Aufrufe
vor 8 Monaten

COMPACT-Magazin 05-2016

  • Text
  • Compact
  • Deutschland
  • Menschen
  • Deutschen
  • Christen
  • Muslime
  • Welt
  • Politik
  • Deutsche
  • Zeit

COMPACT

COMPACT Titelthema «Islamofaschismus» Der Begriff hat eine seltsame Karriere gemacht: Zuerst wurde er von der Bush-Administration nach dem 11. September 2001 verwendet und meinte den Islam insgesamt. Als solcher wird er auch heute noch von rechten Politikern wie Geert Wilders gebraucht. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass ein Teil der Muslime aufopferungsvoll gegen al-Qaida-Ableger und den IS kämpfen, vor allem Schiiten, Alawiten und Kurden. So hat die vom Iran geförderte Hisbollah- Miliz erwiesenermaßen christliche Dörfer in Syrien unter Lebensgefahr verteidigt, in der Regierung von Baschar al-Assad gibt es seit Langem christliche Minister (wie auch im Irak unter Saddam Hussein). Unabhängig davon, wie man den Koran insgesamt bewertet, sind es derzeit ausschließlich sunnitische Strömungen, die Andersgläubige – auch dissidente Muslime – mit dem Tod bedrohen und die Eroberung Europas propagieren: Wahhabiten, Salafisten, Moslembrüder, ganz offen unterstützt von ihren Glaubensbrüdern in Saudi-Arabien, den Golfstaaten und der Türkei. Nur auf diese gemünzt trifft der Terminus «Islamofaschismus» genau genommen zu. Was die Sache brisant macht: Jene Regime gehören allesamt zu den wichtigsten Verbündeten der USA. Kein Wunder, dass man aus Washington den Begriff «Islamofaschismus» seit einigen Jahren nicht mehr hört. Brennende Kirchen Doch einem stetig wachsenden Teil der Moslems in Deutschland genügt auch das inzwischen nicht mehr. Ihnen gelten Christen und die christlich geprägte Gesellschaft als Feinde, die auch offensiv bekämpft werden müssen. So häufen sich in den letzten Jahren die Kirchenbrände. Am 30. Juli 2013 ging die evangelische Willehadi Kirche im niedersächsischen Garbsen in Flammen auf. In verdruckster politischer Korrektheit berichtete die Neue Presse Hannover von «jungen Männern» unter den Schaulustigen am Brandort, «die eine Art Partystimmung verbreiten und alles andere als traurig über die brennende Kirche sind». Am 5. Oktober 2014 zündeten Unbekannte die koptisch-orthodoxe Kirche in Berlin-Lichtenberg an. Der zuständige Bischoff Anba Damian sagte der evangelischen Nachrichtenagentur Idea, «dass ihn zuvor wiederholt arabisch sprechende Personen eines nahegelegenen Flüchtlingsheims wegen seines Glaubens beleidigt hätten». «Ich bin Moslem! Was seid Ihr?» Besonders bedrückend für die betroffenen Christen ist das demonstrative Schweigen von Politik und Amtskirchen. Nach der Brandschatzung in Garbsen war der Dachverband der evangelischen Kirchen EKD nicht einmal zu einer Presseerklärung bereit. An der Ruine des Sakralbaus lehnte dagegen ein Schild mit der Aufschrift: «Garbsen ist Multikulti and I love it.» Angesichts dieses Wegduckens riss Kritikern der Geduldsfaden. «Bei aller Sorge um das gesellschaftliche Miteinander darf man nicht die Augen vor einem Aufkeimen der Gewalt und des Rowdytums unter Jugendlichen ”mit Migrationshintergrund” verschließen», schrieben Idea und das katholische Nachrichtenportal kath.net in einem gemeinsamen Kommentar. Die Flammen von Garbsen, Berlin-Lichtenberg und anderswo waren nur der Auftakt. Im September 2014 patrouillierten Salafisten als «Scharia-Polizei» durch die Straßen von Wuppertal. Einen Teil der Stadt hatten sie zuvor durch Markierungen zur «Shariah Controlled Zone» erklärt. «Diese Personen wollen bewusst provozieren und einschüchtern und uns ihre Ideologie aufzwingen», warnte Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung (CDU). Der Kopf der selbsternannten Sittenwächter, der Konvertit Sven Lau alias Abu Adam, räumte später ein, Ziel der Aktion sei eine Diskussion über islamische Gesetzgebung in Deutschland gewesen. Aus Sicht einiger von Laus Glaubensbrüdern scheint die Zeit für Diskussionen jedoch mittlerweile beendet zu sein. Längst sind Übergriffe auch auf der Straße zu beklagen. Am 26. Dezember 2015 bedrängte nach Polizeiangaben ein Mann mehrere Partygänger in Berlin mit den Worten «Ich bin Moslem! Was seid Ihr?» Anschließend «sollen weitere Personen hinzugekommen sein und gemeinsam mit dem Unbekannten auf die vier im Alter von 20, 24 und 25 Jahre alten Männer eingeschlagen haben», heißt es im Lagebericht der Ordnungshüter. Der Überfall ereignete sich nicht einmal in einem der berüchtigten Problemviertel der Hauptstadt, sondern vor einer Nobeldisco am Potsdamer Platz. Dort war den Opfern – orthodoxen Christen aus Serbien und Montenegro – von den Tätern beim Besuch einer Balkanparty aufgelauert worden. Brandschatzung einer Kirche in Lahore/Pakistan, März 2013. Als Vorwand nahm der Mob, dass sich ein Christ blasphemisch über Mohammed geäußert habe. In Lahore leben die meisten Christen in Pakistan. Der Druck auf sie hat sich in dem streng islamischen Land verstärkt. Foto: Reuters 14 _ Martin Müller-Mertens ist Chef vom Dienst bei COMPACT-Magazin. Federico Bischoff ist Katholik und lebt im Tessin.

COMPACT Titelthema Die Unterwerfung _ von Nils Röcke Während der Terror gegen Christen immer stärker auf Europa übergreift, halten unsere Kirchenvertreter bevorzugt noch die andere Wange hin. Von der Promille-Theologin Käßmann bis zum Wohlfühl-Papst Franziskus kommen Worte und Gesten der Unterwürfigkeit gegenüber Terroristen und Islamisten. Ausgerechnet am 7. Januar 2015, dem Erstverkaufstag von Michel Houellebecqs Roman Unterwerfung, begingen Islamisten die kaltblütigen Morde an den Redaktionsmitgliedern der Satirezeitschrift Charlie Hebdo – in ihren Augen eine gerechte Strafe für die Beleidigung ihres Propheten. Unterwerfung beschreibt ein Frankreich unter der Scharia im Jahre 2022 – also in einer nicht allzu fernen Zukunft. Der Übergang zur neuen Ordnung wurde nicht mit Gewalt erzwungen, sondern geschah freiwillig: Bei den Parlamentswahlen hatte sich, mit Unterstützung aller anderen Parteien, ein muslimischer Kandidat gegen die ach so böse Marine Le Pen durchgesetzt. Masochistische Feindesliebe hatte zur Selbstzerstörung der eigenen Identität geführt. Europa wird, so Houellebeqs düstere Vision, wegen seines maßlosen Liberalismus untergehen – keine unwahrscheinliche Dystopie, denn vor dem realen Gewaltpotenzial radikalisierter Islamisten, die ihre Legitimation einzig aus dem Koran ableiten, verschließen europäische Führer weiterhin die Augen. So wie Angela Merkel, Vorsitzende einer dem Namen nach eigentlich christlichen Partei, die bei den Attentätern von Paris Mitte November von «gottlosen Terroristen» sprach – wohlwissend, dass im Gegenteil religiöser Wahn Grundlage und Motivation ihrer Taten war. Knapp zwei Monate zuvor, Anfang September 2015, hatte die Bundeskanzlerin bereits ihr gefährliches Missverstehen unserer Bedrohungssituation zur Schau gestellt. Bei einer Veranstaltung der Universität Bern stellte eine Frau die Frage, wie die deutsche Regierungschefin Europa und die europäische Kultur vor einer allmählichen Islamisierung bewahren wolle. Daraufhin nannte Merkel nicht etwa mögliche Schutzmaßnahmen (kein Wunder, da sie ja ohnedies der Überzeugung ist, der Islam gehöre zu Deutschland), sondern empfahl ein Ausweichen vor der Konfrontation: Besorgte Bürger müssten eben «mal wieder in den Gottesdienst» gehen, ein «bisschen bibelfest» werden oder «ein Bild in der Kirche noch erklären» können. Als ob sich Terrorismus wegbeten ließe, als ob wir Islamisten damit beeindrucken könnten, wie bibelfest wir sind… Noch irritierender als die Äußerungen der erkennbar glaubensfernen Pfarrerstochter Merkel sind jene hoher kirchlicher Würdenträger, die es eigentlich besser wissen müssten. So ergriff Papst Franziskus – ausgerechnet am Gründonnerstag, ausgerechnet zwei Tage nach dem Blutbad in Brüssel – die Gelegenheit, in einem Asylheim bei Castelnuovo di Porto einem Dutzend Asylbewerbern in einer pompösen Zeremonie zuerst die Füße zu waschen und diese dann zu küssen. Unter den auf diese Weise Verwöhnten waren auch vier Muslime – obwohl in Franziskus‘ eigenem Dekret zu dieser Zeremonie daran festgehalten wurde, dass nur das «Gottesvolk» in den Genuss dieses Rituals kommen solle. Gehören für den Papst jetzt auch Mohammedaner dazu? Die ehemalige Hannoversche Landesbischöfin und evangelische Theologin Margot Käßmann reagierte auf den Terror in der belgischen Hauptstadt mit dem Einwurf, dass «wir versuchen sollten, den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen». Ihr Nachfolger im EKD-Ratsvorsitz, Heinrich Bedford-Strohm, ergänzte, Christen sollten «die Angst überwinden und mit Kraft, Liebe und Besonnenheit reagieren». Und wo bleibt der «heilige Zorn», den man in der Bibel nicht nur im Alten Testament findet? Es sind solche Unterwerfungsgesten, die das Christentum wehrlos machen. Wenn die eigenen Werte für wichtig und richtig gehalten werden, dürfen sie nicht auf dem Altar einer falsch verstandenen Liberalität geopfert werden. Unterwerfungsgeste: Papst Franziskus wäscht und küsst muslimischen Flüchtlingen die Füße (Gründonnerstag 2016). Foto: L‘Osservatore Romano/EPA Bild oben: Zerstörte Kirche im indischen Bundesstaat Orissa (2009). Foto: kirche-in-not.de «Den Terroristen mit Beten und Liebe begegnen.» Margot Käßmann Nils Röcke (Pseudonym eines Medieninsiders) berichtete in COMPACT 3/2016 «Aus dem Logbuch der Gleichschaltung». 15

© COMPACT-Magazin GmbH 2016 Alle Rechte vorbehalten

   Mediadaten  /  Datenschutz  /  Impressum  /  Kommentarregeln  /  Nutzungsbedingungen  /  Widerruf