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COMPACT-Magazin 05-2016

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COMPACT Politik Peilsender im Kragen 2006 wurde IBM ein Patent namens «Identifikation und Verfolgung von Personen mittels RFID-gekennzeichneter Gegenstände in Geschäften» gewährt. Es zeichnet eine Welt, in der vernetzte RFID-Lesegeräte, sogenannte «Personenverfolgungseinheiten», die Bewegungen von Menschen, die einen Chip bei sich tragen, praktisch überall nachverfolgen: in «Einkaufszentren, Flughäfen, Bahnhöfen, Bushaltestellen, Fahrstühlen, Zügen, Flugzeugen, öffentlichen Toiletten, Sportarenen, Bibliotheken, Theatern, Museen». Am Rande der CeBIT 2007 erklärte die damalige EU- Kommissarin für Digitalwirtschaft, Viviane Reding, dass sie die RFID-Technologie nicht regulieren wolle. «Meiner Ansicht nach sollten wir unterregulieren statt überregulieren, damit dieser Sektor abheben kann.» Am 16. Februar 2012 berichtete computerbild.de: «Vermehrt nähen Bekleidungshersteller RFID- Chips in Anzüge, Hemden & Co. Die kleinen Peilsender erlauben dem Verkäufer individuelle Einkaufstipps für ausgespähte Kunden. Schlimmer noch: Die heimliche Ortung ermöglicht es, Bewegungsprofile zu erstellen. (…) Einige Bekleidungshersteller, darunter Peuterey, Lemmi Fashion, Levi’s und Gerry Weber, setzen bereits auf RFID-Chips. Andere wie s’Oliver bereiten den Einsatz derzeit vor und rüsten ihre Läden nach und nach mit RFID-Lesegeräten aus.» Die Pharmaindustrie verspricht sich von sogenannten smarten Pillen derweil ein Milliardengeschäft. Nach dem Einnehmen misst der Mini-Spion die Gesundheitswerte und überträgt sie an das Smartphone oder einen autorisierten Arzt. Der Nutzer soll so nie wieder vergessen, seine Tabletten zu nehmen. Aus dem aktuellen James-Bond-Film kennt man das Konzept anders. Der Geheimdienst MI6 bedient sich darin der gleichen Methode, um 007 jederzeit lokalisieren zu können. Rockefellers Vision «Neun Implantate, die wir bald im Körper tragen» stellte bild.de am 25. Oktober 2014 seinen Lesern vor. An letzter Stelle: ein «Ortungs-Chip», mit dem «jeder Mensch mitsamt Aufenthaltsort eindeutig identifizierbar» wird. Die Menschheit derart zu kontrollieren, sieht so der Plan einer geheimen Elite aus? Der amerikanische Filmemacher Aaron Russo behauptete vor seinem Tod im Jahr 2007, Nicholas Rockefeller habe beim Versuch, ihn anzuwerben, Unglaubliches erzählt: «Das Endziel ist, jedem einen Chip zu implantieren, um die gesamte Gesellschaft zu kontrollieren.» Das Deutsche Patentamt hat 2007 einem saudi-arabischen Erfinder verwehrt, einen implantierbaren Killer-Chip zu patentieren, wie die Augsburger Allgemeine am 18. Mai 2009 berichtete. Laut Patentantrag verfügt die Kapsel über eine Strafkammer, aus der per Fernsteuerung Cyanid oder andere hochgiftige Stoffe freigesetzt werden. Pikant ist die Rolle des amerikanischen IT-Riesen IBM, der den VeriChip mitfinanzierte. Über diverse Tochterfirmen in Europa hatte IBM mittels Lochkartensystem schon einmal Menschen katalogisiert: in den Ghettos und Vernichtungslagern der Nazis. «Ohne die Lochkarten wäre es wie Gewehre ohne Kugeln gewesen», fasst Edwin Black, Autor des Buches IBM und der Holocaust, die Komplizenschaft zwischen IBM und den Nationalsozialisten zusammen. Im Jahr 2005 forderte der Konzern ein globales Identifizierungssystem – ein standardisierter RFID-Chip unter der Haut sei die Lösung. Bisherige Versuche, den Menschen Elektronik einzupflanzen, beruhten auf freiwilliger Basis. Damit wäre Schluss, wenn man Sachzwänge schüfe, an denen niemand vorbeikäme. Würde etwa das Bargeld abgeschafft, könnten Zahlungen nur noch elektronisch abgewickelt werden – am einfachsten natürlich mit einem Chip unter der Fingerspitze. «Die bargeldlose Zukunft ist nur knapp einen Zentimeter groß», hieß es in einem ZDF-Beitrag Ende Februar 2016. Der Chip hat eine Strafkammer, aus der per Fernsteuerung Cyanid freigesetzt wird. Dabei muss es gar nicht unter die Haut gehen. Die chinesische Regierung hat unlängst 150 Millionen vom Land in die Städte gezogenen Bürgern auferlegt, RFID- Ausweise zu beziehen, die neben Name und Adresse des Trägers auch dessen beruflichen Werdegang, Bildungshintergrund, Religion, Ethnie, Strafregister und Versicherungsstatus speichern. «Wenn sie sich die Ausweise nicht holen, dürfen sie hier nicht leben und keine Leistungen der Regierung beziehen», zitierte die New York Times den Vizepräsidenten der Kartenherstellerfirma am 12. August 2007. «So kann die Regierung die Bevölkerung in Zukunft kontrollieren.» Voll cool: Jeans mit Micro-Einlage. Foto: Getty Images Die jüngste Generation von RFID- Chips gibt es bereits zum Ausdrucken. Foto: wired.com 40 _Tino Perlick ist Redakteur bei COMPACT. In Ausgabe 4/2016 schrieb er über die anstehenden US-Präsidentschaftswahlen.

COMPACT Dossier Dossier _ Seite 42–51 Protestparteien Der Triumph der Alternative für Deutschland (AfD) bei den Landtagswahlen im März stellt die Partei vor ein Dilemma: Bleibt sie Fundamentalopposition – oder kann sie in einer Regierungskoalition mehr bewirken? Was jetzt den baden-württembergischen Wahlsieger Jörg Meuthen beschäftigt, hat schon vor 16 Jahren Jörg Haider verführt – und vor 30 Jahren die damals noch systemfernen Grünen. Foto: picture alliance/AP Images 41

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