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COMPACT-Magazin 08-2016

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COMPACT Köpfe des Monats Foto: picture alliance / AP Photo Foto: picture-alliance / ZB Foto: picture alliance / AP Photo Aufsteiger des Monats _ Theresa May Absteiger des Monats _ Jörg Kachelmann Wer ist eigentlich _ Virginia Raggi 10 Ihre Frisur erinnert an die von Margaret Thatcher. Auch ihr Weg an die Macht dauerte ähnlich lange, wie jener der berühmten Amtsvorgängerin. 1992 bewarb sich May erstmals für einen Sitz im Unterhaus. Fünf Jahre später gelang ihr der Sprung nach Westminster – entgegen dem Trend der Konservativen, die damals ein Viertel der Wähler einbüßten. 2002 und 2003 agierte May kurzzeitig als Generalsekretär der Tories, 2010 holte David Cameron sie als Innenministerin in sein Kabinett. Anders als der elitäre Cameron, aber auch Brexit-Führer Boris Johnson, stammt May nicht aus der Karriereschmiede privater Colleges, sondern besuchte eine öffentliche Schule. Mit zwölf Jahren verkündete sie, Politikerin werden zu wollen, arbeitete nach einem Geografiestudium jedoch zunächst bei der Bank of England. Ihr Privatleben behielt die 59-Jährige lange Zeit fast vollständig für sich. Mittlerweile spricht sie über ihre Diabetes sowie ihre Hobbys Kochen und Wandern. Wie Angela Merkel ist May Pfarrerstochter und kinderlos, von ihrem Ehemann Phillip ist praktisch nur der Name bekannt. Wird Theresa May nun Britanniens Mutti – oder eher eine neue Eiserne Lady? Gegenüber ihren Mitbewerbern um den Schlüssel für Downing Street 10 boxte sie sich zwar leise, aber auffallend zügig durch. Die Flutung der Insel mit Migranten lehnt sie ab. Multinationale Konzerne will sie an die Steuerkasse bitten, zudem die Rechte von Arbeitnehmern stärken. Zum Amtsantritt machte sie deutlich: «Brexit heißt Brexit». (fb) 512.785,66 Euro – so hoch dürfte die Summe ausfallen, die der Axel-Springer-Verlag dem Wettermoderator Jörg Kachelmann einschließlich Zinsen überweist. Mitte Juli reduzierte das Oberlandesgericht Köln den ursprünglich bei 635.000 Euro liegenden Schadenersatz – Spätfolge jenes Prozesses, in dem Kachelmann 2010 der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin beschuldigt und im März 2011 mit dem ausdrücklichen Hinweis «im Zweifel für den Angeklagten» freigesprochen wurde. Vor allem die Bild-Zeitung hatte ihn seinerzeit quasi schuldig geschrieben und dafür als Starautorin die Alt- Feministin Alice Schwarzer aufgeboten. Nun muss Springer zwar die bislang höchste Entschädigung zahlen, zu der je ein Pressekonzern in Deutschland verurteilt wurde – dennoch verlässt Kachelmann das Feld praktisch als Verlierer. Ursprünglich verklagte er das Medienhaus auf zwei Millionen, scheiterte also mit seinem eigentlichen Ansinnen und muss daher einen Großteil der Gerichtskosten übernehmen. Vor allem jedoch konnte Kachelmann nie wieder an seine alten Erfolge anknüpfen. Nach ersten Wettermoderationen bei Südwest 3 verlief sein Aufstieg in der ARD ab Mitte der 1990er Jahre kometenhaft. Zeitweise kündigte der Schweizer auf den Bildschirmen nicht nur Sonne und Regen an, sondern moderierte auch die MDR-Talkshow Riverboat, die Quizsendung Einer wird gewinnen, schließlich sogar ein eigenes Late-Night-Format. Mittlerweile spricht Kachelmann das Wochenendwetter auf einem Lokalsender. (km) Ihre Familie wird Roms neue Bürgermeisterin in Zukunft wohl selten sehen. Dabei waren es die Angehörigen, die Virginia Raggi zum Wechsel in die Politik animierten. Nach der Geburt ihres Sohnes wurde der heute 37-Jährigen klar, in welch katastrophalem Zustand sich die öffentliche Infrastruktur der ewigen Stadt befindet. Über ihren Ehemann stieß sie schließlich zur Protestpartei Fünf Sterne des Komikers Beppe Grillo. 2013 zog Raggi für die Bewegung ins Stadtparlament, Ende Juni sogar ins Rathaus ein. Ob die Quereinsteigerin – Raggi war bislang angestellte Juristin für Patent- und Markenrecht – der Aufgabe gewachsen ist? Immerhin verkam Rom in den vergangenen Jahrzehnten praktisch zu einer Stadt, die eher an die Dritte Welt als an die einstige imperiale Metropole erinnerte. Die millionenteure Müllabfuhr hat ihre Arbeit in weiten Teilen eingestellt. Der Verkehr kommt nach Regenfällen regelmäßig zum Erliegen. Der öffentliche Gesundheitsdienst kann selbst lebensbedrohliche Erkrankungen kaum noch behandeln. In der Verwaltung blühen Patronage und offensichtliches Desinteresse: Selbst der aktuelle Schuldenstand und die genaue Einwohnerzahl Roms sind im Rathaus nicht bekannt. Nun will Raggi aufräumen. «Legalität und Transparenz» versprach sie den Wählern. «Wir wollen der Stadt ihren Glanz zurückgeben.» Dass sie nicht aus dem politischen Filz stammt, zudem keiner der Altparteien angehört, waren wohl Raggis größte Trümpfe im Kampf um die Gunst der Römer. (mmm)

COMPACT Titelthema Weltkrieg gegen Putin _ von Jürgen Elsässer Die NATO zieht blank und marschiert mit Kampftruppen an der russischen Grenze auf – unter Bruch früherer Vereinbarungen mit Moskau. Von Syrien und der Ukraine kann der Zündfunke jederzeit auf Osteuropa überspringen – im Ernstfall droht der Nordatlantikpakt mit dem Ersteinsatz von Atomwaffen. «Man kann sich einen Dritten Weltkrieg nicht einfach vorstellen wie einen Zweiten Weltkrieg, nur mit moderneren Waffen. (…) Ein Dritter Weltkrieg würde beginnen, ohne dass es die Menschen überhaupt merken», ist August Cole überzeugt. Der Militärexperte leitet das Projekt Art of Future Warfare (Kunst des Kriegshandwerks der Zukunft) der einflussreichen Washingtoner Denkfabrik Atlantic Council und skizzierte im März gegenüber dem Magazin Focus das von ihm angenommene Szenario. Demnach stünde am Anfang nicht zwingend eine militärische Invasion oder ein Raketenangriff. «Ich glaube, das erste Zeichen dafür, dass ein großer Konflikt ausbricht, wäre im Weltraum zu finden», so der Stratege. Wenn Satelliten ausgeschaltet werden, sind Staaten angreifbar, weil ihr Kommunikationsnetz und die GPS-gesteuerte Navigation weitgehend erschwert werden, sowohl im zivilen wie im militärischen Bereich. Der Bürger würde den Beginn der Kampfhandlungen zunächst nur daran erkennen, dass die Mobiltelefone nicht mehr richtig funktionieren oder das Internet flächendeckend gestört sei. «Auch im Cyber-Space würden erste Attacken eines Dritten Weltkriegs stattfinden», sagte Cole. «Denkbar seien etwa Hacker-Angriffe auf verschiedene wichtige Ziele. In den USA könnte das beispielsweise die Wall Street sein.» Cole hat seine Schreckensvision 2015 in dem Roman Ghost Fleet ausgemalt, der unter Generälen und Strategen angeblich viel gelesen wird. Apokalypse 2017 Auch Sir Richard Shirreff hat einen Thriller verfasst und sogar ein konkretes Jahr für den Ausbruch der atomaren Apokalypse angegeben: 2017 – War with Russia. Der Brite dürfte aufgeschrieben haben, was uns die NATO-Generalität insgesamt glauben lassen will, schließlich war er stellvertretender Europa-Oberbefehlshaber des Nordatlantikpakts, zwischen 2011 und 2014. In seinem Roman geht er von einer Offensive Russlands gegen die baltischen Staaten aus, die einerseits von Angst – Moskau fürchte eine Einkreisung durch die NATO –, andererseits von Überheblichkeit – Putin gehe von einer militärischen Unterlegenheit des Westens aus – getrieben werde. Was aus Atombomber mit Begleitung: Jagdflugzeuge aus Polen den USA, Deutschland, aber auch dem neutralen Schweden flankieren am 9. Juni eine B-52 über der Ostsee. Foto: U.S. Air Force, Erin Babis, Public Domain, flickr.com «Ich riskiere doch nicht für Sie den Dritten Weltkrieg!» NATO-Offizier Jackson 11

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