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COMPACT-Magazin 07-2016

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COMPACT Titelthema Die Sprücheklopfer der SPD «Nur wer arbeitet, soll auch essen» (Franz Müntefering, Bundesarbeitsminister 2005–2007, Zeit Online, 10.5.2006) «Unsere Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt.» (Peter Struck, Verteidigungsminister 2002–2005, Bundestag,11.3.2004) «Hol‘ mir mal ’ne Flasche Bier, sonst streik’ ich hier und schreibe nicht weiter!» (Gerhard Schröder, Bundeskanzler 1998– 2005, bei einer Autogrammstunde im Jahr 2000, zitiert bei Spiegel Online, 12.12.2002) «Das ist wirklich Pack und Mob, und was man da machen muss, man muss sie einsperren.” (Sigmar Gabriel über Asylkritiker im sächsischen Heidenau, Focus Online, 24.8.2015) Franz Müntefering war 2004/05 und 2008/09 SPD-Chef. Foto: Dirk Vorderstraße, CC BY 2.0, Wikimedia Commons (Ausschnitt) Bild rechts: Am liebsten würde er sie wohl einfach abkanzeln: Sigmar Gabriel und die «SPD-Putzfrau» Susanne Neumann. Foto: picture alliance/dpa Zeit-Serie, kommt der Sache schon näher, wenn er von Globalisierung und dem «Nationalstaat in der Krise» spricht. Hierbei wird die Globalisierung – de facto die Amerikanisierung der Welt – allerdings ebenfalls als eine Art unausweichliche Naturgewalt dargestellt. Irrtum! Durch eine kluge, national orientierte Politik – Vorbilder wären Ungarn, die Schweiz, Russland – hätten die Auswirkungen des Globalismus gemildert werden können, doch dazu waren sich die US-hörigen Systemparteien zu fein. Werte wie Souveränität und Selbstbestimmung, die Artikulation deutscher Interessen – all das wurde ausdrücklich vernachlässigt, das Vertrauen in den Nationalstaat immer wieder als «gefährliche Illusion» (Spiegel Online, 10.4.2016) beziehungsweise als rechtspopulistisch bezeichnet. «Die Sozialdemokratie geht an ihren eigenen Erfolgen zugrunde.» Peter Sloterdijk Stattdessen fuhr die SPD nach dem Abtritt Schröders einen betont antideutschen Kurs, der heute in der gemeinsam mit der CDU betriebenen Flüchtlingskatastrophe seinen lebendigsten Ausdruck findet. Das Thema TTIP unterstreicht diesen Befund nochmals. Haan schreibt dazu: «Während in Berlin 100.000 Menschen dagegen demonstrieren, schaltet der sozialdemokratische Wirtschaftsminister Anzeigen in großen Tageszeitungen, um für das Abkommen zu werben.» Wer so konsequent gegen den ausdrücklichen Willen der Deutschen regiert, darf sich nicht wundern. Die von Haan vorgeschlagene Lösung des Dilemmas liegt allerdings nicht in der Rückbesinnung auf die Interessen, Sorgen und Nöte des eigenen Volkes, sondern in der Flucht nach vorne. Durch die «Gründung einer ”neuen” europäischen, linken Bewegung» soll der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit verhindert werden. Am Erfolg gescheitert Sozen im Sinkflug Ob Wahlergebnisse oder Mitgliederzahl: Bei den Sozialdemokraten geht es konsequent nach unten. in Tausend Mitgliederzahlen Bundestagswahlergebnisse und *Umfragestand 800 600 400 200 40,9% 38,5% 34,2% 23,0% 25,7% 19,5%* 1998 2002 2005 2009 2013 2016 Quelle: wahlrecht.de, statista Grafik: COMPACT Krise – nicht nur – der SPD immerzu mit angeblich verratenen Idealen erklärt, argumentiert nicht nur populistisch. Er redet auch dem Wutbürgertum das Wort.» Für die tatsächlichen Fehlentwicklungen der Partei sind Leute wie Kumpfmüller und Sloterdijk blind; den Ausverkauf aller sozialdemokratischen Werte ignorieren sie ebenso wie die gebrochenen Herzen der Stammwähler, die von Gabriel sogar als «Pack» beschimpft werden, und die ohnmächtige Wut der Betrogenen wird wechselweise als «Populismus» oder «Neofeudalismus» dargestellt, was eigentlich Gegensätze sind. Die unbequeme Wahrheit: Populismus – verstanden als die Fähigkeit von Politikern, die Interessen des Volkes («populus») wahrzunehmen und zu vertreten – ist in der Demokratie schon immer der einzige Weg zum Erfolg gewesen – und das beste Gegengift zu feudaltotalitären Entwicklungen. Diese Volksorientierung als etwas Negatives, Falsches, ja Gefährliches darzustellen – das ist der Witz des Jahrhunderts. 20 _ Marc Dassen ist Redakteur bei COMPACT-Magazin und schreibt regelmäßig über Themen aus Politik und Zeitgeschichte. In Ausgabe 6/2016 führte er ein Interview mit dem Biologen Prof. Dr. Ulrich Kutschera über sein aktuelles Buch «Das Gender- Paradoxon». Besonders skurril ist die These, dass der Niedergang der SPD nicht Ergebnis ihres Versagens, sondern ihrer Durchsetzungsfähigkeit sein soll. Peter Sloterdijk erklärte Ende Mai in der Berliner Zeitung: «Die Sozialdemokratie geht offenbar wieder einmal an ihren eigenen Erfolgen zugrunde – in dem Augenblick, wo sie überall eingesickert ist, scheint sie in ihrer Originalgestalt überflüssig.» Die SPD habe ihren Auftrag derart restlos erfüllt, dass sich die Wähler nun offenbar radikaleren Parteien zuwenden – etwa der AfD. Für Sloterdijk gibt es nur zwei Möglichkeiten – «entweder Demokrat, das heißt im weitesten Sinn Sozialdemokrat, zu bleiben oder Neofeudalist zu werden». Nicht minder fragwürdig ist die Version, die ein Michael Kumpfmüller bei Zeit-Online kolportiert: «Wer die

COMPACT Titelthema Maasmännchen trifft Alphaweibchen _ von Harald Harzheim Vom Winde verweht: Die Ehefrau ist passé, der Bundesjustizminister hat eine neue Flamme. Natalia Wörner bringt Temperament und Power mit. Aber offen bleibt, ob das für den kleinen Saarländer gut ausgeht. Tritt er mit dieser Frau gemeinsam auf, kann man Heiko Maas leicht übersehen. Foto: picture alliance/ Geisler-Fotopress Nach Ende des amerikanischen Bürgerkrieges kehrt Scarlett O‘Hara 1863 zu ihrer elterlichen Plantage Tara zurück. Das ganze Gut ist verwüstet und verbrannt. Aber die belastbare Schönheit gibt nicht auf. Sie krempelt die Ärmel hoch und startet den Wiederaufbau. Und immer noch liebt sie den farblosen Ashley Wilkes. Dieser Loser steht bloß jammernd herum. Dennoch versucht sie, ihn zu einer heißen Liebesaffäre zu überreden. Vergeblich, der Schlappschwanz kneift. Diese Szene der Umwerbung, 1992 gedreht, war eine Probeaufnahme für Scarlett, die Fortsetzung des Klassikers Vom Winde verweht (1939). Die junge Schauspielerin Natalia Wörner wurde für die Titelrolle gecastet – und gewann die Ausschreibung. Dann jedoch stellte sich heraus: Alles war nur ein PR-Fake, die endgültige Besetzung stand schon längst fest. Aber als der Betrug in die Schlagzeilen kam, reicht es dennoch, um die damals 24-jährige Wörner berühmt zu machen. Glück im Unglück nennt man das. Inzwischen, 24 Jahre später, ist sie wieder wegen eines Flop-Typs im Gespräch. Und wie bei Scarlett O‘Hara fragt man sich: Was will die bloß von dem Kerl? Der Sarkozy-Trick Seit John F. Kennedy umgeben sich Politiker gern mit Schauspielerinnen oder Models. Sogar Frankreichs Ex-Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat diesen Trick eine Zeit lang erfolgreich angewendet – bis dem Bonsai-Gaullisten seine Carla Bruni davonstöckelte. Auch bei Heiko Maas steht die Liaison unter keinem guten Stern: Natalia Wörner gestand schon bald nach dem Beziehungs-Outing, dass sie auch Barack Obama «sehr ansprechend» finde. Die Frau orientiert sich nach oben… Zwar lässt sich Maas‘ Neue durchaus mit den genannten First Ladies vergleichen, aber ihr Glamour färbt auf den Liebhaber nicht ab. Mit der Aura eines Klassenstrebers ist Maas dem Charisma der Actrice nicht gewachsen. Wörners Präsenz lässt ihn noch kleiner erscheinen und streicht unfreiwillig heraus, was ihm fehlt: Das Lebendige, Temperamentvolle, Lebensfrohe. Maas ist der Anti-Glamour par excellence. Dabei hatten die Medien mit Vorschusslorbeeren nicht gegeizt, als die Paarung zwischen Maas und Wörner publik wurde: «Der politischen Szene wird diese Frau mit ihrer unverwechselbaren Mischung aus Glamour, Engagement und Intelligenz ganz sicher guttun», jubelte die Welt. Klar, Natalia Wörner gehört in die erste Liga hiesiger Film- und TV-Darstellerinnen. Beindruckend ist vor allem ihre tiefe, glaubwürdige Emotionalität, der Mut zur grenzüberschreitenden Darstellung. Aber auch physisch ist Frau Wörner überaus freizügig: Man erinnere sich an ihre exzessiven Liebesszenen im Geschwister- Inzest-Drama Kinder der Nacht (1996), an die gestrapste Prostituierte in Verbotene Küsse (2001), an ihre Fleischeslust in der feucht-schwülen Dreiecksgeschichte 20 Nächte und ein Regentag (2006) oder an die opulenten Aktfotos für den Playboy. Wegen der nackten Ohrfeigen-Szene in Die Sieger (1994) hätte selbst Marquis de Sade vor ihr kniend um ein Autogramm gebettelt. Eine solche Sexgöttin, ein solches Vollweib neben einem Polit-Klemmi, der sexy Werbung verbieten lassen möchte? Das ist mehr als inkompatibel. Kaum hatten Wörner und Maas ihre Beziehung eingestanden, da setzte die Tierschutzorganisation PETA ein gefaktes Nacktfoto von beiden ins Netz. Dabei wurde deutlich: Maas mit Körper? Das konnte nur digitale Montage, bloß ein Witz sein. Denn der Justizminister vertritt das «moderne Geschlechterbild» zu hundert Prozent, wirkt wie ein asexuelles Wesen aus der Gender-Retorte. Keinerlei Archetyp des Männlichen schimmert auch nur ansatzweise durch. Sein Anzug trägt ihn, nicht umgekehrt. Ex und hopp «Die Familie – meine Frau Corinna und meine Söhne – sind der Mittelpunkt meines Lebens», schrieb der bekennende Katholik Maas 2009. Im Februar 2016 gaben die Eheleute bekannt, sie hätten sich «einvernehmlich und in Freundschaft getrennt». Auch Natalia Wörner versteht sich mit ihrem Ex Robert Seeliger «heute besser als je zuvor». Was man eben heutzutage so sagt in diesen Fällen. Maas wirkt wie ein asexuelles Wesen aus der Gender- Retorte. _ Harald Harzheim ist der Filmexperte von COMPACT. 21

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