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COMPACT-Magazin 03-2017

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COMPACT Leben in «Hydra», erstmals ausgestrahlt am 17. Juni 2015, schürt der WDR den Generalverdacht gegen Deutsche: nicht etwa grölende BVB-Fans mit Glatzen und Dosenbier verbreiten rechtes Gedankengut, sondern Germanistikstudenten und eine schwangere Kindergärtnerin. Zum Glück haben die Ruhrpott-Ermittler mit der jungen Türkin Dalay einen appetitlichen Köder, nach dem die doofen Rechten auch gleich begierig schnappen. Der wahre Clou der Geschichte könnte aus einem Drehbuch der Teletubbi-Antifa stammen: Der Hauptkommissar selbst gibt Interna an die Naziszene weiter. Was für ein Bullenschwein! Märchenstunde im NDR 54 Der Hessen-Tatort «Land in dieser Zeit» (2017) gruselt sein Publikum mit einer «nationalistischen kulturrassistischen Gruppierung» (Wikipedia). Foto: HR/Degeto/Bettina Müller Die (un)beliebtesten Tatort-Ermittler Durchschnittliche TV-Zuschauerzahl (in Millionen) Thiel/Boerne (Münster) 13,20 Voss/Ringelhahn (Nürnberg) 12,21 Batic, Leitmayr (München) 10,02 Ballauf/Schenk (Köln) 9,97 Tschiller, Gümer (Hamburg) 8,70 Murot (Wiesbaden) 8,23 Stellbrink/Marx (Saarbrücken) 8,01 Quelle: MeediaGrafik: COMPACT durchweg treu. Dazu passt, wie der RBB am 8. September 2013 mit «Gegen den Kopf» einen Fall von Gewalt in der U-Bahn aufgriff, der in zahlreichen Großstädten zur Regel zu werden droht. Nicht etwa Albaner, Schwarzafrikaner oder Araber sind hier die Täter, sondern zwei ordentlich wirkende Deutsche, die sich gegenseitig beschuldigen. Motiv: unklar. Rotfunk WDR Nur eine Woche nach den Frankfurter Ermittlungen im braunen Sumpf spannte der WDR mit Ballauf und Schenk das sozialdemokratischste aller Ermittlergespanne ins Geschirr. Passenderweise stehen im Kölner Tatort zunächst Nafris unter Verdacht: Nordafrikanische Männerhorden hatten die Domstadt zum Jahreswechsel 2015 mit ihrer Massengrapscherei traumatisiert. Ein junger Marokkaner fungiert als erster Verdächtiger – scheidet aber nach der vorhersehbaren Mechanik fast aller Episoden als Täter aus. Der Drogendealer kommt zwar extrem unsympathisch rüber, verblasst jedoch als kleiner Fisch gegen den wahren Täter – natürlich ein Deutscher. Damit die Kölner Bürgerwehr mit dem titelgebenden Namen «Wacht am Rhein» als Gefahr für den sozialen Frieden gebrandmarkt werden kann, lassen die Autoren noch einen dunkelhäutigen Polizisten ins Gras beißen. Wer dem Ruf «Deutsche, wehrt Euch!» folgt, wandert in den Knast oder wird – wie aktuell die Bürgerwehr im sächsischen Freital – als terroristische Vereinigung angeklagt. Auch ein paar Kilometer weiter, in Dortmund, muss sich der mental angeknackste Kommissar Faber mit dem «Nazi-Problem» herumschlagen. Auch In «Verbrannt» greift der NDR am 11. Oktober 2015 einen realen Vorfall aus dem Jahr 2005 auf: Auf der Polizeiwache von Dessau starb ein Flüchtling aus Sierra Leone unter ungeklärten Ursachen durch ein Feuer. Ohne Beweise, nur mit Anschuldigungen gegen die Polizei gelang es linksextremen Grüppchen zehn Jahre lang, das kümmerliche Flämmchen des «Falles Jalloh» am Flackern zu halten. Der NDR-Tatort stellte die mediale Krönung der Kampagne dar. Nachdem ein zu Unrecht des Schleusertums verdächtigter Asylbewerber in Polizeigewahrsam verbrannt ist, schmeißt der schmierige Dienststellenleiter, anstatt den Fall aufzuklären, erst einmal eine Grillparty. Im Dortmunder Tatort sind sogar Germanistikstudenten und eine schwangere Kindergärtnerin Nazis. Zum Auftakt von «Frohe Ostern, Falke» (24. März 2015) machen als Hasen verkleidete Linksterroristen mit Waffengewalt auf die Lage der Flüchtlinge in Hamburg aufmerksam. An und für sich ein interessantes Reizthema. Doch am Ende geht es weder um die Rechtsbeugung des rot-grünen Hamburger Senats noch um die allgegenwärtige Gewalt von Linksaußen. Der ganze Mummenschanz im Hasenkostüm sollte einen Auftragsmord vertuschen. Im Hintergrund: die böse deutsche Waffenindustrie – beim NDR hat sich seit den 1970ern wohl nicht viel geändert. Die Schwabenstreiche des SWR Tatort Stuttgart: «Im Gelobten Land» vom 21. Februar 2016 sind es immerhin bosnische Schlepper, die Menschen skrupellos im Lkw verdursten lassen. Im weiteren Handlungsverlauf kommen beim geneigten Zuschauer jedoch Zweifel auf, ob die bösen Bosnier vielleicht doch hehre Motive haben. Denn

COMPACT Leben irgendjemand muss ja wohl den armen Afrikanern helfen, die es auf unseren Kontinent nicht schafften. Kommissare Lannert und Bootz hingegen hadern stundenlang mit ihrer möglichen Mitschuld am Tod der menschlichen Fracht. Analog zur perfiden Erinnerungskultur, die den Deutschen tagtäglich einhämmert, dass sie auf alle Zeiten hin Buße zu tun haben – inklusive grenzenloser Versorgung jedes Fremdlings – dreht sich die Gebetsmühle eben auch im TV immer weiter. Selbst eingefleischten Fans war das Geiseldrama um die beiden völlig unprofessionell agierenden Kommissare zu viel des Guten. Im Fan-Blog hagelte es Kritik: «Politisch überkorrekt und mit zu viel Bildungsauftrag.» Oder: «Der Tatort verkommt (…) zu einer Krimiserie, die zuständig ist für die Meinungsbildung der Massen.» Und: »Nicht auch noch sonntagabends das Flüchtlingsdebakel!», schimpften die Zuschauer. »Nicht auch noch sonntagabends das Flüchtlingsdebakel!» Zuschauer Auf das Konto desselben Autors geht auch ein Drehbuch, in dem ausgerechnet Marinesoldaten ein mit Afrikanern vollgepacktes Boot zum Kentern bringen. Die Bremer Folge «Der illegale Tod» trichterte schon am 15. Mai 2011 dem deutschen Zwangsgebührenzahler ein, dass jeder Afrikaner, der sich im vollen Bewusstsein auf einen seeuntüchtigen Kahn begibt, nicht etwa lebensmüde und illegal, sondern schutzbedürftig und als Asylant nach Italien zu eskortieren sei. Dabei zeigte Radio Bremen mit dem am 23. Februar ausgestrahlten Fall «Brüder», dass es auch anders geht: Ohne Rücksicht auf Politische Korrektheit kommt die Handlung um einen skrupellosen libanesischen Familienclan der Aktualität des ganz real in der Hansestadt wütenden Miri-Clans recht nahe. Die Reaktionen der linken Aufpasser ließen nicht lange auf sich warten: Die Lübecker Nachrichten bemängelten: «Ein Beitrag im Kampf gegen Ausländerfeindlichkeit ist Brüder jedenfalls nicht.» Der Tatort sollte sich wieder mehr auf spannende Unterhaltung als auf Volkserziehung konzentrieren – nicht zuviel verlangt bei Produktionskosten von 1,5 Millionen Euro pro Folge. Denn wie sagte schon Axel Milberg, immerhin selbst als Kommissar Borowski eine Tatort-Legende, im Gespräch mit dem Cicero: «Was so öde ist in Deutschland: Wenn es politisch wird, ist es auch gleich pädagogisch und erzieherisch.» Und nervig. Und sterbenslangweilig. Erdkundeunterricht Immerhin: Das Ermittlerduo Falke und Grosz vom NDR-Tatort kam am 20. März 2016 in der Folge «Zorn Gottes» zur Abwechslung auch einer ganz realen Gefahr für die öffentliche Sicherheit auf die Spur: Ein türkischer Islamist kehrt nach Deutschland zurück, um in Braunschweig einen Terroranschlag zu begehen. Die Polizei kann das drohende Blutbad verhindern. Die innenpolitische Brisanz wurde allerdings dadurch verdeckt, dass im Laufe der 90 Minuten beiläufig die meisten Probleme des Nahen Ostens abgehandelt wurden, ganz so, «als sei es die Aufgabe des Tatorts, perfekt zur nachfolgenden Talkshow überzuleiten», wie ein Kritiker bemerkte. Anzeige

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