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COMPACT-Magazin 03-2017

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Das Trump-Team _ Die

Das Trump-Team _ Die wichtigsten Köpfe der neuen US-Regierung Rex Tillerson Außenminister Der frühere Exxon Mobile Boss hat einen Draht zu Putin und warb für Freihandelsabkommen. James Mattis Verteidigungsminister Der 66-Jährige gilt als NATO- Anhänger, bezeichnete Russland 2015 als größte Gefahr. Ryan Zinke * Innenminister Der Ex-Navy-Seal saß vorher für Montana im Repräsentantenhaus. Steven Mnuchin * Finanzminister Der 54-Jährige plant große Steuerreformen, arbeitete für Goldman Sachs und George Soros. John Kelly Heimatschutzminister Der 66-Jährige ist gegen Folter und lehnt den Einwanderungsstopp für Moslems ab. Andrew Puzder * Arbeitsminister Der ehemalige Anwalt und Restaurant-Manager ist politisch ein unbeschriebenes Blatt. Wilbur Ross Handelsminister Der 79-jährige Milliardär aus Florida will US-Firmen mit Schutzzöllen helfen. Stephen Bannon Präsidentenberater Meistgehasster Mann der globalistischen Eliten. Der 63-Jährige kommt von Breitbart News. Michael Flynn Nationaler Sicherheitsberater Der Demokrat gilt als scharfer Islamkritiker und hält die NATO für stark reformbedürftig. Rudy Giuliani Berater für Cybersicherheit Der Ex-Bürgermeister von New York dürfte im Weißen Haus eine Nebenrolle spielen. Mike Pompeo CIA-Direktor Der Tea-Party-Veteran ist für Guantanamo und die Todesstrafe für Edward Snowden. Nikki Haley UNO-Botschafterin Die 45-jährige Ex-Gouverneurin und Sikh besetzt den wichtigsten diplomatischen Posten. Fotos: US-Gov/Congress/Army; DIA, Office of the President-elect, Gadge Skidmore; Don Irvine * Bestätigung durch den Senat stand bei Redaktionsschuss noch aus. 44 Nachhilfeunterricht Am 9. Februar entschied ein Bundesberufungsgericht, Trumps Einreiseverbot gegen Bürger sieben muslimischer Staaten weiterhin auf Eis zu legen. Einen Tag zuvor hatte Trump vor einer Vereinigung leitender Angestellter des Polizeivollzugsdienstes aus dem Einwanderungs- und Nationalitätsgesetz von 1952 vorgelesen. In Absatz 212(f) heißt es: «Wann immer der Präsident erkennt, dass die Einreise von Ausländern (…) in die Vereinigten Staaten den Interessen der Vereinigten Staaten abträglich ist, möge er durch Ausrufung und für eine Dauer, die ihm notwendig erscheint, die Einreise aller Ausländer oder einer Gruppe von Ausländern als Einwanderer oder Nichteinwanderer suspendieren oder der Einreise von Ausländern Einschränkungen auferlegen, die er für angemessen hält.» Das Gesetz sei so deutlich formuliert, fügte Trump hinzu, dass es auch «ein schlechter Schüler der Highschool verstehen» könne. Foto: U.S. Government mentar mit dem Titel «Wenn Demokratien kippen»: «Donald Trump verachtet und gefährdet die liberale Demokratie, er verachtet und gefährdet die Weltordnung, er ist der mächtigste Mann der Welt. Der Ernstfall ist da.» Was tatsächlich auf der Kippe steht, ist westliche Elitendemokratie in Reinform oder, wie es Brinkbäumer gegenüber Reuters entglitt, «die liberale Demokratie, so wie wir sie wertschätzen». «Vor Trump haben wir in einer liberalen Nicht-Demokratie gelebt.» Wähler Die Meinung des Durchschnittsamerikaners bedeutet solchen Leuten einen Dreck. Das US-Nachrichtenportal The Atlantic veröffentlichte am 9. Januar eine erhellende Zuschrift eines Trump-Wählers: «Liberale Demokratie», schreibt der als weißer College-Absolvent Ende 20 vorgestellte Mann, «hat zu einer Krise der Unterbeschäftigung, zu stagnierendem Wachstum, systemischer Inkompetenz und sich gänzlich verschlechternden Lebensstandards geführt – für alle außer einer winzigen Minderheit, die im Grunde alle bedeutsamen Vorteile der Globalisierung an sich gerafft hat.» Trump sei nicht antidemokratisch, sondern «im Gegenteil eine Wiederbelebung der Demokratie in einem System, das bis dahin eine liberale Nicht-Demokratie gewesen war». Das Gegenmodell zu dieser «liberalen Nicht-Demokratie» nennt der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban die «illiberale Demokratie». Diese lehne «diese fundamentalen Prinzipien wie Freiheit (…) nicht ab, erhebt sie aber auch nicht zum zentralen Element staatlicher Organisation. Stattdessen schließt sie einen anderen, speziellen, nationalen Ansatz ein.» Trumps Mantra «America First» hat diesen Anspruch auf den Punkt gebracht. «Wenn ein Land nicht länger sagen kann, wer rein und raus kann und wer nicht», twitterte der US-Präsident, als sein Einreisedekret Anfang Februar von der Justiz gestoppt wurde, bedeute das «vor allem aus Gründen natio naler Sicherheit & Schutz – Mordsärger!» Wenn Trump die Presse beleidigt oder Richter maßregelt, fühlen sich jene bestätigt, die in ihm den großen Diktator sehen. Der bereits zitierte Trump-Anhänger gibt jedoch zu bedenken: «Wenn er [Trump] Rechtsgrundsätze untergräbt, erkenne ich darin keine Gefahr, sondern jemanden, der ein System unterwandert, das für Eliten, die Zugang zu ganzen Armeen von Anwälten haben, zum Spiel geworden ist. Wenn er den Kongress einschüchtert, sorge ich mich nicht um die Gewaltenteilung, die zur Funktionsstörung geworden ist. Stattdessen sehe ich einen Mann, der es mit nutzlosen politischen Prostituierten aufnimmt, die jedem dienen, der einen hinreichend großen Scheck für ihren Wahlkampf ausstellt.» Die Unterstützung seiner Wählerschaft kann Trump nur auf eine Art verspielen – indem er vor seinen Gegnern in die Knie geht. Tut er das nicht, wird der medial-politische Angriff zwar auch in Zukunft weitergehen, aber mangels fehlender Unterstützung im Volk fehlzünden. Dann muss Trump mit rabiateren Gegenmaßnahmen rechnen – er dürfte das Schicksal von John F. Kennedy ganz gut kennen. Im Gespräch mit Fox News sagte er Anfang Februar: «Wir haben viele Killer. Was glauben Sie? Ist unser Land so unschuldig?»

COMPACT Dossier Treibjagd auf Trumps Jüngsten _ von Robert Weber Die Selbstgerechten in den USA und Deutschland haben ein weiteres Feindbild: Ausgerechnet der zehnjährige Sohn des Präsidenten wird zum Opfer ihrer geschmacklosen Attacken. Wie virtuelle Jauche ergossen sich Häme und Hass ins Internet. Barron Trump, so war zu lesen, würde im Garten des Weißen Hauses ständig nach Verbrennbarem suchen oder Tiere quälen. Fachkundige Prognostiker prophezeien ihm eine Zukunft als Vergewaltiger. Ein Youtuber erklärte das Kind schlicht für «autistisch» – und fand eifrige Zustimmung in diversen Onlineforen. Bei derartigem Bashing konnte auch TV-Autorin Katie Rich nicht an sich halten: Auf Twitter orakelte sie, dass Barron der erste Homeschool-Amokschütze werden dürfte. Das ging dann doch ein wenig zu weit: Misses Rich entschuldigte sich und wurde vom Sender NBC beurlaubt. Natürlich: Auch frühere Präsidentenkinder lebten nicht vollkommen unterhalb des medialen Radarschirms. Sasha und Malia Obama sorgten im prüden Amerika wegen der Kürze ihrer Röcke für Stirnrunzeln. Jenna Bush brachte es zeitweise dank Alkoholeskapaden zu unrühmlicher Popularität. Doch als Ziel politischer Attacken und Schlammschlachten waren die Sprösslinge der Staatschefs bislang tabu. Selbst harmlose Fotos veröffentlichte die Presse in der Regel nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Weißen Hauses. Parallel zum eskalierenden Kesseltreiben gegen Donald Trump ist jedoch auch diese Grenze gefallen. Besonders perfide: Nicht nur die erwachsenen Kinder des Republikaners – die tatsächlich mehr oder weniger zur politischen Entourage des Präsidenten gehören – dienen als Zielscheibe für Gift und Galle, sondern auch der erst zehnjährige Barron. Es begann am 20. Januar: Als Trump vereidigt wurde, stand der Knirps mit den Eltern auf der Bühne. Vom Pomp der Inthronisation fühlte sich der Junge erkennbar weder beeindruckt noch unterhalten. Er ertrug das Spektakel im Washingtoner Winter letztlich mit erstaunlicher Standhaftigkeit. Doch die Journaille gierte förmlich nach einem Anlass für Gehässigkeiten – und fand ihn in einem Anzeichen von Müdigkeit in Barrons Gesicht. Verächtlich schwadronierte sie von einem «gelangweilten», «schlecht erzogenen» Sohn. Englands Daily Mail veröffentlichte eine denunziatorische Fotostrecke, die den «first boy» während der Rede seines Vaters zeigt: Wie er zappelt, lacht, gähnt und schwatzt. Emcke träumt vom Kinderklau Auch in Deutschland fand die Hatz bereitwillige Lohnschreiber. Das Boulevard-Magazin Bunte berichtete, dass Little Donald, so der familiäre Spitzname, den Vater zum Golfen begleite und mit Delfinen schwimme, dass ihm «jeder Wunsch von den Augen abgelesen» werde. Laut Küchenpsychologie führt das natürlich zu seelischer Verwahrlosung… _ Robert Weber schrieb in COMPACT-Spezial Nr. 3 Feindbild Familie über traditionelle Werte. Im Wahlkampf absolvierte Barron Trump insgesamt drei öffentliche Auftritte an der Seite seines Vaters. Foto: picture alliance/ AP Photo Ein DJ Pure Applesauce twitterte, dass der Kleine ein «Laich des Teufels» sei. 45

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