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COMPACT-Magazin 07-2016

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COMPACT Köpfe des Monats Foto: christopher CC-BY-2.0, Wikimedia Commons Foto: picture alliance/dpa Foto: picture alliance/dpa Aufsteiger des Monats _ Dalai Lama Absteiger des Monats _ Bill Gates Was macht eigentlich _ Sevim Dagdelen 10 «Ich denke eine Vielzahl der Flüchtlinge vom nördlich-arabischen Raum (…) sind mit Gefahr für ihr Leben konfrontiert. Gleichzeitig sind zu viele für das Gastgeberland schwer zu handhaben. (…) Irgendwann wird es seine Grenzen erreicht haben, dann sagt ihnen, wir können Euch nicht mehr helfen.» Diese weisen Worte sprach Tenzin Gyatso, der oberste Repräsentant des tibetischen Buddhismus und 14. Dalai Lama, schon Anfang 2014 im italienischen Pisa. Damals war die Asylkrise noch nicht über Deutschland hereingebrochen, doch sie warf bereits ihre Schatten voraus. Heute ächzt Deutschland unter den sozialen, kulturellen und finanziellen Folgekosten, die der Asyl-Tsunami mit sich brachte – und immer noch sind die Schleusen weit geöffnet. 500.000 Flüchtlinge erwartet Frank-Jürgen Weise vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dieses Jahr – das sei eine «Richtgröße». In dieser Lage meldete sich nun der Dalai Lama erneut zu Wort und erklärte Ende Mai in der Frankfurter Allgemeinen: «Deutschland kann kein arabisches Land werden. Deutschland ist Deutschland.» Die Flüchtlinge sollen «nur vorübergehend aufgenommen werden», um dann später zum «Wiederaufbau ihrer eigenen Länder» zurückzukehren. Bravo, riefen die Patrioten, während sich aus der linken Ecke ein Shitstorm zusammenbraute. Krawalltüte Jutta Ditfurth twitterte legasthenisch: «Der Häuptling d Gelbmützensekte ist nicht nur 1 eso-Dauerschwafler sondern ein Rassist.» Ja sag mal, geht’s noch? (md) Der Microsoft-Gründer und Multimilliardär gibt den Wohltäter: Mitte Juni kündigte er an, 100.000 Hühner an Länder wie Burkina Faso und Bolivien zu verschenken. «Es ist für mich ziemlich klar, dass jeder, der in extremer Armut lebt, besser dran ist, wenn er Hühner hat», teilte Gates auf seinem Blog mit. Altruistischer Kampf gegen den Hunger – oder doch nur eine versteckte Subvention für die US-Chlorhuhnindustrie? Die Beschenkten zeigten sich jedenfalls alles andere als erfreut. «Er kennt Boliviens Realität nicht», ärgerte sich Entwicklungsminister Cesar Cocarico. Gates meine wohl, «wir leben wie vor 500 Jahren, mitten im Dschungel und ohne Ahnung, wie man etwas produziert». Jedes Jahr kämen in Bolivien 197 Millionen Hühner auf den Markt, davon 36 Millionen für den Export. Tatsächlich hat sich seit Amtsantritt des linksgerichteten Präsidenten Evo Morales die Wirtschaftskraft des Landes verdreifacht. 20 Millionen Menschen gehören mittlerweile zur Mittelschicht, während sich die Armut auf 18 Prozent halbierte. Auch Gates Partner beim großen Geflügelexport erscheint nicht unzweifelhaft: die Hilfsgesellschaft Heifer International. So wird der einst im pietistischen und quäkerischen Milieu entstandenen Organisation unter anderem vorgeworfen, 20 Prozent ihrer Spenden für Werbung auszugeben. Der US-Blogger Chance Bechly hat zudem die Imagebroschüren von Heifer unter die Lupe genommen. Dabei stieß ihm vor allem die «elegante Einrichtung» des repräsentativen Campus auf. (fb) Für die 40-Jährige ist es wohl eine neue Erfahrung: Statt im Fadenkreuz der Polizei – etwa wegen des Schotterns von Castortransporten – steht sie derzeit unter deren Schutz. Der Grund: Die linke Abgeordnete hatte im Mai im Bundestag der Resolution zum Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich zugestimmt. Für Ankaras fünfte Kolonne in Deutschland ist Dagdelen damit schlicht eine Verräterin – ebenso wie zehn weitere türkischstämmige Parlamentarier, erhält sie Morddrohungen. Erdogan gehört zu ihren Lieblingsfeinden. Schon 2010 lehnte sie dessen Einladung nach Istanbul ab. Dort wollte die Regierung Politiker aus ganz Europa auf ihre Linie einschwören. Im Jahr 2013 unterstützte die ledige Mutter die Proteste im Gezi-Park der Bosporus- Metropole und setzte sich auch immer wieder für eine Lösung des Kurdenkonflikts ein. Nach dem jüngsten Wutgeheul aus Ankara forderte sie sogar ein Einreiseverbot für den osmanischen Autokraten. Auch mit der eigenen Partei legt sich Dagdelen immer wieder an. Nach der Rede des damaligen israelischen Präsidenten Schimon Peres vor dem Bundestag, 2010, verweigerte sie als eine von drei Abgeordneten den stehenden Applaus. Selbst in der Einwanderungsdebatte zeigt die Bochumerin hin und wieder vorsichtige Nuancen: In die Jubelpolitik für Flüchtlinge stimmte sie zwar ein, warnte jedoch zugleich vor «verheerenden Folgen für ihre Heimatländer, denen am Ende die Ingenieure, Informatiker und Ärzte fehlen». (mmm)

COMPACT Titelthema Wollt Ihr den totalen Maas? _ von Jürgen Elsässer Kann man einen Sozialdemokraten mit einem abgewandelten Goebbels-Zitat als Wegbereiter des neuen Faschismus denunzieren? Der Bundesjustizminister gibt dem neuen Totalitarismus jedenfalls das passende Gesicht. Ist der Faschismus heutzutage nicht mehr braun, sondern rot? Die Linken aller Couleur bestreiten das wutentbrannt. Das ist logisch, denn andernfalls dürften sie nicht länger gegen AfD-Veranstaltungen randalieren, sondern müssten die Scheiben ihrer eigenen Büros einschmeißen. Aber ein nüchterner Blick in die Geschichtsbücher sollte sie eines Besseren belehren. Benito Mussolini, der den fascismo erfand, war bis zum Ersten Weltkrieg ein bekannter Politiker der Sozialistischen Partei und gehörte sogar auf deren radikalem Flügel an. Adolf Hitler marschierte 1919 für die Münchner Räterepublik. Joseph Goebbels gefielen die russischen Bolschewiki, er träumte von einem «deutschen Lenin». Zwei bekannten Linken ist selbst aufgefallen, dass ihre Bewegung ein Janusgesicht hat. Der eine ist der britische Schriftsteller George Orwell. Begeistert kämpfte er im Spanischen Bürgerkrieg (1936 – 1939) als Interbrigadist für die rote Revolution – bis er und seine trotzkistischen Freunde von Stalins Geheimpolizei verfolgt wurden. In der Animal Farm beschrieb er einen diktatorischen Schweinestall, wo einige Genossen gleicher als alle anderen sind. Seine Dystopie 1984 entstand 1948, als die Regierung in London von der Labour Party übernommen worden war. Der totale Überwachungsstaat wird von einer Einheitspartei kontrolliert, deren Ideologie der Engsoz – der englische Sozialismus – ist. Der andere Kronzeuge ist der italienische Romancier Ignazio Silone, von dem sein Gesprächspartner, der Schweizer Journalist François Bondy, den Satz überliefert hat: «Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.» Tatsächlich schilderte Silone, obwohl ihn die Kommunisten als Schriftsteller-Ikone verein- Maas hätte beim Casting für einen Eichmann-Film gute Chancen. Die Augen eines Täters? Heiko Maas am 1. Mai 2016 in Zwickau. Kurze Zeit später wird der Minister vor der Wut der Bürger Reißaus nehmen. Foto: picture alliance/dpa 11

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