Aufrufe
vor 9 Monaten

COMPACT-Magazin 05-2016

  • Text
  • Compact
  • Deutschland
  • Menschen
  • Deutschen
  • Christen
  • Muslime
  • Welt
  • Politik
  • Deutsche
  • Zeit

COMPACT

COMPACT Politik 30 Am Eisenbahnübergang von Idomeni muss die mazedonische Polizei immer wieder Sturmangriffe mit Tränengas abwehren. Foto: picture alliance/AP Photo Dieses Flugblatt des sogenannten Kommandos Norbert Blüm zeigt die vorgegebene Fluchtroute und gibt Handlungsanweisungen zur Grenzstürmung. Quelle: protothema.gr _Marc Dassen ist Redakteur bei COMPACT. In Ausgabe 4/2015 schrieb er über die Manipulationsstrategien der westlichen Massenmedien im Syrien-Krieg. men. Mazedonische Beamte nahmen Dutzende dieser Voyeure und Instrukteure wegen Mittäterschaft kurzzeitig in Gewahrsam. Darunter war laut österreichischem Außenministerium auch die Wiener Aktivistin Fanny Müller-Uri, die der Partei Die Grünen nahesteht und auf ihrem Twitter-Account die Botschaften einschlägiger Gruppen verbreitet. «Flüchtlings-Exodus war offenbar organisierte Aktion». FAZ Drahtzieher der fatalen PR-Aktion war offenbar eine deutsche Fluchthelfer-Truppe, die zum Ärger der Behörden zuvor eifrig Flugblätter in arabischer Sprache im griechischen Grenzgebiet bei Idomeni verteilt hatte. Unterschrieben war das Pamphlet mit «Kommando Norbert Blüm». Die Wartenden – knapp 10.000 Menschen – sollten durch diesen Aufruf zum Sturm auf die Grenze angestachelt werden. Laut Spiegel wurde die Aktion zuerst per «Facebook-Gruppe organisiert», die gedruckten Flugblätter sollen «in einem weißen Transportwagen» ins Camp gekommen sein – auf dem Fahrzeug war «ein gefälschtes Zeichen des Roten Kreuzes». In dem Infoblatt wurde panikartig verbreitet, dass «das Lager von Idomeni in den kommenden Tagen evakuiert wird» und verbleibende Personen in die Türkei abgeschoben werden könnten. «Wer es schafft, illegal in einen anderen Staat Mittel- oder Osteuropas zu reisen, wird bleiben können. Deutschland akzeptiert noch Flüchtlinge», hieß es dort weiter – eine klare Handlungsanweisung. Die Autoren empfahlen, «zu Tausenden» nach Mazedonien durchzubrechen: Wenn alle gleichzeitig kommen, «wird die Polizei Sie nicht stoppen können». Unter den mutmaßlichen Organisatoren dieser Aktion tauchen einige alte Bekannte auf. Neben Linksautonomen von Blockupy und NoBorder sind etwa die Asylaktivisten von bordermonitoring.eu mit von der Partie. Über einen der Köpfe, Bernd Kasparek, berichteten wir bereits ausführlich in COMPACT Spezial Nr. 8: Asyl. Das Chaos. Auch Kasparek steht den Grünen nahe, seine politischen Projekte wurden in der Vergangenheit mit reichlich Steuergeld finanziert – so etwa die Internationale Schlepper- und Schleusertagung (ISS) in München 2015, die ihre linksextremen Ambitionen als Aktionskunst zu verkleiden versuchte. Die Kamikaze-Operation in Idomeni begleitete bordermonitoring.eu an jenem Tag mit einem Liveticker auf Twitter unter dem Hashtag #marchofhope (Marsch der Hoffnung), der alle Aktivisten vor Ort mit den notwendigen Informationen versorgte. Eine «riesige Armada» solcher vermeintlichen Helfer war laut der Gruppe Moving Europe schon kurz zuvor dort eingetroffen. Wie die sich nützlich machten, dokumentierte Welt Online: «Fuck your racist borders – f**kt eure rassistischen Grenzen – steht in Sprühfarbe auf diversen Wohncontainern im Flüchtlingslager Idomeni.» Nach Aussage der Bewohner hatten nicht Asylbegehrer diese Botschaften verbreitet, «sondern Helfer, junge Leute aus westlichen Ländern». Inszenierung mit Todesfolge Die von Aktivisten auch mittels Skizze auf besagtem Flugblatt ausgegebene Fluchtroute zeigt, dass die Massen ganz bewusst an dieser Stelle durch den Fluss getrieben werden sollten – was dann drei Afghanen zum Verhängnis wurde. Dass die ganze Aktion von Anfang an «aussichtslos» war, gab die Sprecherin von Moving Europe in einem Zeit-Interview freimütig zu. Die Flüchtenden hatten ihr Leben ganz umsonst ris-

COMPACT Politik kiert, weil sie gleich auf der anderen Seite der Grenze von mazedonischen Uniformierten aufgegriffen wurden. Ging es den Aktivisten nur um Publicity? Wollte man vor dem EU-Flüchtlingsgipfel in Brüssel ein Zeichen setzen, wie Die Zeit spekulierte? Setzte man für starke Bilder Menschenleben aufs Spiel? Im Netzwerk Moving Europe haben sich gleich mehrere Aktivistengruppen wie Bordermonitoring, die Berliner Forschungsgesellschaft Flucht und Migration, Medico International und die Gruppe Welcome to Europe zusammengeschlossen. Letztere – hinter der manche die Open Society Foundation des US-Milliardärs George Soros vermuten – gab im September letzten Jahres ein Handbuch heraus, das den Migranten bei der illegalen Einreise in die EU behilflich sein sollte. Mit dem Idomeni-Flugblatt will aber niemand etwas zu tun haben. Eine Adrienne Homberger – Sprecherin von Moving Europe – bestreitet im Interview mit der Zeit, dass Aktivisten den Impuls zur Grenzstürmung gegeben haben, spricht stattdessen von «Selbstorganisation» der Flüchtlinge. Offensichtlich ist jedoch, dass die Asyllobbyisten jede Silbe des Aufrufs unterstützten. Das tat indirekt sogar Norbert Blüm. Der CDU- Politiker verbrachte wenige Tage vor den Todesfällen eine Nacht in einem Zelt bei Idomeni und soll den Menschen dort laut Spiegel-Informationen versprochen haben, dass diejenigen, die es nach Deutschland schaffen, dort auch bleiben können. Ob nicht auch dadurch der Druck im Hexenkessel gestiegen ist? Ein übles Spiel Die furchtbaren Bilder hilfloser Menschen sollten in den Medien den Beweis erbringen, dass die Abriegelung von Flüchtlingsrouten Ursache der Notsituation sei. In ihrem Wahn machten die No-border-Ideologen vor nichts mehr Halt, wie der Fotograf Björn Kietzmann Ende März auf Twitter dokumentierte: «Filmteam holt Kinder zum Zaun & fordert sie auf am NATOdraht zu rütteln». Man sieht auf den Aufnahmen auch Kinder, die Deutschlandfahnen schwenken und Pappschilder mit Sprüchen wie «open the borders» oder «Mama Merkel» in die Kamera halten. Wer diese Accessoires bereitgestellt hatte, bleibt unklar. Jedenfalls hat nicht die Grenzschließung zu Not und Gewalt geführt, sondern die Wühlarbeit unverantwortlicher Aktivisten, die ständig falsche Hoffnungen, Panik und Misstrauen verbreiteten, zum Widerstand gegen Grenzbeamte und immer wieder zum illegalen Grenzübertritt aufriefen. «Wenn Sie zu Tausenden gleichzeitig über die Grenze kommen, wird die Polizei Sie nicht stoppen können.» Kommando Norbert Blüm Dass die genannten Aktivistengruppen auch angesichts der drei Toten nicht von ihrer Mission ablassen wollten, zeigte sich schon Ende März. Es gab erneut «Hunderte Nachrichten auf Facebook, die die Flüchtlinge dazu animierten, loszulaufen», wie Zeit Online berichtete. Zu allem Überfluss bekamen die selbsternannten Fluchthelfer zu diesem Zeitpunkt auch noch aktive Schützenhilfe aus der deutschen Politik. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) äußerte im Spiegel gönnerhaft, sein Land könnte bei einer «koordinierten Aktion mehrerer Bundesländer» 1.000 bis 2.000 Flüchtlinge direkt aus Idomeni aufnehmen. Grünen-Chefin Simone Peter forderte gar, diese Menschen «im Alleingang» nach Deutschland zu holen. «Vielleicht spielen einige ein übles Spiel auf dem Rücken der Flüchtlinge», sagte Giorgos Kyritsis, Griechenlands Regierungssprecher in Sachen Asylkrise. Linke Logik Welch Geistes Kind manche Asylaktivisten sind, zeigte sich nach den Terroranschlägen in Brüssel am 22. März. Wenige Stunden nach den Explosionen schrieb die linke Aktivistin Chiara Lauvergnac auf ihrer Facebook-Seite: «Eurostar nach Brüssel lahmgelegt (…). Das könnte einiges an Chaos bedeuten und eine gute Gelegenheit sein, dass ein paar Menschen nach Großbritannien durchkommen. Schade, dass alles auch eine gute Seite hat.» Lauvergnac kann den Toten von Brüssel also etwas Gutes abgewinnen und ruft gleichzeitig Menschen dazu auf, ihr Leben beim Versuch der illegalen Grenzüberschreitung zu riskieren – entlang der Gleise, in Laderäumen, unter Lkws. Ob sie ein schlechtes Gewissen hat? Immer dabei: die Fahne des gelobten Landes. Foto: AFP/Sadis Mikrolidis Auf dem Fährhafen von Piräus hausten zeitweise 4.500 Flüchtlinge in einem wilden Camp. Foto: AP Warteraum Griechenland BULGARIEN Die größten Flüchtlingslager, Stand März 2016, und die Zahl der dort Untergebrachten. MAZEDONIEN Camp Mazarakis Kilki 3.674 Idomeni 12.000 Nea Kaval Polykastro 3.274 Thassaloniki Nordregion 3.714 GRIECHENLAND Larissa Limnos griechische Inseln 9.623 Lesbos Attica 9.428 Athen Chios Samos Quelle: Daily Mail Grafik: COMPACT 31

© COMPACT-Magazin GmbH 2016 Alle Rechte vorbehalten

   Mediadaten  /  Datenschutz  /  Impressum  /  Kommentarregeln  /  Nutzungsbedingungen  /  Widerruf