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COMPACT-Magazin 08-2016

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COMPACT Politik Die Herrenmenschin _ von Martin Müller-Mertens Seit in Deutschland die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird, fällt der Name Anetta Kahane immer häufiger. Foto: picture alliance / dpa 26 Einst Spitzel der Staatssicherheit, jetzt Agentin der Deutschland- Abschaffer: Fanatisch kämpft Anetta Kahane für den großen Austausch der einheimischen Bevölkerung. Kahane hat «Personen belastet». Führungsoffizier Mölneck Ihre Karriere begann spät: Lange schwamm Anetta Kahane von der Öffentlichkeit unbeachtet im Strom der staatlich gepäppelten Anti-Rechts-Industrie. Doch mittlerweile hat sich die heute 62-Jährige zu einer Chefeinpeitscherin der Deutschenfeindlichkeit gemausert, zur Ikone der Vielfalt-Religion. «Ohne sie, vielleicht klingt das ein bisschen zu pathetisch und dennoch ist es wahr, wäre die frühere DDR niemals demokratisch geworden», schwelgte der antideutsche Publizist Martin Jander 2015 auf der Internetseite Hagalil. Tatsächlich unterscheidet sich Anetta Kahane substantiell vom Heer der oft nur emotional getriebenen Vielfalt-Apologeten. Die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung geht strategisch vor. Jeder ihrer Schritte scheint durchgeplant, ein unerbittliches Freund-Feind- Schema hilft ihr bei der Denunziation von Dissidenten. Ein biologistisches Menschenbild sichert den missionarischen Eifer ihrer Hatz ideologisch ab. Auf der Plattform Mut gegen rechte Gewalt schreibt sie 2015: «Das ist eine weitere Spezialität des Menschen, die ihn von Tieren unterscheidet: Er hasst wirr um sich herum. Und weil Hass sich niemals verbraucht, nie aufhört oder von allein verschwindet, macht er immer so weiter.» Die Quintessenz dieses Weltbildes lautet: Da der Mensch quasi genetisch zu immerwährendem Hass verdammt sei – der ist in ihrer Halluzination nämlich «niemals verbraucht» –, könne er nur durch dauerhaften Zwang im Namen von Vielfalt und Toleranz im Zaume gehalten werden. IM Victoria Der Weg der Anetta Kahane bis zur Predigerin des vollendeten Multikulturalismus liegt teilweise im Dunkeln. 1954 wird sie in Berlin geboren. Den Eltern Max und Doris gelingt als jüdischen Kommunisten die Emigration aus Hitlers Deutschland. Nach 1945 gehen sie in die Sowjetische Besatzungszone. Max Kahane macht schnell Kariere, steigt zum Chefredakteur der Nachrichtenagentur ADN auf. Doch 1952 gerät er in die Mühlen der letzten – deutlich antisemitisch geprägten – stalinistischen Säuberung. Der DDR dient er dennoch in vollendeter Linientreue weiter, was nur durch Selbstverleugnung gelingen kann. Sie sei «unter dem Eindruck der Traumata meiner Eltern» aufgewachsen, sagt Kahane heute. In ihrer Jugend habe sie als «unzuverlässig» gegolten, beteuert sie inzwischen. Doch dann entscheidet sich Kahane für die Macht. Ab 1974 arbeitet sie unter dem Decknamen Victoria als Informelle Mitarbeiterin der DDR-Staatssicherheit. Als Jugendliche dem Druck der MfS-Anwerber

COMPACT Politik nicht standgehalten zu haben, mag ihr kaum vorzuwerfen sein. Doch ein Bericht der Berliner Zeitung deutet darauf hin, dass IM Victoria dem Spitzelimperium geradezu beflissen zu Diensten war. 800 Seiten sollen ihre Akten umfassen. Demnach «notierte ihr Führungsoffizier Mölneck erfreut, dass die damals 19-Jährige bereits beim zweiten Treff ”ehrlich und zuverlässig” berichtet und auch ”Personen belastet” habe». Angeblich verriet sie vor allem in der DDR lebende Ausländer – also genau jene Gruppe, die sie heute vergottet. «Ich habe gesagt, die sind nicht politisch gefestigt, die liegen nicht richtig. Da habe ich Leute genannt», räumte sie 2004 gegenüber der Taz ein. Aufschlussreicher als Kahanes Eingeständnis ihres Denunziantentums ist jedoch ihre fast manisch anmutende Selbstüberschätzung. «Meine Aufgabe war nicht, Leute zu bespitzeln, sondern man wollte mich in Diplomatenkreisen einsetzen: in der Hoffnung, dass Dienste versuchen, mich anzuwerben», behauptet sie im April gegenüber der Jüdischen Allgemeinen. Jung- Anetta als Erich Mielkes Femme fatale, deren Reizen weder BND noch CIA widerstehen können? Gut möglich, dass sie wirklich daran glaubte. Bis heute wirkt sie bei ihren politischen Feldzügen arrogant und selbstverliebt. Ende der 1980er Jahre ist sie «als stalinistischer Prügelmolch aufgetreten». Peter Feist Zu dieser Interpretation passt auch, wie Zeitzeugen Kahane Ende der 1980er Jahre an der Berliner Humboldt-Universität erleben: Sie wettert im Schlepptau der ultraorthodoxen SED-Kreisleitung gegen den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow, der mit Glasnost und Perestroika für eine Lockerung der Repression in den sozialistischen Staaten wirbt. Auch der Philosoph Peter Feist studierte 1983 bis 1988 an der Alma Mater. «Da ist sie damals dadurch aufgefallen, dass sie bei den wenigen öffentlicheren Diskussionen immer als stalinistischer Prügelmolch aufgetreten ist. Damals hat sie übrigens vor allem antizionistisch argumentiert, heute ist sie natürlich stolz auf ihr Judentum.» Die Amadeu-Antonio-Stiftung Mit der Wende wechselt Kahane in den Ausländerlobbyismus. Im Mai 1990 wird sie die erste Ausländerbeauftragte des Ostberliner Magistrats. «Inländer müssen begleitet werden, weil sie keinerlei Erfahrung haben, was es heißt, mit Ausländern zusammenzuleben», sagt sie damals der Berliner Taz-Lokalausgabe. Es sei wichtig, Ängste «mit enorm viel Öffentlichkeitsund Kulturarbeit und enorm viel Verständnis auch für die Deutschen abzufedern» – Sätze, aus denen ein noch zurückhaltend formulierter, aber doch bereits unverkennbarer Hang zur Erziehungsdiktatur herausklingt. Im Jahre 2000 ruft der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder den staatlich finanzierten «Aufstand der Anständigen» aus. Zwei Jahre später gründet Kahane die heutige Amadeu-Antonio-Stiftung. Ein gleichnamiger unselbstständiger Vorläufer war bereits Überwachung war sein Credo: Kahanes einstiger Chef, der Minister für Staatssicherheit Erich Mielke. Foto: BA 183-1985-0206- 042, CC-BY-SA 3.0, Wikimedia Commons Eine der vielen Hetz-Broschüren der Amadeu-Antonio-Stiftung. Foto: Amadeu-Antonio-Stiftung Nach Aktenlage bricht sie 1982 mit der Staatssicherheit, «was zu erheblichen beruflichen und persönlichen Nachteilen führte», wie es in der offiziellen Kurzbiografie der Amadeu-Antonio-Stiftung heißt. 1986 stellt sie einen Ausreiseantrag. Sind diese beiden Schritte Ausdruck einer Läuterung von IM Victoria? Eher im Gegenteil. Bei Auslandsaufenthalten in Sao Tome und Mosambik will sie nämlich bei Begegnungen mit DDR-Funktionären festgestellt haben, «wie tief der Rassismus in den Menschen und in der DDR als Staat verwurzelt war». Die «ideologische Basis» der DDR ist von diesem Zeitpunkt an für sie «so etwas wie das Betriebssystem, auf dem Antisemitismus fortgeschrieben, betrieben und ignoriert wurde». Die DDR sei «der deutschere der beiden Staaten», sagt Kahane – aus ihrem Mund kein Kompliment, sondern ein verächtliches Verdikt. Ihre Abwendung von Stasi und SED scheint also nicht ihrem Abscheu vor der Überwachung ihrer Mitbürger geschuldet, sondern – ganz im Gegenteil – ihrem Verdacht, dass die DDR bei der Überwachung der vermeintlich rassistischen und antisemitischen Bevölkerung viel zu lax vorgehe und auch der Antifaschismus der Genossen von Übel, da deutsch, sei. DIE BRANDSTIFTER Rechte Hetze gegen Flüchtlinge 27

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