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COMPACT-Magazin 03-2017

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Schulz wird Merkel

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COMPACT Dossier Chelsea und Barron Die FAZ und Die Welt fragen inzwischen besorgt, welche publizistischen Kettenhunde gegen Barron losgelassen wurden. Wobei letztere feststellt, dass sich «ausgerechnet» Chelsea Clinton, Tochter der unterlegenen Präsidentschaftskandidatin Hillary, für Barron öffentlich starkgemacht hat. «Barron Trump verdient die Chance, ein Kind zu sein – so wie jedes andere Kind auch», schrieb die 36-Jährige in sozialen Netzwerken. Interessant ist die Hervorhebung des Blattes, dass «ausgerechnet» Chelsea Clinton sich für Barron einsetzt. Solches Erstaunen zeigt, dass man auch sie mit ihren ätzenden Eltern identifiziert. Wieder eine Sippenhaft. Chelsea Clinton. Foto: Gage Skidmore, CC BY-SA 2.0, flickr.com Ist das aber nicht immer noch besser als das Schicksal jener Kinder, die zu wenig bekamen und deshalb als Reporter bei Trash-Illustrierten landen und Sozialneid verbreiten? Die deutsche Publizistin Carolin Emcke möchte den Kleinen am liebsten in einer «alternativen Pflegefamilie» wissen. Da scheint zuzutreffen, was die Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels im Oktober 2016 dem Deutschlandfunk sagte: «Der Hass sucht sich seine Objekte.» Natürlich dürfen auch Assoziationen zu Kinomonstern nicht fehlen. Twitter-User erklärten Barron zum Vampir, der bei der Vereidigung so bleich wirkte, weil «er erstmals die Sonne gesehen hat». Ein DJ Pure Applesauce twitterte, dass der Kleine ein «Laich des Teufels» sei. Tja, Inquisitor müsste man sein… Mit eigenem virtuellen Scheiterhaufen. Einmal dämonisiert, war der Weg nicht weit, ihm Ähnlichkeit mit Damien aus Das Omen (1976) zu unterstellen, einer filmischen Reaktion auf die Nixon-Ära: Darin adoptiert der hochrangige US-Diplomat Robert Thorn das gleichnamige Findelkind. Bald geschehen schreckliche Dinge, die in Zusammenhang mit dem Kleinen stehen. Als Thorn herausfindet, dass er den Sohn des Teufels großzieht, ist es zu spät: Er stirbt bei dem Versuch, Damien auszuschalten. In der Schlusseinstellung steht Damien an Thorns Grab: Der Weg des Teufels ins Weiße Haus ist nicht mehr aufzuhalten. Derzeit zeigen Youtube-Videos Originalaufnahmen des kleinen Barron, untermalt mit dem Omen-Soundtrack. Die hysterische Überschrift: «Donald Trumps Sohn sieht aus wie Damien!! Das Omen ist da!!» Das erinnert an Hasspropoganda aus finstersten Zeiten. Doch so sehr sich Emcke und Co. in ihrer Abscheu vor dem Zehnjährigen zu überbieten suchen – die unsichtbaren Haltelinien der Politischen Korrektheit kennen sie genau. So raunten US-Medien bereits vor der Amtseinführung halbdespektierlich über die Zweisprachigkeit von Trump Junior. Mit seiner Mutter Melania, die aus der damals jugoslawischen Unterkrain stammt, spricht er zu Hause Slowenisch. Während dies in US-Foren für Lästereien über eine angeblich unamerikanische Haltung der 46-Jährigen sorgte, schwiegen die deutschen Berufs-Toleranten in diesem Fall. Kein Wunder: Eine bilinguale Multikulti-Familie passt nicht zum Feindbild, dem angeblichen Rassisten Trump. Banalität des Bösen Dabei reagierten sich die Hassprediger keineswegs nur in den Echoräumen ihrer Medien ab. Als Trumps Tochter Ivanka gemeinsam mit Ehemann Jared Kushner und den drei Kindern im Dezember 2016 in New York ein Flugzeug betrat, rasteten zwei Passagiere förmlich aus. «Wieso ist sie an Bord dieses Flugs? Sie sollte einen Privatflug nehmen», pöbelte einer der Männer, der nach Medienberichten aus dem schwullesbischen Hardcore-Milieu stammt. Dabei war die Verbalattacke offenbar keine spontane Erregung, sondern Teil einer regelrechten Verfolgungsjagd. Nach Angaben des Stern hatte der Partner des Krakeelers zuvor getwittert: «Ivanka und Jared am Terminal 5 von JFK. Mein Mann fängt sie ab, um sie zu belästigen». Als Hashtag diente ihm dabei «#Banalität des Bösen» – ein Ausspruch, mit dem Hannah Arendt einst die NS-Mordmaschinerie beschrieb. Immerhin: Nicht Ivanka und ihre Familie, sondern die beiden selbsternannten Antifaschisten mussten die Maschine verlassen. Barron Trump wird angedichtet, dass er im Garten des Weißen Hauses Tiere quält. Dass niedliches Verhalten eines Präsidentensohnes durchaus für Verzückung der Mainstreampresse sorgen kann, bewies der Fall von John F. Kennedy Junior. Nachdem der gerade Dreijährige bei der Beerdigung seines Vaters am 25. November 1963 vor dem Sarg salutierte, wurden die Aufnahmen zum Symbol für anrührende Trauer und er zu einer Bild- Ikone der 1960er Jahre. Dass sich die Familie im Anschluss an die Beisetzung bei einer Geburtstagsparty amüsierte, fand dagegen kaum Erwähnung. 46 John F. Kennedy Junior 1963 am Sarg seines Vaters. Foto: picture alliance / AP Photo

Schwul, cool, klug – und rechts! _ von Marc Dassen Er ist der Mega-Star der Neuen Rechten in den USA, Trumps größter Fan und Endgegner der Political Correctness: Milo Yiannopoulos – Redakteur bei Breitbart News, gläubiger Katholik und stolzer Homosexueller – füllt Hörsäle und begeistert Millionen. Ein Querdenker neuen Typs? Wenn er ans Mikrofon geht, ruhen alle Blicke auf ihm, dem wohl ersten Popstar der Neuen Rechten in den USA, die sich AltRight («alternative Rechte») nennt. Mit jedem seiner Auftritte macht der 32-Jährige Schlagzeilen. Lustvoll zelebriert er einen Tabubruch nach dem anderen. «Rassist! Sexist! Nazi!», brüllen seine Gegner. Feinde hat er mittlerweile so viele, dass sie Schlange stehen und eine Nummer ziehen müssen. Seine wasserstoffblonde Scheitelfrisur ist bereits Kult, seine Outfits sind mal britischchic, mal geradezu karnevalesque, mal leger. Auch optisch will er den Bruch mit allem, was an die bleierne Zeit erinnert – die Zeit vor Trump, als Politik noch langweilig war. Entspannt aufs Rednerpult gestützt, beobachtet der selbsternannte «Tunichtgut» und laut Facebook- Profil «glamouröseste Superbösewicht im Internet» geradezu genüsslich, wie in voll besetzten Auditorien Tumulte losbrechen, die nicht selten zu komödiantischen Einlagen werden. Lässig wirft der in Griechenland geborene Londoner den Kopf zurück, auf seinem faltenfreien Gesicht ein schelmisches Lächeln, das seine Kritiker zur Weißglut bringt. Wenn alles durcheinander brüllt: Milo bleibt cool. Einige seiner Veranstaltungen wurden bereits «aus Sicherheitsgründen» abgesagt, andere von Hochschulaktivisten sabotiert, alle werden mit großem Polizeiaufgebot bewacht. Milo dankt den «Officers» dafür von Herzen. Anfang Februar randalierte die US-Antifa an der Universität Berkeley in Kalifornien, legte Feuer, prügelte auf seine Fans ein. Die Veranstaltung platzte. Donald Trump – der die Antifa als Terrororganisation einstuft – kam ihm persönlich zu Hilfe: «Wenn die UC Berkeley keine freie Rede erlaubt und mit Gewalt gegen unschuldige Andersdenkende vorgegangen wird – Streichung der staatlichen Zuschüsse?» Mit der Randale-Aktion hat sich die faschistoide Linke selbst ins Knie geschossen. Nach der Eskalation stiegen die Bestellungen von Milos aktuellem Buch Dangerous um unfassbare 12.000 Prozent. Die Universität als «freier Marktplatz der Ideen»? Ein Mythos, der von Milo schonungslos entlarvt wird. Doch das Blatt wendet sich. Geliebt, gehasst, gefürchtet Klagen Feministinnen über die Unterdrückung durch das sogenannte Patriarchat oder angebliche Lohnungleichheit zum Nachteil berufstätiger Frauen, kann Milo nur müde lächeln. Wenn Aktivisten Milo Yiannopoulos wurde als Milo Hanrahan in England geboren und bezeichnet sich selbst als kulturellen Libertären. Foto: Mike Allen / mikeallenphoto.com «Scheiß auf Deine Gefühle!» Milo 47

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