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COMPACT-Magazin 04-2017

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Kalifat BRD Feindliche Übernahme durch Erdogan und Co.

Osmanische

Osmanische Armee-Fraktion _ von Marc Dassen 20 Fette Knarren, polierte Karren, dicke Goldketten: Ein Boxclub greift nach der Macht auf deutschen Straßen, liefert sich Revierkämpfe mit etablierten Rockerbanden des Milieus. Was wollen Erdogans Unterweltsoldaten wirklich? Das LKA NRW versucht seit Langem, der Bedrohungslage durch Rocker und sogenannte rockerähnliche Gruppierungen Herr zu werden. Ein Fahndungsteam mit dem Schwerpunkt Rockerkriminalität – interne Bezeichnung: Projekt 124 – soll’s richten. Foto: picture alliance / dpa «Wir wollen nur die Kaputten haben.» Vize-Präsident Selcuk Sahin Mitte April 2016: Spezialeinsatzkommandos rücken an, um Objekte in Essen, Dinslaken, Düsseldorf, Solingen und Kerpen zu durchsuchen, sieben Personen werden festgenommen. Es handelt sich um Mitglieder einer Gruppierung, die sich durch ihre schwarzen Lederwesten – auch Kutten genannt – und das darauf angebrachte Wappen auszeichnen: Ein vermummter Totenkopf mit Kriegsbehelmung, eingerahmt von dem rot-weißen Schriftzug «Osmanen Germania B.C.» Darunter steht «Kana Kan», was so viel heißt wie «Blut gegen Blut». Etwa 40 sogenannte Chapter – also Stützpunkte – des Clubs soll es laut ZDF mittlerweile zwischen Aachen und Berlin geben, denen rund 2.500 Mann angehören, weltweit sind es 1.000 mehr. Damit ist die Türken-Vereinigung, die erst Ende 2014 gegründet wurde, die derzeit am schnellsten wachsende Organisationsstruktur im Böse-Buben- Milieu auf deutschem Boden, wobei sie – so die niedersächsische Landesregierung – die Hells Angels in vielerlei Hinsicht zwar imitiert, aber «nach eigenem Bekunden (....) kein Interesse am Motorradfahren» hat. Vielmehr fallen die Osmanen immer wieder durch Gewalttaten auf. Neben der üblichen Geschichten – Drogen, Erpressung, Rotlicht – sticht die politische Komponente ins Auge. Das badenwürttembergische Landeskriminalamt (LKA) erklärt in einem vertraulichen Lagebericht, der dem Spiegel vorliegt: Die Osmanen Germania und die verfeindete kurdische Bahoz-Gang trügen «den aktuell in der Türkei stattfindenden politischen Kampf auch in Deutschland aus». Mit «exzessiver Gewalt» und dem Einsatz «scharfer Schusswaffen» sei zu rechnen. In Saarbrücken flog bereits eine Handgranate gegen eine Shisha-Bar der Kurden. Wohltäter oder Gewalttäter? Wenn man dem Gründer und «Weltpräsidenten» Mehmet Bagci – mehrfacher Kickbox-Champion – und seinem ebenfalls sehr muskulösen und tätowierten Vize Selcuk Sahin glauben schenkt, dann haben Polizei und Medien die Truppe bisher völlig missverstanden. Das martialische Auftreten, die langen Vorstrafenregister vieler Mitglieder, die blutrünstige Symbolik sowie die Art der Selbstvermarktung hätten rein gar nichts zu bedeuten, seien nur Show. Bagci wörtlich: «Uns geht es darum, Jugendliche, die auf die schiefe Bahn gerutscht sind, von der Straße zu holen, ihnen eine Familie zu geben.» Und weiter: «Mit Rotlicht und Nachtleben haben wir nichts zu tun!» Eine interessante Ergänzung

COMPACT Titelthema dazu warf seine rechte Hand im ZDF-Interview ein: «Fakt ist, die Normalen wollen wir nicht. Wir wollen nur die Kaputten haben, die wollen wir auch erreichen, weil die brauchen die Hilfe.» Konträr zu dieser Sankt-Martin-Fassade berichtete die Hannoversche Allgemeine Anfang letzten Jahres: «Die Rockergruppe Osmanen Germania drängt mehr und mehr in die Rotlichtbezirke vor, es drohen blutige Revierkämpfe mit etablierten Gruppierungen wie den Hells Angels und den Mongols.» Alles Panikmache? Der Chef des Berliner Chapters – Spitzname «Tiger» – erklärte im Vice-Interview empört: «Wir sind ein Boxclub. Bei uns geht es um Sport, um nichts anderes.» «Osmanen Germania – wir kommen und übernehmen das ganze Land.» Video der Osmanen Die Quelle der Verunsicherung ist schnell ausgemacht, schaut man sich die selbst angefertigten PR-Videos an, die neue Rekruten anlocken sollen. «Osmanen Germania – wir kommen und übernehmen das ganze Land», grollt eine tiefe Stimme am Anfang des Präsentationsfilmchens, das die türkischen Boxer 2015 ins Internet stellten. Hier zu sehen: vermummte Schlägertruppen, tätowierte Muskelberge, Schusswaffen und Sportwagen, noch mehr Muskeln und praktisch jede Form von brutaler Gewaltverherrlichung, die man aus dem Rap- und Gangster-Milieu gewohnt ist. Eine Geisel wird mit einer Kettensäge gefoltert. Die Rede ist von Männern, die «bis zu ihrem letzten Tropfen Blut für ihre Brüder auf dem Schlachtfeld stehen», von «Kriegern, die keine Angst haben, für ihre Männer eine Kugel zu fangen». Die Türken werden in Rap-Texten des Clubs als «Gotteskrieger» und «Königsrasse» bejubelt. Erdogans starker Arm Die Bild-Zeitung schrieb Ende 2015, dass die Osmanen «einen Pakt mit den Hells Angels Nomads in der Türkei um Necati ”Neco” Arabaci (43) geschlossen», sich also mit den Migranten-Rockern gegen «die deutschen Altrocker» verbündet hätten. Offensichtlich ist auch, dass die Pseudo-Rocker eine türkisch-nationalistische politische Agenda und die Politik Erdogans in Deutschland vertreten. Beim LKA Bremen warnt man, es gebe «sehr ernstzunehmende Hinweise, dass sie Verbindungen in den Bereich der organisierten Kriminalität, aber auch zum türkischen Geheimdienst [MIT] haben». Der MIT – von Bild als «Erdogans Stasi» tituliert, verfügt über rund 6.000 Spitzel in der BRD. Schon im September 2015 traten die muskelbepackten Ritter des Osmanentums auf einer Demonstration von Erdogan-Anhängern in Mannheim auf – und zwar als Sicherheitsdienst. Ähnliche Fälle, in denen sich die kampferprobten Clubmitglieder als Phalanx der türkischen Regierungspartei AKP gerierten, gab es seither immer wieder. So sicherte man die von etwa 30.000 Landsmännern besuchte Pro- Erdogan-Demonstration in Köln im Juli 2016, wie die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen in ihrem aktuellen Buch Der Fall Erdogan – Wie uns Merkel an einen Autokraten verkauft schildert. Und als im August, kurz nach dem Putschversuch in der Türkei, 1.500 Anhänger Erdogans in Frankfurt aufmarschierten, «war laut Polizei auch der Präsident der Osmanen Germania dabei», schreibt die Westdeutsche Allgemeine. Die Feindschaft gegenüber Deutschen wird unter Osmanen offen zelebriert. Der Rapper Cemo R. alias Ramzi machte den Einheimischen in seinem Video schon vor Jahren eine klare Ansage: «Deutscher, gehst du in die Diskothek – Osmanen machen jetzt die Tür – boxen Dich so wie der Cassius Clay – Frontalangriff, hast Du jetzt kapiert?» Immer wieder Razzien Anfang November 2016: Die Bundespolizei muss in Regimentsstärke ausrücken, um Razzien in verschiedenen Clubhäusern durchführen zu können. 1.500 Beamte durchsuchen über 50 Wohnungen in mehreren Bundesländern, beschlagnahmen dabei nicht nur 53.000 Euro in bar, sondern auch «Waffen, Munition und Drogen», wie Der Spiegel berichtete. Ende Januar 2017: Wegen schweren Raubes muss ein 25-jähriges Mitglied der Osmanen bosnischer Herkunft in Untersuchungshaft. Mitte Februar 2017 dann der nächste Schlag: Im Raum Mannheim wird ein türkischer Top- Funktionär der Osmanen von der Polizei geweckt. Sichergestellt werden konnten dabei «rund 1,8 Kilogramm Marihuana, über 50 Gramm Kokain sowie eine vierstellige Summe Dealergeld», heißt es in der Waiblinger Kreiszeitung. Oben: Der Präsident der Osmanen Germania Mehmet Bagci. Unten: Gruppenbild der Wohltäter. Fotos: Screenshot ZDF Schon wenn die Osmanen lediglich eine aktive Verbindung von Migranten wären, die sich «Marktanteile sichern wollen an den illegalen Geschäften der Rocker», wie der nordrhein-westfälische Kriminaldirektor Dietmar Kneib Mitte Februar 2016 erklärte, wäre die Bedrohung für den deutschen Rechtsstaat enorm. Die rasche Metastasierung solcher Gangs in NRW veranlasste jedenfalls Gregor Golland, Sicherheitsexperte der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag, Anfang 2016 zu der Aussage, «dass der Innenminister [Ralf Jäger, SPD] die Rockergruppen betreffende Lage überhaupt nicht mehr im Griff hat». Und weiter: «Bei der inneren Sicherheit in unserem Bundesland brennt es an allen Ecken und Enden.» 21

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