACT Frontlinien in Syrien _Stand Dezember 2016 LIBANON Idlib Hama Homs Daraa Aleppo Damaskus JORDANIEN Föderation». Wer denkt da nicht an den jugendlichen Heroen auf dem Relief des Bel-Tempels, der die drachenhafte Chaos-Göttin Tiamat besiegte, nachdem die alten Götter gescheitert waren? Russland erweist sich als kulturerhaltende Kraft gegen den passiven und dekadenten Westen. Was die USA von Kultur halten, durften wir schon im Irak-Krieg beobachten, als die Amerikaner den Plünderungen und dem Wüten des IS gegen das altmesopotamische Erbe tatenlos zusahen. Zwar gibt es seit 1996 eine Organisation für den Kulturgutschutz im Kriegsfall namens Blue Shield, doch ist diese bisher nicht mehr als ein Papiertiger. Das Beispiel Palmyra zeigt, dass wir uns mitten in einem Weltanschauungskonflikt befinden. «Die USA freuen sich sicherlich über die Einnahme von Palmyra durch den IS.» Yuscha Yuseef Kobane SYRIEN Palmyra Al-Rakka TÜRKEI Hasaka Dair as-Saur IRAK Syrische Regierung Kurden Al-Nusra-Front, Freie Syrische Armee und andere Islamischer Staat Zwei Mächte stehen sich feindlich gegenüber: auf der einen Seite stehen die Vertreter eines unipolaren Weltbildes, die Globalisten, die bereit sind, ihrer Ideologie und ihrer großen Vision einer One World alles zu opfern, allem voran die Identität der Völker. Auf der anderen Seite des Schachbretts befinden sich aufstrebende Nationen unter Führung Moskaus und andere unabhängige Akteure, die eine multipolare Welt und den Erhalt der vielen kulturellen Eigenarten anstreben. Die einen setzen sich völkerrechtswidrig über die syrische Souveränität hinweg, um einen failed state zu schaffen, die anderen eilen dem Land auf Verlangen zu Hilfe. Allein gegen das Imperium Die Oasenstadt war für ihre Königin Zenobia berühmt, die im dritten nachchristlichen Jahrhundert herrschte und sogar Rom die Stirn bot. Es gelang ihr, Gebiete des Imperiums zu erobern und ihren Staat bis nach Ägypten, Arabien und Kleinasien auszuweiten. Allein sie widersetzte sich der damaligen Weltmacht… Die Geschichte scheint sich zu wiederholen: Seit nunmehr über fünf Jahren versuchen die Westmächte mit Hilfe ihrer – nur angeblich – moderaten Stellvertreter vergeblich, den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu stürzen. Nach anfänglich großflächigen Eroberungen durch die Terroristen hat sich seit einiger Zeit das Blatt zugunsten der Regierung in Damaskus gewendet. Im Dezember haben die Kopf-Jäger unter den schwarzen und grün-weiß-schwarzen Fahnen eine herbe Niederlage erlitten und mussten schmählich aus Aleppo abziehen. Doch noch bevor sich die Kämpfe um die zweitgrößte Stadt des Landes vor Weihnachten ihrem Ende zuneigten und wir schon im Siegestaumel waren, erreichte uns eine Schreckensnachricht: Der IS steht wieder vor den Toren Palmyras. Die Dschihadisten hatten gewartet, bis ein Teil der syrischen Truppen zum Endkampf um Aleppo abkommandiert wurde… Yuscha Yuseef, Redakteur des arabischen Online-Nachrichtensenders al-Masdar News mit guten Insider-Kontakten zur syrischen Armee, kommentierte gallig: «Die USA freuen sich sicherlich über die Einnahme von Palmyra durch den IS. Die USA hätten die IS-Konvois und deren Verstärkung mit Leichtigkeit auf dem Weg in die Stadt bombardieren können. Das haben sie jedoch nicht getan.» Der Militärexperte der russischen Akademie für geopolitische Fragen, Konstantin Siwkow, vermutet sogar, dass der IS Aufklärungsdaten direkt von den Amerikanern erhalten hat. Die Rückeroberung Palmyras durch den IS wird von den Mainstream-Medien natürlich als Schwäche der Assad-Regierung gedeutet. Im Widerspruch dazu forderte US-Außenminister John Kerry von ihr, in Aleppo Gnade walten zu lassen – das kann nur der Starke, der Siegreiche. Dem Himmel sei Dank ist Kerry seit 20. Januar im Ruhestand. Donald Trump im Weißen Haus, Wladimir Putin im Kreml – für Palmyra gibt es noch Hoffnung. Doch Tiamat ist noch nicht besiegt: Beim IS haben wir es mit einem mythischen Gegner zu tun, der sich auf Prophezeiungen stützt und uns als «Rom» bezeichnet. Allerhöchste Zeit also, die verstaubten sagen des Altertums wieder zu entdecken und von ihnen zu lernen.

COMPACT Dossier «Unsere Armee wäre auch ohne die Russen erfolgreich gewesen» _ Tino Perlick im Gespräch mit Maram Susli Sie ist die schärfste Waffe des syrischen Volkes im Informationskrieg: Als «Syrian Girl» liefert Maram Susli über die sozialen Netzwerke Fakten und Einschätzungen – und erreicht damit rund um den Globus mehr Menschen als die Assad-Regierung. Seit fast sechs Jahren tobt in Ihrem Land Krieg. Wie fing alles an? Der entscheidende Faktor mag ein geplantes Pipelineprojekt von Qatar durch Jordanien, Saudi-Arabien und Syrien nach Europa gewesen sein. Präsident Baschar al-Assad hatte das Vorhaben 2010 abgelehnt. Doch der Krieg war schon länger geplant worden. Er war Teil des sogenannten Projekts für einen Neuen Nahen Osten, für das die USA sieben Länder angreifen wollten. Der Zweck des sogenannten Arabischen Frühlings war es, säkulare Regierungen durch islamistische Bewegungen zu stürzen. Uns erzählte man, dass es ein friedlicher Aufstand gewesen wäre, der nur in Gewalt umschlug, weil die syrische Regierung ihn unterdrückt hätte. In Wahrheit waren die sogenannten Protestler von Anfang an bewaffnet und töteten Soldaten. Sie skandierten religiöse Parolen und hatten Beziehungen zur Muslimbruderschaft, der bedeutendsten Oppositionsgruppierung im Land seit den 1980er Jahren. Der Grund für die Unterstützung der Islamisten ist nicht nur die Destabilisierung Syriens, das einer US-Vormacht im Nahen Osten im Wege steht, sondern auch das Schüren von religiösem Hass, um die Länder auseinanderzudividieren. Es soll einen Staat für die Christen geben, einen für die Juden, einen für die Alawiten, einen für die Kurden, einen für den IS – das ist teile und herrsche, Balkanisierung. Menschen werden auf ethnozentrische, religiöse Gegensätze reduziert. Das bringt fortwährenden Krieg und führt zur Auflösung des Nationalstaats. Wie bewerten Sie die Rolle Deutschlands im Syrienkrieg? Deutschland hat eine sehr negative Rolle gespielt. Es hat von Anfang an die Propaganda von al-Qaida gefördert und allem zugestimmt, was die USA gesagt haben. Und wenn Merkel den Menschen wirklich helfen wollte, dann würde sie ihnen in Syrien helfen. Neben dem Krieg ist die Flüchtlingskrise eine weitere Form des Angriffs auf den syrischen Nationalstaat. Dem Land sollen gebildete Leute entzogen werden. Syrien soll ethnisch von Syrern gesäubert werden. Die Medien hierzulande beziehen sich andauernd auf das Aleppo-Medienzentrum und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London. Was sind das für Läden? Die Beobachtungsstelle besteht aus nur einem einzigen Typen, der in England sitzt. Wenigstens hat der einen Fetzen mehr Glaubwürdigkeit als dieses Medienzentrum. Das wird im Grunde von al-Qaida und ihren Verbänden geführt. Die Leute, die Fotos von Opfern an die Welt verkaufen, sind dieselben, die das Enthaupten von Kindern gutheißen. Im Juli haben Mitglieder der Dschihad-Miliz Nour al-Din al- Zenki im Norden Aleppos einen palästinensischen Jungen enthauptet. Sie stellten ein Video der Tat ins Internet. Einen Monat später brachten die britischen Channel4-News einen Bericht, der genau diese Mörder als «gemäßigte Rebellen» bezeichnete. Als es zu Beschwerden kam, löschten sie den Bericht kommentarlos. Die britische Daily Mail beschimpfte Susli als «Möchtegern-Kim-Kardashian». Foto: You- Tube/Infowars _ Maram Susli wurde in Damaskus geboren und lebt in Sydney. Die Sunnitin schreibt über Nahostpolitik unter anderem für journal-neo.org, globalresearch. ca und infowars.com. Seit 2012 analysiert sie auf ihrem YouTube- Kanal SyrianGirlpartisan die Lage in ihrem Heimatland und straft die westliche Propaganda Lügen. 47

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