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COMPACT-Magazin 07-2016

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COMPACT Dossier Schlacht der Milliardäre _ von Tino Perlick Donald Trump hat mehr Stimmen in einer Vorwahl erhalten als je ein Republikaner vor ihm. Mit seiner Botschaft «Amerika zuerst» beflügelt er die Träume der weißen Mittel- und Unterschicht. Für das Establishment ist der Globalisierungsgegner ein Albtraum, Linksliberale halten ihn gar für den neuen Hitler. «Money, Money, Money» tönte es bassunterlegt aus den Lautsprechern, als 85.000 Zuschauer im gigantischen Ford-Field-Hallenstadion augenblicklich außer Rand und Band gerieten. Die Musik gehörte zu ihrem Idol, einem New Yorker Multimilliardär und Reality-TV- Star mit schönen Frauen und gewöhnungsbedürftiger Frisur: Donald John Trump ist ihr Mann, ihre Marke. Wahlkampfslogan von Donald Trump. Foto: Twitter/Donald Trump US-Wähler bekennen sich gerne zu ihren Favoriten: Hier ein Trump- Unterstützer im Februar 2016 in Nevada. Foto: Gage Skidmore, CC BY-SA 2.0, Flickr Vordergründig drehte sich Trumps neun Jahre zurückliegender Auftritt bei Wrestlemania 23, der wichtigsten Veranstaltung im Wrestling-Showgeschäft, tatsächlich um seine ikonischen blonden Haare. Würde sein Kämpfer, ein afroamerikanisches Muskelpaket, im Match gegen das samoanische Monster Umaga unterliegen, dann dürfte Trumps erbitterter Rivale, der Boss des Wrestling-Imperiums WWE, Vince McMahon, noch im Ring Trumps Schädel kahl rasieren. So waren die Regeln des als «Schlacht der Milliardäre» angekündigten Megaspektakels. Am Ende konnten die Fans des Immobilientycoons aufatmen: Trumps Mann siegte, und es war McMahon, der sich die Haare scheren lassen musste. Unter tosendem Applaus hatte «The Donald» den unbeliebten Wrestlingboss bereits Minuten vorher zu Boden geworfen und mit mehreren Fake- Schlägen auf den Kopf attackiert. Doch auch McMahon hatte gut lachen. Wrestlemania 23 war die bis dato kommerziell erfolgreichste Freestyle-Show aller Zeiten. Brot und Spiele Man kennt sich. Ende der 1980er Jahre, als Wrestler wie Hulk Hogan noch den Typus des unfehlbaren All-American repräsentierten, der gegen böse Sowjets in den Ring stieg und den Kindern sagte, sie sollten ihre Vitamine essen, hatte das Trump Plaza in Atlantic City zwei Wrestlemanias ausgerichtet. 20 Jahre und drei Präsidenten später war diese Leichtigkeit verschwunden. Ronald Reagans Steuerpolitik, Bill Clintons nordamerikanisches Freihandelsabkommen NAFTA und George W. Bushs Irak-Abenteuer wurden allesamt auf dem Rücken der amerikanischen Mittelund Unterschicht ausgetragen. Es passt, dass Trumps gefeierter Wrestlemania-Auftritt in der ehemaligen Autostadt Detroit stattfand. In durch die Globalisierung verödeten Orten wie diesem stößt sein Versprechen, Arbeitsplätze zurück ins Land zu holen, heute auf massenhaften Zuspruch. «Ich hatte das Gefühl, dem Land (…) etwas zurückgeben zu müssen.» Trump 44 Trumps Wählerbasis ähnelt dem Wrestling-Publikum: Es sind Weiße jeden Alters, die höchstens einen High-School-Abschluss haben und zur unteren Einkommensschicht zählen. Auch im politischen Showgeschäft kauft diese Gruppe Trump die Rolle

des «guten» Milliardärs zu 100 Prozent ab. Zu Tausenden jubeln sie, wenn er in die Turnhallen der Großund Kleinstädte kommt, um seine Botschaft, «America First» (deutsch: Amerika zuerst) zu verbreiten. Heute tönen dabei aus den Lautsprechern Rocksongs wie «We’re not gonna take it anymore» (deutsch: Wir lassen es uns nicht länger gefallen) oder die Rocky- Hymne «Eye of the Tiger» – auch Trump hatte sich ja irgendwie durchboxen müssen. Amerika zuerst Die Frage, ob der Multimilliardär nur eine Rolle spielt wie seinerzeit bei Wrestlemania, ist berechtigt. Ausgerechnet die schillernde Medienfigur Trump soll Glaubwürdigkeit zurück in die Politik bringen. «Ich hätte das hier nicht tun müssen», sagte er nach seinem überragenden Vorwahlsieg in Kalifornien am 7. Juni mit ernster Miene. «Einfach ist es nicht, glauben Sie mir. Aber ich hatte das Gefühl, unserem wundervollen Land, das so gut zu mir und meiner Familie gewesen ist, etwas zurückgeben zu müssen.» Seine Wahlkampfmaxime «Amerika zuerst» fasst Trump wie folgt zusammen: «Außenpolitisch bedeutet es, dass wir nie wieder in irgendeinen Konflikt eintreten werden, es sei denn, dies macht uns sicherer als Nation. (…) Handelspolitisch bedeutet es, dass der Arbeitsplatz des amerikanischen Arbeiters vor unfairer ausländischer Konkurrenz beschützt werden wird.» Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP lehnt Trump ab: «Wenn es kein tolles Abkommen für unser Land und unsere Gemeinschaften ist, werden wir es nicht unterzeichnen.» Die Panik des Establishments vor einem Siegeszug des spätentschlossenen Querulanten (siehe Infokasten Seite 46) spricht für sich. 121 Republikaner aus dem nationalen Sicherheitsbereich unterzeichneten Anfang März einen offenen Anti-Trump-Brief, darunter viele Neokonservative wie Robert Kagan, einer der Rädelsführer des Irakkriegs 2003. Die Konzernmedien, die den imperialistischen Marsch von Irak bis Syrien stets mitgeblasen haben, sind Trump ebenfalls spinnefeind. Zuletzt ergötzten sie sich am Skandal der Trump University, einem nicht akkreditierten, teuren Online- Seminarangebot, das den Studenten das Geld aus der Tasche zog. Übersehen wird, dass der Zugang zu höherer Bildung in den USA allgemein ein Geschäftsmodell ist. Am größten profitorientierten Universitätsnetzwerk der Welt, der Laureate Education, verdienen die Clintons durch ihre beteiligte Stiftung seit Jahren kräftig mit. «Muslime zerstören Europa. In den Vereinigten Staaten lasse ich das nicht zu.» Trump Trumps Gegner echauffieren sich abwechselnd wegen seines Mundwerks oder seiner angeblichen Fremdenfeindlichkeit. Zum Mundwerk ließe sich anmerken, dass das sprachliche Niveau der Wahlkämpfe bereits seit Abraham Lincolns Zeiten abgestürzt ist – lange vor Trump. Und seine Pläne, eine Über das tatsächliche Vermögen Donald Trumps gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, dafür jedoch wilde Spekulationen. Sie reichen von 150 Millionen («New-York- Times»-Autor Timothy O’Brien) bis 4,1 Milliarden Dollar («Forbes»). Er selbst taxiert sich auf 10 Milliarden. Foto: Gage Skidmore, CC BY-SA 2.0, Flickr Trump als Sonnenkönig Ludwig XIV. Foto: NYMag PR 45

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