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COMPACT-Magazin 03-2017

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COMPACT Leben Rot-grünes Abi versus CSU-Abi Die Neue Westfälische berichtete am 13.12.2016: Der Deutsche Lehrerverband hat nach der Veröffentlichung der neuesten PISA-Ergebnisse eine Rückbesinnung auf das Leistungsprinzip an Schulen gefordert. Verbandspräsident Josef Kraus fordert ein Ende der Inflation bei sehr guten Schulnoten. Sein Vorschlag, dass anspruchsvolle Bundesländer wie Bayern die Abiturzeugnisse anspruchsloser Bundesländer wie NRW nicht mehr anerkennen sollen, schlägt hohe Wellen. Die Lehrergewerkschaften in NRW reagieren verärgert auf die Vorschläge von Kraus. «Die unverschämte Forderung entbehrt jeglicher Grundlage», sagt die NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Dorothea Schäfer. Kraus’ populistische Äußerungen seien größenwahnsinnig. So bewertet auch der NRW-Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, die Forderungen: «Die erzkonservative Linie richtet sich gegen Bundesländer, die den Weg des längeren gemeinsamen Lernens eingeschlagen haben.» 60 In den Antifa-Kursen sind gute Noten einfacher zu bekommen als in Mathematik oder Französisch. _ Viktor Timtschenko ist Buchautor und lebt bei Leipzig. In COMPACT 2/2017 schrieb er über die induzierte Kinderfeindlichkeit der westlichen Gesellschaften. Selbst die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), also ein Instrument zur Durchsetzung der politisch korrekten Denkweise, muss einräumen, dass auch gegenwärtig «geringe Schriftkompetenzen mithin kein Randphänomen, sondern ein bedeutendes gesellschaftliches Thema» sind. In einer anderen Studie («Ausbildungsreife und Studierfähigkeit»), die die Konrad-Adenauer-Stiftung 2016 veröffentlichte, schreiben die Autoren: «Trotz gestiegener guter Schulabschlüsse steigt die Anzahl der jungen Menschen, die gleich zu Beginn einer Berufsqualifikation in Unternehmen oder Hörsälen mit fehlenden Grundlagenkompetenzen hinsichtlich Sprache und Mathematik zu kämpfen haben. (…) So erteilen mehr als ein Drittel der IHK-Betriebe und viele, gerade auch renommierte Hochschulen, nachholenden Schulunterricht wie zum Beispiel Schreibberatung, Texterfassung und -verständnis oder Brückenkurse Mathematik» – auch für Abiturienten mit guten Noten. Fazit: «Abitur ist kein Garant mehr für Studierfähigkeit.» Nicht Wissen zählt, sondern der Anschein von Wissen. Verblödung und Kalkül Die Politik, die mit der einen Hand die Menschen verdummt, verstärkt mit der anderen den sytemkonformen Politikunterricht – darauf deutet die zweite Entscheidung der sächsischen Kultusbehörden im Januar hin. «Wir brauchen in Sachsen eine viel intensivere politische, demokratische Bildung», sagte Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) der Leipziger Volkszeitung. «Im Prinzip», schreibt das Blatt, «geht es um eine Art Staatsbürgerkunde – allerdings unter ganz anderen Vorzeichen als zu DDR-Zeiten.» Klar: Unter der SED gab es Gehirnwäsche für die junge Generation. Aber jetzt läuft dasselbe Spielchen, Gruppenarbeit ist schwer im Kommen – was früher Chaos hieß, gilt heute als kreativ. Foto: picture alliance / dpa nur unter anderen Vorzeichen – denn wir sind doch die Guten. Jedenfalls sagt der Freistaat «Rechtsextremisten, Populisten und Internethetzern (…) den Kampf an». In den Antifa-Kursen sind gute Noten einfacher zu bekommen als in Mathematik oder Französisch. Wer muss schon den Satz des Thales kennen oder Voltaire im Original lesen? Es genügt doch, die historischen Reden von Heiko Maas nacherzählen zu können! Gegen die andauernde Verblödung der Bevölkerung kann sich nur die Wirtschaft auflehnen, die Ingenieure – und keineswegs politische Kämpfer aus der Retorte – braucht. Und die Gesellschaft selbst? Spätestens dann, wenn die Flugzeuge, die Konstrukteure mit grandiosen politischen Kompetenzen gebaut haben, abstürzen, wird ein Umdenken einsetzen. Anzeige

COMPACT Leben Die Dresden-Lügen _ von Jan von Flocken Die Opfer des angloamerikanischen Bombenterrors vom Februar 1945 werden seit der Wiedervereinigung systematisch verhöhnt. Staat und angeschlossene Medien übertreffen sich in einem unwürdigen Gefeilsche, um die Zahl der Toten kleinzurechnen. 161 deutsche Städte versanken während des Zweiten Weltkriegs im Bombenterror aus der Luft – von Köln bis Magdeburg, von Pforzheim bis Potsdam. Ein besonders grausiges Fanal setzte die Bombardierung der sächsischen Hauptstadt, des europäischen Kulturzentrums Dresden am 13./14. Februar 1945 durch US-amerikanische und britische Bombergeschwader. Bei diesem Angriff wurde die Stadt zu zwei Dritteln zerstört (siehe Infobox Seite 62). Terror nur gegen Zivilisten Den beteiligten Besatzungen der 1., 3. und 5. Bomber Group wurde in ihrer Einweisung am Vormittag des 13. Februar verkündet: «Dresden besitzt wie andere Großstädte ein umfangreiches Netz von Telefon- und Eisenbahnverbindungen und ist von großer Bedeutung für die Kontrolle der Verteidigung.» Außerdem sei die Stadt «mit westwärts strömenden Flüchtlingen überfüllt, und es sind Unterkünfte nunmehr sehr begehrt». Der Angriff erfolge auch, «um den Russen zu zeigen, was das Bomber Command anrichten kann». Tatsächlich richtete das Bomberkommando Schauerliches an. Die Zivilbevölkerung wurde regelrecht hingeschlachtet. Nur der einzig strategisch wichtige Punkt, der Flughafen Dresden-Klotzsche mit den benachbarten Kasernen und Materiallagern, blieb von den Angriffen verschont. Auch die Bombardierung des Verkehrsknotenpunktes Dresden spielte im Hinblick auf die Auswirkungen nur eine Nebenrolle. Schon nach 48 Stunden konnte der Verkehr auf den Hauptgleisen wieder aufgenommen werden. Die Zahl jener Menschen, die damals den Bombenangriffen zum Opfer fielen, wird sich nie exakt ermitteln lassen. 1939 zählte die Stadt 629.000 Einwohner. Fünf Jahre später waren noch 567.000 Personen erfasst. Belegt ist, dass sich nach dem Vorstoß der Roten Armee im Januar 1945 mehrere zehntausend Flüchtlinge aus Schlesien (die Schätzungen reichen bis zu 500.000) in der Stadt aufhielten; hinzu kamen noch tausende Evakuierte aus anderen Landesteilen. Wegen dieser Unklarheiten hielten sich Historiker auch bis Ende der 1980er Jahre weitgehend mit genauen Zahlenangaben zurück. Das sei an drei Beispielen der bundesdeutschen Geschichtsdarstellung aus dem Jahr 1988 illustriert. In der Chronik des Jahres 1945, herausgegeben vom Dortmunder Harenberg Verlag, hieß es: «Die Schätzungen belaufen sich auf 60.000 bis 245.000 Tote». In seinem Werk Geschichte des Zweiten Weltkriegs schrieb Mathias Färber von «einer Feuerhölle, in der nach zuverlässigen Ermittlungen etwa 100.000 Menschen ums Leben kamen». Und in der Chronik der Menschheit ist die Rede von «mindestens 60.000 Menschen. Schätzungen reichen sogar bis zu 245.000 Opfern». Amerikanische B-17-Bomber, bekannt als fliegende Festungen. Foto: U.S. Air Force Der Blick vom Rathaus lässt das Inferno von Dresden erahnen. Foto: picture alliance / ZB Die Opferzahl von 25.000 zu bezweifeln, ist heutzutage schon fast ein strafbares Delikt. 61

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