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COMPACT-Magazin 02-2017

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Jung, wild, patriotisch

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COMPACT Dossier Die geplante Balkanisierung «Im letzten Monat forderte US- Außenminister John Kerry, Syrien aufzuteilen. Er sagte, dies sei ”Plan B”, falls die Verhandlungen scheitern sollten. Doch tatsächlich war dies schon immer Plan A gewesen. Pläne, Syrien, den Irak und weitere Staaten im Nahen Osten zu balkanisieren, wurden 2006 während einer Reise nach Tel Aviv von der ehemaligen US-Außenministerin Condoleezza Rice erläutert. Das war Teil des sogenannten Projekts für einen Neuen Nahen Osten – eine Kopie des Yinon- Plans, den Israel 1982 entworfen hatte. Dieser Plan skizziert, wie die Länder des Nahen Ostens entlang konfessioneller Linien zerlegt werden könnten. Dies würde zur Erschaffung etlicher schwacher, landumschlossener Mikrostaaten führen, die in fortwährenden Kriegen miteinander stünden und niemals vereint genug wären, um Israels Expansionismus standhalten zu können.» (Maram Susli, Kerry’s Plan at Balkanizing Syria, Journalneo.org, 29.3.2016) Die sogenannten Weißhelme waren für den Friedensnobelpreis nominiert. Wer sind die? Nachts sind diese Leute al-Qaida. Tagsüber tragen sie diese Helme und machen Propagandavideos. Dafür haben sie von den USA 30 Millionen Dollar bekommen. Es gibt aber auch Videos, die zeigen, wie Weißhelme syrische Soldaten foltern, an Hinrichtungen teilnehmen und al-Qaida-Fahnen schwenken. Jüngst haben sie die Regierung mit der Wasserversorgung für Damaskus erpresst. Die Wassertanks stehen in von sogenannten Rebellen kontrollierten Gebieten – die lassen niemanden ran. Welche Länder unterstützen die Extremisten, außer den USA? Viele. Israel gibt offen zu, al-Nusra-Kämpfer medizinisch zu versorgen. Wann immer die syrische Luftwaffe der demilitarisierten Zone in den Golanhöhen zu nahe kommt, wird sie vom israelischen Militär behindert. Israel hat al-Qaida somit in Syrien praktisch eine Sicherheitszone eingerichtet. Weiterhin hat die Türkei al-Nusra und dem IS seit sechs Jahren gestattet, die Grenze zu Syrien zu fluten. Qatar versuchte sogar, al- Nusra alias al-Qaida von der Terrorliste der Vereinten Nationen zu streichen, indem es ihr zu einem neuen Image verhalf. Aus Qatar kommt auch das ganze Geld. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schien ganz versessen darauf zu sein, Assad zu vernichten. Jetzt kooperiert er mit den Russen. Ich denke, dass die CIA hinter dem versuchten Umsturz in der Türkei stand. Die USA unterstützen die Kurden in Syrien. Erdogan fühlte sich betrogen und suchte die Wiedergutmachung mit den Russen. Die Türken ließen von den Feindseligkeiten ab und fuhren die Sanktionen zurück. Da wollten die USA dazwischengehen. Im Dezember wurde Aleppo befreit. Ist Syrien nun aus dem Gröbsten raus? Aleppo hat gezeigt, dass wir siegreich sein werden. Das wird sich auch nicht mehr ändern. Die sogenannten Rebellen werden nicht zurückkehren. Sie werden in Idlib bleiben, bis auch dort gesäubert wird. Syriens andere Sorge werden die von den USA unterstützten Kurden sein. Die sind fast so schlimm wie der IS. Auch sie versuchen, ihren eigenen Staat aus Syrien rauszuschneiden. Auch sie töten assyrische Christen. Ihr Anführer, Salih Muslim, sagte in einem Radiointerview, er wolle jeden aus den Gebieten vertreiben, der nicht kurdisch ist. Die Kurden haben den IS erfolgreich zurückgeschlagen, ja. Das macht sie jedoch nicht automatisch zu Befreiern. «Ohne die Russen hätte das US- Militär eingegriffen, um uns zu stoppen.» Wie hätte die Lage sich entwickelt, wenn die Russen 2015 nicht angerückt wären? Ich glaube, unsere Armee wäre auch ohne die Russen erfolgreich gewesen. Die Anwesenheit Russlands hat aber nicht nur unseren Sieg beschleunigt. Sie hat auch andere davon abgehalten, unseren Sieg aufzuhalten. Ohne die Russen hätten das US-Militär und vielleicht auch die Türken eingegriffen, um uns zu stoppen. Zur Zeit arbeiten Russland, der Iran und die Türkei allein an einem Friedensplan – ohne die USA. Ist die Anti-Assad-Allianz am Ende? Ihr Einfluss ist zumindest schwer gemindert. Es ist ganz klar, dass die Türkei ihre Interessen in dieser Allianz nicht länger gewahrt sieht. Die USA und die Vereinten Nationen aus den Gesprächen rauszuhalten, erhöht die Wahrscheinlichkeit auf Frieden ungemein. Glauben Sie, mit Donald Trump werden die USA und Russland gemeinsam gegen den IS vorgehen? Die Rhetorik lässt das in jedem Fall vermuten. Es ist klar, dass Trump keinen Krieg mit Russland möchte. Die Frage ist, wie weit er gehen wird. Andererseits rutschte ihm nämlich auch heraus, eine Sicherheitszone in Syrien einrichten zu wollen. Ich denke, wenn er erst einmal im Amt ist, wird ihm, wie Obama, schnell einleuchten, dass das unmöglich ist. Trump wird definitiv besser für Syrien, die Beziehungen der USA mit Russland und die Chance auf Weltfrieden sein, als Hillary Clinton es gewesen wäre. 48 Im Jahre 2013 standen nach einer NATO-Analyse 70 Prozent der Syrer hinter Assad. Foto: picture alliance / AP Photo

«Die Terroristen schossen ihr in den Mund» _ Tino Perlick im Gespräch mit Vanessa Beeley Diese IS-Fahne in Aleppo dient nur noch als Souvenier. Foto: Vanessa Beeley Vanessa Beeley gehörte zu den ersten Journalisten, die Aleppo nach der Befreiung besuchten. Ihre Eindrücke strafen die westliche Berichterstattung Lügen und zeugen vom ungebrochenen Zusammenhalt des syrischen Volkes – sowie von unvorstellbaren Grausamkeiten der islamistischen Besatzer. Sie sind vor kurzem aus Aleppo zurückgekehrt. Was haben Sie dort erlebt? Wir sind am 16. Dezember, 48 Stunden nach der Befreiung, im Bezirk Hanano angekommen. Man sah die Spuren des Häuserkampfes überall. Die Zerstörung entsprach jedoch nicht der von Luftangriffen, sondern der von Artillerie. Es gibt eindeutige Unterschiede zwischen den Schäden in Wohngebieten einerseits und denen in Industriegebieten wie Sheikh Najjar andererseits, das der IS im Jahr 2012 übernommen hatte. Nur dort sahen wir umfassende Zerstörung. Im Westen wurde fälschlich berichtet, die syrische und russische Luftwaffe hätten auch Wohngebiete flächenweise bombardiert. Wie haben die Einwohner auf die Befreiung reagiert? Für viereinhalb Jahre lebten diese Menschen in einem Informationsloch. Viele erzählten uns, sie hätten Angst gehabt, dass die Regierungsarmee [SAA] konfessionell motivierte Vergeltung an ihnen verüben würde. Diese Propaganda hatten ihnen al-Nusra und deren unterschiedlichen Gruppierungen erzählt. Man hatte die Leute einer Gehirnwäsche unterzogen, damit sie die Befreiung fürchten. Als wir sie fragten, wie es ihnen jetzt ginge, sagten sie, «Mein Gott, es ist ja überhaupt nicht so, wie man uns sagte». In der SAA gibt es sowohl eine Vielzahl islamischer und christlicher Fraktionen als auch Atheisten. Alle waren in ihrem Wunsch vereint, die Zivilisten zu befreien und mit äußerster Hingabe und Respekt zu behandeln. Ich kann das selbst bezeugen. In jedem befreiten Gebiet, das ich besucht habe, wurde mir klar, dass viele Soldaten der SAA dort Angehörige haben. Es ist einfach obszön, dass die Medien berichten, diese Soldaten würden ihr Leben bei der Befreiung von einer terroristischen Besatzung riskieren, um dann ihre eigenen Familien zu töten. Das ist auch nicht al-Assads Armee. Es ist die Nationalarmee, die ihr Land von einer Stellvertreterinvasion befreit. Die Russen sagen, sie hätten Massengräber gefunden. Wir haben mit dem Leiter der Gerichtsmedizin in Aleppo gesprochen. Er bekräftigte den Fund von Massengräbern. Es hat auch Massenfolterungen «Sämtliche Schulen wurden in Waffenlager oder Schariagerichte umgewandelt.» 49

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