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COMPACT-Magazin 07-2016

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COMPACT Leben Unsere Helden _ Thusnelda Thusnelda, geboren um 10 vor Christi, war eine Fürstentochter aus dem Stamm der Cherusker. Sie muss eine starke, stolze junge Frau gewesen sein, wie dies generell von den Germaninnen berichtet wird, und widersetzte sich auch ihrem Vater Segestes: Anstatt den Mann zu heiraten, dem er sie versprochen hatte, ließ sie sich kurzerhand von ihrem Geliebten Arminius – der später die Römer im Teutoburger Wald vernichtend schlagen sollte – entführen und vermählte sich mit ihm. Wahrscheinlich teilte Thusnelda seine Weltanschauung und stand der Besatzungsmacht kritisch gegenüber. Ihr Vater aber hielt, trotz des genialen Sieges von Arminius und obwohl seine Tochter inzwischen schwanger war, den Kolonialherren die Treue. Bei einem weiteren Vorstoß der Römer Richtung Weser, diesmal unter Germanicus im Jahr 15 nach Christi, lieferte er seine eigene Tochter an die Feinde aus! «Man fand da edle Frauen, unter ihnen die Gattin des Arminius (…), zu keiner Träne zu bringen, zu keinem bittenden Wort sich erniedrigend, die Hände unter der Brust gefaltet und niederblickend auf das, was sie unter dem Herzen trug», schrieb Tacitus. Beim Triumphzug in Rom wurde die Cheruskerin der jubelnden Menge als Kriegsbeute präsentiert, zusammen mit ihrem Bruder und ihrem mittlerweile geborenen Sohn Thumelicus. Segestes soll von der Zuschauertribüne aus zugesehen haben – so der griechische Geschichtsschreiber Strabo. Ob er seinen Verrat bereute und wie es mit den Gefangenen weiterging, ist nicht überliefert. Arminius soll fast wahnsinnig geworden sein über die Verschleppung seines treuen Weibes – und suchte sich zeitlebens keine neue Frau. Die Geschichte der beiden hat viele Dichter und Komponisten inspiriert, insbesondere in nationalen Krisenzeiten. Friedrich Gottlieb Klopstock schildert in einem Gedicht, wie Arminius (hier zu Hermann verdeutscht) von der Teutoburger Schlacht zurückkommt und von seiner Gattin mit folgenden Worten empfangen wird: römischen Legaten Ventidius umworben wird, der es besonders auf ihre goldenen Haare abgesehen hat. Thusnelda kann sich gar nicht vorstellen, warum der Besatzer ihr eine Locke abgeschnitten hat, und deutet sein schmieriges Verhalten als Verliebtheit. Arminius kennt die räuberische Mentalität der Imperialisten besser und belehrt seinen Schatz: Die schmutzgen Haare schneiden sie sich ab, Und hängen unsre trocknen um die Platte! Blond galt bei den Römern als «göttliche Haarfarbe», Perücken aus solchen Locken, den Germaninnen abgeschnitten, waren in der römischen Oberschicht «en vogue». Kleists Drama war lange Pflichtlektüre in deutschen Schulen – und Thusnelda im 19. Jahrhundert ein beliebter Vorname. Sogar eine Schokoladenmarke und eine Jugendzeitschrift wurden nach ihr benannt. Foto: picture alliance/akg-images Hermann, Hermann, so hat Dich Niemals Thusnelda geliebt! Selbst nicht, als Du zuerst im Eichenschatten Mit dem bräunlichen Arm mich wilder umfasstest! Fliehend blieb ich und sah Dir Schon die Unsterblichkeit an, Die nun Dein ist!» Heinrich von Kleist nahm die historische Vorlage, um das deutsche Volk zum Befreiungskampf gegen Napoleon zu erwecken. In seinem Drama Die Hermannsschlacht ist Thusnelda eine liebreizende Schönheit, die – obwohl sie ja schon vergeben ist – vom Solche «Menschenjägerei» findet Thusnelda abscheulich und glaubt das alles nicht so recht – bis sie schließlich einen Brief des Ventidius an die Gattin des römischen Kaisers findet, worin dieser die Haare der schönen Cheruskerin versprochen werden. Jetzt ist es auch bei Thusnelda endgültig vorbei mit der Sympathie für den verlogenen Römer. Sie besteht darauf, eigenhändig Rache zu nehmen und lockt Ventidius in den Käfig einer Bärin, wo dieser seiner gerechten Strafe zugeführt und zerfleischt wird. Die vertrauensselige Thusnelda verkörpert hier die deutsche Gutgläubigkeit – die aber kein Erbarmen kennt, wenn sie sich hintergangen fühlt. Thusnelda verkörpert die deutsche Gutgläubigkeit _ Pia Lobmeyer schrieb in COMPACT 2/2016 über die Germaninnen. 65

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