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COMPACT-Magazin 07-2016

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Nur Nationalismus stoppt

Nur Nationalismus stoppt Imperialismus _ von Aidan O‘Brien 50 Trump gegen Clinton – das Endspiel der westlichen Demokratie: Siegt der eine, könnten Millionen Migranten ausgewiesen werden. Siegt die andere, drohen neue US-Kriegszüge mit Millionen Toten. Die Linken, die sich jetzt hinter Hillary stellen, machen einen historischen Fehler, denn sie unterstützen das größere Übel. Wenn Amerika nationalistisch wäre, würde der Rest der Welt jubilieren. Als Noam Chomsky [einer der bekanntesten Linksintellektuellen der USA] vor ein oder zwei Wochen sagte, dass er im Zweifelsfall für Hillary Clinton stimmen würde, war das für mich der Tiefpunkt. Diese Wahl ist die Hölle, ganz nach dem Geschmack von Thomas Hobbes [englischer Philosoph, fürchtete den Krieg «aller gegen alle»]: lieber Fremdenangst oder lieber Völkermord? Offensichtlich ist den Besten unter uns Linken der Völkermord lieber. Aber was ist schlimmer: die Deportation oder die Vernichtung von ein paar Millionen? Beides ist höllisch, doch die Vernichtung von Millionen ist natürlich schlimmer. Warum sieht Chomsky das anders? Er steht nicht alleine da. Die westliche Meinungsmacht steht hinter Clinton, obwohl sie den Völkermord im Irak unterstützte, die Völkermorde in Libyen und Syrien organisieren half und die Waffen für den Völkermord in Osteuropa scharf machte: Victoria Nuland ist ihr Mädchen. [Nuland gehört zu den Einpeitschern des NATO-Putsches in der Ukraine 2014 und der aktuellen Mobilmachung an der NATO-Ostfront]. Demgegenüber ist alles, was Trump vorhat, eine Grenzmauer zu bauen und mit dem Ku-Klux-Klan anzubandeln. Und dennoch soll er die größte Bedrohung für die westliche Demokratie sein? Wenngleich Trumps Außenpolitik wahrscheinlich ein «Weiter so», also «Völkermord wie bisher» sein wird, besteht eine Chance – wie winzig auch immer –, dass er die Pläne des Westens für den Dritten Weltkrieg durchkreuzt. Wir wissen, dass Clinton zum außenpolitischen Establishment des Westens gehört. Und wir wissen, dass Trump nicht dazugehört. Warum also Trump mehr fürchten als Clinton? Isolationismus versus Globalisierung Für westliche Liberale und Linke ist Nationalismus das schmutzigste Wort, das es gibt. In ihren Augen bedeutet es schlicht Faschismus, Protektionismus, völkisches Gift oder einfach die gute alte Fremdenangst. Im Zeitalter der Globalisierung ist Nationalismus der Schwarze Mann. Und Trump spielt diese Rolle perfekt. Was aktuell als Globalisierung bezeichnet wird, ist allerdings ein Euphemismus, im Grunde handelt es

COMPACT Dossier sich dabei nur um eine neue Variante des westlichen Imperialismus. Der Kontrapunkt zu Nationalismus ist also Imperialismus. Doch das Wort Imperialismus wird selten – falls überhaupt – in westlichen Medien verwendet. Die TV-Sprecher und Schreiberlinge spotten über die Vorstellung, Trump würde «Amerika wieder groß machen», aber verschweigen wissentlich, dass es Clintons Vorhaben ist, «das amerikanische Imperium wieder groß zu machen». Im Allgemeinen stellt man sich im Westen stumm, wenn es um den westlichen Imperialismus und dessen Völkermord-Bilanz geht. Dagegen schreit man auf, wenn es um westlichen Nationalismus geht. Als ob Nationalismus – und nicht Imperialismus – an allem schuld wäre. Aber: Wenn Amerika nationalistisch wäre, würde der Rest der Welt jubilieren. Der Rest der Welt würde sich sicher fühlen. Und das ist der springende Punkt: Die Welt fühlt sich derzeit nicht sicher, weil Amerika überall ist. Es ist imperialistisch. Und wenn Amerika plötzlich heimkehren und sich auf sich selbst konzentrieren würde, müsste Amerika ausnahmsweise einmal so leben wie der Rest der Welt. Amerika müsste mit Amerika leben. Amerika müsste in Angst vor Amerika leben. Ist es das, was die Kritiker von Trump am meisten fürchten? Trumps Nationalismus ist eine Bedrohung für westliche Liberale und Linke, weil er sie zwingen könnte, das erste Mal in ihrem Leben tatsächlich für ihr geschätztes Wertesystem zu kämpfen. Clintons Imperialismus dagegen wird ihren Schlummer nicht stören: Clintons Killing Fields werden nämlich weit weg in fremden Ländern sein, wohingegen die von Trump im Inland sein könnten. Trump schafft die Möglichkeit eines Amerika, das mit sich selbst ringt, anstelle eines Amerika, das gegen den Rest der Welt Krieg führt. Was der Euro mit Europa getan hat, könnte Trump mit den USA gelingen: es fragmentieren. Und dies würde, für die Opfer des westlichen Imperialismus, eindeutig eine gute Sache sein. Das Einzige, was Amerikas genozidale Außenpolitik stoppen kann, ist Amerika selbst. Mit anderen Worten, das Einzige, was den US-Imperialismus heute stoppen kann, ist der US-Nationalismus. Falls das Mauern und Xenophobie quer durch die USA und womöglich sogar Selbstzerstörung (à la EU) bedeutet, dann sei es so. Die USA und die EU verdienen, was sie bekommen – solange sie blind für ihre eigenen Verbrechen sind. Die ganz andere Wiederkehr des Faschismus Ein ähnlicher Fall wie Chomsky ist Yanis Varoufakis [Gallionsfigur der griechischen Regierungslinken Syriza]. Auch sein Schwarzer Mann ist der Nationalismus und nicht der Imperialismus. In seinem nützlichen Buch And the Weak Suffer What They Must? [Und die Schwachen erdulden, was sie müssen?] analysiert er die Krise der EU. Auf 300 Seiten erwähnt er jedoch die NATO kein einziges Mal. Er unterlässt es, die soziale Zerstörung von Griechenland mit der völligen Zerstörung des Irak, Libyens und Syriens in Verbindung zu bringen – obwohl die Zerstörer dieselben Leute sind: die Führer der NATO. Tatsächlich gerät Varoufakis in die «Allen Beweisen zum Trotz ist ein vereinigter Westen das Beste»- Falle. Er ist nicht nur ein engagierter Pro-Europäer: Er ist obendrein ein engagierter Atlantiker. Während er von Amerikas Keynesianern [Anhänger der US-Wirt- Bild links: Protest gegen den Irakkrieg am 31. Dezember 2006 in Santa Monica. Bis zu diesem Zeitpunkt waren im Zweistromland bereits 3.000 Amerikaner gefallen. Foto: Max Morse/Reuters Indem sich Nationen von der NATO oder der EU abspalten, können sie die Welt befreien. Schießen statt reden: Ein 120-Millimeter-Mörser im Irakkrieg. Foto: Public domain, Wikimedia Commons 51

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