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COMPACT-Magazin 07-2016

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Darüber spricht man

Darüber spricht man nicht _ von Tino Perlick 42 Das Attentat eines Moslems in einem Nachtclub in Florida beeinflusst die heiße Phase des Präsidentschaftswahlkampfs und hat eine Debatte über politische Korrektheit ausgelöst. Während Hillary Clinton jeden Hinweis auf den islamischen Hintergrund des Verbrechens vermeidet, nennt Donald Trump den Feind beim Namen. Massenmord im Sonnenschein- Staat: Sondereinheiten des FBI vor dem Pulse Nachtclub nach dem Massaker am 12. Juni 2016. Foto: picture alliance/AP Photo Hillarys Amerika soll bunt sein und tolerant – um jeden Preis. Am 12. Juni 2016 um zwei Uhr morgens betrat Omar Mateen mit einem halbautomatischen Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet einen Nachtclub für Homosexuelle in Orlando, Florida. Bevor Sondereinsatzkräfte der Polizei den 29-jährigen Amerikaner afghanischer Herkunft am Tatort erschossen, hatte er 49 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt – es war der tödlichste Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001. Obwohl er sich zum Islamischen Staat bekannte, sein Vater öffentlich die Taliban unterstützt und Antiterroreinheiten des FBI in zwei Fällen gegen ihn ermittelt hatten, soll Mateen nur ein selbst-radikalisierter Einzelfall sein, der seinen Hass auf Homosexuelle entlud. Dem politisch korrekten, liberalen Amerika, wie es Wall-Street-Kandidatin Hillary Clinton vertritt, kommt eine erhebliche Mitschuld am Blutbad zu. Clinton verharmlost Knapp eine Woche vor dem Anschlag in Florida reichte der US-Heimatschutzbeirat einen Bericht zur «Bekämpfung von gewaltsamem Extremismus» im Ministerium für Innere Sicherheit ein. Neben der Ankündigung, «Gender-diversen Amerikanern» die Hand ausstrecken zu wollen, wird darin vorgeschlagen, eine «Stigmatisierung spezifischer Gemeinschaften zu vermeiden». Konkret weist das Schreiben Ermittler der Heimatschutzbehörde DHS an, Worte, die für Moslems «respektlos» sein könnten, zu vermeiden – darunter Begriffe wie «Dschihad» und «Scharia». Federführend bei diesem Bericht war die erste US-Sonderbeauftragte für muslimische Gemeinschaften, Farah Pandith, die 2009 von Hillary Clinton ins Amt berufen worden ist. Ja, Hillarys Amerika soll bunt sein und tolerant – um jeden Preis. Das Fort Pierce Islamic Center, wo Mateen mehrmals pro Woche gebetet hat, war wegen Verbindungen zu der weltweit operierenden sunnitischen Bewegung Tablighi Jamaat ab 2011 unter Beobachtung des DHS. Der Weltalmanach des Islamismus konstatiert, dass die Bewegung aufgrund ihrer «Bewahrung strenger islamischer Normen, Intoleranz gegenüber anderen religiösen Traditionen und des unbeirrten Vorsatzes, den gesamten Planeten zu islamisieren, faktisch als ein passiver Unterstützer dschihadistischer Gruppen betrachtet werden kann.» Doch weil sie nicht als offizielle Terrororganisation eingestuft ist, hatte Clintons Außenministerium 2012 sämtliche Ermittlungen zu Tablighi Jamaat und den angeschlossenen Moscheen auf Eis gelegt. Ob Hillarys Sponsor Saudi-Arabien die Entscheidung beeinflusst hat? Offiziell beendete man die Untersuchung, um die angebliche Diskriminierung unschuldiger Moslems zu verhindern. Mateen blieb somit unbeobachtet.

COMPACT Dossier Islamexperte Philip Haney war einer der Ermittler, denen von Clinton der Stecker gezogen wurde. «Nach Beendigung meiner 15-jährigen Karriere beim DHS kann ich über den gefährlichen Zustand, in dem Amerikas Anti-Terrorstrategie sich befindet, nicht länger Schweigen bewahren», gestand er im Februar dem US-Kongressnachrichtenportal The Hill. «Ich schweige nicht länger über die Bereitschaft unserer Anführer, die Sicherheit der Bürger der ideologischen Starrheit politischer Korrektheit zu opfern.» Clintons Dilemma besteht darin, eine intolerante Religion im Namen religiöser Toleranz in Schutz zu nehmen. Der Islam unterdrückt Frauen und straft Homosexualität mit dem Tod. Clinton tut, was die meisten tun, wenn der eingeschlagene Kurs das Ziel verfehlt, man aber zu feige ist, die Richtung zu korrigieren: Augen zu und durch! So verschleierte sie den islamischen Hintergrund des Anschlags und sprach in ihrer ersten Stellungnahme nur unspezifisch von einem «Akt des Terrors» und des «Hasses». Gleichzeitig versprach sie heuchlerisch der ins Visier der Islamisten geratenen Homo- und Transszene (LGBT): «An die LGBT- Gemeinschaft: Bitte wisst, dass Ihr Millionen Verbündete im Land habt. Ich bin eine davon.» Trump kontert Donald Trump, der jeden Schritt seiner Kontrahentin in den sozialen Netzwerken kommentiert, brachte den unversöhnlichen Widerspruch auf den Punkt: «Hillary Clinton kann niemals für sich beanspruchen, ein Freund der homosexuellen Gemeinschaft zu sein, solange sie damit fortfährt, eine Einwanderungspolitik zu unterstützen, die islamische Extremisten in unser Land bringt, die Frauen und Schwule und jeden, der ihre Ansichten nicht teilt, unterdrücken.» Die verlogene «Präventionsmaßnahme» seiner Kontrahentin, terrorfinanzierende Ölstaaten enger an die Kandare nehmen zu wollen, quittierte Trump ruckzuck: «Saudi-Arabien und viele andere Länder, die Unsummen an die Stiftung der Clintons überwiesen haben, wollen Frauen als Sklaven halten und Schwule umbringen. Hillary muss das ganze Geld dieser Länder zurückgeben.» (siehe auch Kasten Seite 48) «Wenn wir die Lebensqualität aller Amerikaner erhalten möchten – Frauen, Kinder, Homo und Hetero, Juden und Christen und alle Menschen – dann müssen wir die Wahrheit über den radikalen Islam sagen», beharrte Trump. «Wer ist der echte Freund der Frauen und der LGBT-Gemeinschaft: Donald Trump mit seinen Handlungen oder Hillary Clinton mit ihren Worten?» Das Enfant terrible der Republikaner hatte bereits nach dem islamischen Terroranschlag von San Bernadino am 2. Dezember 2015 gefordert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen, solange die nationale Sicherheit gefährdet sei. Nach Orlando bekräftigte er seinen Standpunkt: «Unterm Strich ist der einzige Grund, weswegen der Mörder überhaupt in Amerika war, dass wir seiner Familie erlaubt hatten, hierher zu kommen. Das ist eine Tatsache, über die wir reden müssen.» «Ich weigere mich, politisch korrekt zu sein.» Trump Präsident Barack Obama und Clinton bezeichnete der 70-jährige Milliardär als Sicherheitsrisiko, weil sie «unsere Geheimdienste behindern und bei der Unterstützung der Rechtsdurchsetzung versagen». Da Obama es in seiner Kondolenzrede wie üblich vermied, vom «radikalen Islam» zu sprechen, legte Trump ihm den Rücktritt nahe. Und «falls Hillary Clinton nach diesem Angriff noch immer nicht die beiden Worte sagen kann, dann sollte sie aus dem Rennen um die Präsidentschaft aussteigen». Seine Zuhörer warnte Trump vor Hillary und Co: «Sie haben politische Korrektheit dem gesunden Menschenverstand, sowie Ihrer Sicherheit und allem anderen vorgezogen. Ich weigere mich, politisch korrekt zu sein.» Die Leier vom Waffenverbot Weil das vom Täter benutzte Sturmgewehr AR-15 in den USA im Handel frei erworben werden kann, erklärte Clinton: «Ich glaube, Kriegswaffen haben auf unseren Straßen keinen Platz.» Wenn Yankees oder ihre Dschihad-Freunde solche Waffen nicht auf amerikanischen, sondern auf syrischen und libyschen Straßen einsetzen, hat die Dame bekanntlich nichts einzuwenden… Der bekennende Waffennarr Donald Trump hielt Clinton vor: «Ihr Plan ist es, gesetzestreue Amerikaner zu entwaffnen und den zweiten Zusatzartikel abzuschaffen, damit nur noch die bösen Typen und Terroristen Waffen besitzen. Sie will den Amerikanern die Waffen wegnehmen und dann die Leute hierher holen, die uns abschlachten wollen.» Das AR-15 ist die zivile Version des Militärgewehres M-16. Foto: CC0 Public Domain, Pixabay Verräterisch ist der Appell der demokratischen Präsidentschaftskandidatin, nach Orlando müsse man Streitigkeiten beiseitelegen – wie nach dem 11. September 2001. «Am 12. September versammelten sich Amerikaner aus allen Gesellschaftsschichten für ein gemeinsames Ziel», sagte Clinton, die damals für den Irakkrieg stimmte. Damit liegen die Unterschiede auf dem Tisch: Trump will die islamische Gefahr im Inland bekämpfen, durch Polizeimaßnahmen und Einreisesperren. Clinton dagegen will die Moslems in den USA gewähren lassen – aber, wie Bush nach 9/11, ihre Herkunftsländer bombardieren. Der Attentäter Omar Mateen. Foto: picture alliance/AP Photo Bild links: Donald Trump während seiner Rede am 13. Juni 2016 in Manchester, New Hampshire. Foto: picture alliance/AP Photo _ Tino Perlick ist COMPACT-Korrespondent und bereitet für Ende September eine Sonderausgabe in der Reihe COMPACT-Spezial über die US-Präsidentschaftswahlen vor. 43

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