Aufrufe
vor 9 Monaten

COMPACT-Magazin 05-2016

  • Text
  • Compact
  • Deutschland
  • Menschen
  • Deutschen
  • Christen
  • Muslime
  • Welt
  • Politik
  • Deutsche
  • Zeit

COMPACT

COMPACT Titelthema «Hat nichts mit dem Islam zu tun» _ von Adrian F. Lauber Mit diesem Satzbaustein melden sich nach jedem Terroranschlag die professionellen Gesundbeter zu Wort. Nur eine Minderheit der Muslime befürworte Gewalt zur Durchsetzung ihrer Religion, so wird behauptet. Doch Umfragen zeigen, dass zur Verharmlosung und Selbstberuhigung kein Anlass besteht. ■■16 Prozent der Bevölkerung Frankreichs stehen hinter dem IS. Unter jungen Leuten zwischen 18 und 24 Jahren sympathisieren sogar 27 Prozent mit den Kopfab-Milizen. (Newsweek, August 2014) ■■ Der arabische Fernsehsender al-Dschasira wollte im Mai 2015 von seinen Zuschauern in aller Welt wissen, wie sie zum IS stehen. Man lese und staune: 81 Prozent der Befragten äußerten sich positiv. ■■ Laut einer vom Arab Center for Research and Policy Studies im November 2014 veröffentlichten Erhebung sind 13 Prozent der befragten syrischen Flüchtlinge mehr oder weniger starke Sympathisanten der Terrorgruppe. ■■ Das Center for Security Policy hat im Juni 2015 eine Umfrage publiziert, wonach 25 Prozent der in den USA lebenden Muslime Gewaltanwendung befürworten, wenn jemand den Islam beleidigt, zum Beispiel indem er eine Karikatur von Mohammed zeichnet. 16 «Bild» und «B.Z.» haben sich der Sprache der Invasoren bereits angepasst. Foto: Bild Frühe Warnungen «Fundamentalismus auf dem Vormarsch: Laut einer Studie des Bundesinnenministeriums sind 40 Prozent aller in Deutschland lebenden Muslime fundamental orientiert. (…) Zwölf Prozent der Muslime in Deutschland identifizierten sich mit einer stark religiös-moralischen Kritik an westlichen Gesellschaften, kombiniert mit der Befürwortung von Körperstrafen bis hin zur Todesstrafe.» (spiegel.de, 20.12.2007) _ Adrian F. Lauber lebt als Student und Publizist in Berlin. Doppelt so viele britische Muslime kämpfen heute für den Islamischen Staat (IS) wie für die Armee des Vereinigten Königreichs, meldete Newsweek im März 2016. Kürzlich gab es viel Wirbel um eine Petition gegen Donald Trump. Die Unterzeichner wollten nicht, dass der US-Politiker einreisen darf und für seine Sache wirbt. Man bedenke: Das ist dasselbe Land, in dessen Hauptstadt Muslime mit IS-Fahnen und mit Parolen wie «Enthaupte die, die den Islam beleidigen» unbehelligt durch die Straßen ziehen. Ich frage mich: Wenn Trump zum Islam konvertieren würde, dürfte er dann in London sprechen? Wäre dann alles in Ordnung, gleichgültig was er sagt – auch wenn er die Ermordung seiner Kritiker fordern würde? Die harten Fakten Sind das nur Momentaufnahmen? Die nackten Zahlen zeigen, wie stark die Unterstützerszene der Dschihadisten in den westlichen Ländern angewachsen ist. ■■ Die BBC hat im Februar 2015 eine Statistik veröffentlicht, wonach 27 Prozent der in Großbritannien lebenden Muslime für die Terroristen Verständnis haben, die die Mitarbeiter von Charlie Hebdo ermordet hatten. ■ ■«Rund ein Viertel der in Deutschland lebenden Muslime ist zu Gewalttaten gegen Andersgläubige bereit. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Innenminister Schäuble in Auftrag gegeben hat», meldete die Süddeutsche Zeitung schon im Mai 2010. Zwei Jahre später ergab eine Befragung, wiederum durch das Bundesinnenministerium, ein ähnliches Bild: 24 Prozent der nichtdeutschen und 15 Prozent der deutschen Muslime seien «streng Religiöse mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz». (derwesten.de, 1.3.2012) Rund ein Viertel der Muslime in Deutschland ist gewaltbereit. Wo sind die Muslime, die lautstark Position für die Meinungsfreiheit beziehen, wenn Fanatiker öffentlich Mohammed-Karikaturen verbrennen und die Zeichner lynchen wollen? Es gibt sie. Es gibt mutige Intellektuelle wie Ayaan Hrsi Ali, Hamed Abdel-Samad, Necla Kelek oder Bassam Tibi, die genau wissen, dass die islamische Kultur eigentlich einer Reformation bedürfte, um ihren destruktiven Zug zu beenden. Aber ihre Stimmen gehen im Geschrei der anderen unter. Außerdem fallen ihnen Pseudo-Linke und Pseudo-Liberale in den Rücken, indem sie den nicht säkularisierten Islam verniedlichen und verharmlosen und alle, die sich dagegen wehren wollen, mit Neonazis, Pauschal- Muslim-Hassern und Rassisten in einen Topf werfen.

COMPACT Titelthema «Wir verharmlosen die faschistische Ideologie des Islam» _ Interview mit Imad Karim Als 19-jähriger Student floh er 1977 vor dem Bürgerkrieg im Libanon in die Bundesrepublik. Bei uns lernte er den Fernsehjournalismus von der Pike auf und wurde mit Preisen überhäuft. Imad Karim kommt aus einer nominell muslimischen Familie, versteht sich aber als Agnostiker – und kennt die Parallelgesellschaften, die unser Land zerstören. Viele Ihrer Filme sind regelrechte Plädoyers für das Recht auf Asyl. Wie sehen Sie die aktuelle Migrationswelle? Diese Immigration ist ein Krieg, der mit Kinderaugen geführt wird. Das wird nicht gut ausgehen, so wie noch nie ein Krieg gut ausgegangen ist. Diese Zuwanderung von Millionen Menschen hilft ja niemandem. Wir belohnen nur diejenigen, die sich die Schlepper leisten können. Ich war vor ein paar Monaten in Syriens Nachbarländern: dem Libanon, Jordanien und der Türkei. Die syrischen Flüchtlinge, die dort seit drei, vier Jahren leben, verkaufen alles und machen sich auf den Weg nach Deutschland. Warum? Ihr Argument ist eine sichere Zukunft und vor allem wirtschaftliche Sicherheit. Starke Gründe sind, dass hier jeder seine Kinder kostenlos zur Schule schicken und sich medizinisch behandeln lassen kann und noch dazu eine Grundsicherung erhält. In meinen Recherchen ist genauestens dokumentiert, dass richtige und vermeintliche Syrer jeden Monat mehrere Millionen Euro Sozialhilfe von Deutschland aus in ihre Heimatländer überweisen. Dass diese Zuwanderer wirklich verfolgten Menschen den Platz wegnehmen, interessiert unsere Entscheidungsträger nicht. Kennen Sie solche Verfolgten? Natürlich. In Köln interviewte ich vor drei Wochen eine junge Frau aus Saudi-Arabien. Sie flüchtete nach Deutschland, weil ihre Eltern und die dortigen Sicherheitsorgane herausfanden, dass sie Atheistin ist. Die Frau ist noch nicht ein Jahr in Deutschland, aber spricht schon die Sprache, kennt die deutsche Geschichte und Gegenwart. Doch über ihren Asylantrag wurde bis jetzt nicht entschieden. Stattdessen ist sie gezwungen, eine Halle mit hunderten von Muslimen zu teilen, die diese jeden Morgen in eine Moschee verwandeln und darauf Mit Preisen überhäuft: Filmemacher Imad Karim. Foto: Privat «Islam und Integration werden sich nie treffen.» Imad Karim 70 Tote waren bei einem Bombenanschlag in Lahore/Pakistan am Ostersonntag 2016 zu beklagen, darunter über 30 Christen. Foto: Reuters 17

© COMPACT-Magazin GmbH 2016 Alle Rechte vorbehalten

   Mediadaten  /  Datenschutz  /  Impressum  /  Kommentarregeln  /  Nutzungsbedingungen  /  Widerruf