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COMPACT-Magazin 04-2017

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Kalifat BRD Feindliche Übernahme durch Erdogan und Co.

18 Millionen Arbeitslose

18 Millionen Arbeitslose _ von Tino Perlick 40 Automatisierung 2.0: Wurden bisher vor allem Routinetätigkeiten durch Maschinen übernommen, werden jetzt auch Jobs in Büro und Verwaltung mit Robotern besetzt. Das Ende der Arbeit, wie wir sie kennen, trifft den Hochtechnologiestandort Deutschland ins Mark. Die Bezeichnung Roboter stammt aus dem Tschechischen und bedeutet in etwa Frondienst. Foto: Screenshot, Twentieth Century Fox Eine Playstation 3 konnte bereits 2005 so viel leisten wie der weltweit schnellste Supercomputer 1995. Wenn der eigene Untergang beklatscht wird, ist Angela Merkel meist nicht weit entfernt. So auch beim biederen Festakt zum 100-jährigen Bestehen des sogenannten Landkreistags am 8. September 2016 in Berlin. Artig bedankte sich die Kanzlerin bei den geladenen Vertretern aus Gemeinden und Landkreisen für die Aufnahme hunderttausender Asylforderer im Jahr zuvor. Dann wandte sie sich einem weiteren Untergangsszenario zu – dem der Arbeit, wie wir sie kennen: «Ich möchte wirklich nicht, dass wir eines Tages im digitalen Bereich eine Art – in Anführungszeichen – Entwicklungsland» werden. Deswegen müsse dafür gesorgt werden, «dass wir beim E-Government schnell vorankommen und in Europa nicht zu den Letzten gehören». E-Government bedeutet die elektronische Abwicklung der öffentlichen Verwaltung und Regierung – der Bürger soll nicht mehr mit Sachbearbeitern aus Fleisch und Blut kommunizieren, sondern mit Telefonrobotern und per Internet – und wurde 2013 vom Bundestag per Gesetz beschlossen. Ein 2015 erschienenes Perspektivpapier der Unternehmensberatung McKinsey verspricht: «Der Aufbau von überzeugenden E-Government-Angeboten kostet viel Geld, rechnet sich aber in wenigen Jahren.» Und wie! Forschungsergebnissen der britischen Denkfabrik Reform zufolge könnte die Automatisierung des Öffentlichen Dienstes im Vereinigten Königreich in den kommenden 15 Jahren eine Viertel Million Angestellten den Arbeitsplatz kosten. Das zweite Maschinenzeitalter «Die industrielle Revolution läutete das erste Maschinenzeitalter der Menschheit ein», schreiben die US-Wirtschaftswissenschaftler Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee in ihrem 2014 erschienenem Buch The Second Machine Age. «In diese Zeit fallen die am tiefsten greifenden Umwälzungen, die die Welt je erlebt hat. (…) Nun bricht das zweite Maschinenzeitalter an.» Schon längst haben Computerprogramme und Maschinen Arbeiter und Angestellte ersetzt – meist jedoch bei Routinetätigkeiten. Aufgabenprofile mit der Fähigkeit, Muster zu erkennen, sind Menschen vorbehalten geblieben – bislang. Galt das Führen eines Fahrzeugs im Straßenverkehr noch vor weniger als zwanzig Jahren als Paradebeispiel einer für Maschinen nie erlernbaren Fähigkeit, werden selbstfahrende Autos heute Realität. Durch Künst-

COMPACT Politik liche Intelligenz ließen Forscher der Universität Lausanne schon Querschnittsgelähmte ihre Rollstühle durch Gedanken steuern. Und winzige, mit digitalen Sensoren und hoch entwickelten Algorithmen ausgestattete Computer können Sehbehinderten ihre Umgebung sozusagen vorlesen. «Objektiv betrachtet grenzen solche Entwicklungen an Wunder», fassen Brynjolfsson und McAfee zusammen. «Dabei stecken sie noch in den Kinderschuhen.» Die Veränderungen greifen tief in unser Alltagsleben ein. Der Online-Versandhändler Amazon hat sich vorgenommen, die Post- und Paketdienstleistung an sich zu reißen. Paketauslieferungsdrohnen sollen die Bestellungen der Kunden in Zukunft an die Haustür liefern – erste Tests sind schon gelungen. In den USA setzt Walmart bereits unbemannte Kleinflugzeuge zur Überwachung im Innern seiner riesigen Supermärkte ein, und der Paketdienstleister UPS stellte im Februar erstmals im US-Bundesstaat Florida ein Paket durch eine Drohne zu. Auch die Deutsche Post DHL hält mit. Im Frühjahr 2016 erprobte der Konzern drei Monate lang erfolgreich die Zustellung mit Paketdrohnen in Oberbayern. 2,2 Millionen Beschäftigte arbeiten in Deutschland in der Paketzustellung als Kurier oder bedienen in der Lagerwirtschaft Verpackungs- oder Etikettiermaschinen. Was steckt hinter dieser Revolution? Gordon Moore, Mitbegründer des heute führenden Mikroprozessorherstellers Intel, stellte im Jahre 1965 fest, dass sich die für einen Dollar erwerbbare Rechenleistung jedes Jahr verdoppelt hatte. Aufgrund des exponentiellen Wachstums konnte die Spielkonsole Playstation 3 im Jahr 2005 so viel leisten wie der weltweit schnellste (und riesengroße) Supercomputer zehn Jahre zuvor. Wir leben «in einer Zeit, in der alles, was früher war, kein sehr verlässlicher Indikator mehr dafür ist, was als nächstes passiert», erläutern Brynjolfsson und McAfee die Entfesselung der Möglichkeiten. Meine Sekretärin, der Roboter Das Schicksal des Fotokonzerns Kodak zeigt, wo die Reise hingehen könnte. 1988 beschäftigte das US-Unternehmen weltweit 145.300 Menschen – indirekt waren es noch viele Tausende mehr. Die Digitalfoto-App Instagram wurde hingegen von nur 15 Menschen entwickelt und 2012 für mehr als eine Milliarde US-Dollar an Facebook verkauft. Das Zuckerberg-Imperium beschäftigte damals weltweit nur rund 4.600 Mitarbeiter. Kodak meldete im selben Jahr Konkurs an. den 30,9 Millionen sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten, die in der Untersuchung berücksichtigt werden, könnten 18 Millionen Menschen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten durch Maschinen und Software ersetzt werden. Laut der Studie unterliegen «administrative Tätigkeiten wie Sekretäre oder Sachbearbeiter dem höchsten Risiko (86 Prozent), gefolgt von Hilfsarbeitskräften (85 Prozent). Mechaniker, Fahrzeugführer und Maschinenbediener folgen mit 69-prozentiger Wahrscheinlichkeit.» Bill Gates fordert zum Ausgleich eine Roboter-Steuer. Der Robotiker Hans Moravec stellte in den 1980er Jahren fest, «dass es vergleichsweise einfach ist, Computer mit der Leistungsfähigkeit von Erwachsenen Mathematikaufgaben lösen, Intelligenztests bewältigen oder Schach spielen zu lassen, dass es hingegen schwer oder unmöglich ist, sie in Hinblick auf Wahrnehmung und Bewegung mit den Fertigkeiten eines einjährigen Kindes auszustatten.» Da Roboter sensomotorische Fähigkeiten inzwischen jedoch immer besser meistern, stehen heute die Existenzen Hunderttausender Industriearbeiter auf dem Spiel. Brynjolfsson und McAfee beschreiben die Vorzüge des 2012 vom Bostoner Unternehmen Rethink Robotics vorgestellten humanoiden Industrieroboters Baxter so: «Er kann jeden Tag rund um die Uhr arbeiten und braucht weder Schlaf noch Mittags- oder Kaffeepausen. Er verlangt auch Die Roboter sind da Setzt Ihr Unternehmen Industrie- 4.0-Awendungen ein bzw. plant oder diskutiert dies?. 19 19 22 Bereits im Einsatz Geplant Diskutiert Kein Thema/keine strategische Bedeutung Quelle: Umfrage Bitkom Research 2015 Grafik: COMPACT 39 Chefs Liebling: Dieser Mitarbeiter verlangt weder Mindestlohn noch Urlaub. Foto: Steve Jurvetson, CC BY 2.0, flickr.com Volkswirte der Bank ING-Diba haben vor zwei Jahren berechnet, dass die Auswirkungen des technologischen Wandels in Deutschland mittel-und langfristig 59 Prozent aller Stellen bedrohen. Von 41

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