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COMPACT-Magazin 08-2016

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COMPACT Politik 34 Blue Lives Matter Nach den Todesschüssen von Ferguson im August 2014 bildete sich die landesweite Bewegung Black Lives Matter (etwa: Schwarzes Leben ist wertvoll). Kern ist eine radikale Black- Power-Struktur, die auch schon mit dem Slogan «Wir wollen tote Cops» durch die Straßen zog und angeblich, beginnend mit Massenprotesten bei den Parteitagen von Demokraten und Republikanern Ende Juli, einen «Summer of Chaos» plant. Rückenwind erhalten die vermeintlichen Bürgerrechtler durch Facebook – seit Anfang Juli ziert die Firmenzentrale im kalifornischen Menlo Park ein gigantisches Transparent mit dem BLM-Spruch – und durch die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton, die sich bereits im Juli 2015 öffentlich zu Black Lives Matter bekannt hat. Unlängst unterstellte sie der Mehrheitsgesellschaft Rassismus: «Weiße Amerikaner müssen besser zuhören, wenn Afroamerikaner über die sichtbaren und unsichtbaren Barrieren reden, denen man täglich begegnet», twitterte sie nach den Todesschüssen in Minnesota und Louisiana. Im Gedenken an die getöteten Beamten hat sich die Bewegung Blue Lives Matter formiert – eine Anspielung auf die blauen Polizeiuniformen. Sie erfreut sich jedoch keiner vergleichbaren Unterstützung aus Politik und Massenmedien. Bild oben: Bei Protesten gegen angeblich rassistische Polizeigewalt – wie hier am 24. November 2014 in Oakland – kommt es immer wieder zu gewalttätigen Krawallen. Foto: picture alliance / AP Photo «Bürgerkrieg» titelt die größte Boulevardzeitung der USA. Foto: New York Post zent. Umgekehrt wurden im selben Jahr knapp 15 Prozent der weißen Opfer von Schwarzen ermordet (446 von 3.021). Mit anderen Worten: Mehr als doppelt so viele Weiße wurden von Schwarzen getötet wie umgekehrt – und das, obwohl die Schwarzen nur 13 Prozent, die Weißen dagegen 62 Prozent der US-Gesamtbevölkerung ausmachen. Schwieriger wird es, wenn man nur jene Toten untersucht, die auf das Konto der Staatsmacht gehen, denn die 18.000 Polizeiwachen sind nicht verpflichtet, den Tathergang zu dokumentieren, geschweige denn die Hautfarbe der Opfer. Die FBI-Statistik nennt also nur die nackte Zahl: 444 Todesschüsse im Jahr 2014. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr sieben. In die Leerstelle der amtlichen Erhebung stoßen mittlerweile private Datensammler. So hat der britische Guardian, etwa mit der linksliberalen Frankfurter Rundschau vergleichbar, für das Jahr 2015 ermittelt, dass die Cops 1.134 Menschen (also fast das Dreifache der Zahl in der FBI-Statistik für 2014!) getötet haben, darunter 577 Weiße und 300 Schwarze. Die Zeit fasst pointiert zusammen: «Junge schwarze Männer werden in den USA fünf Mal so oft von Polizisten erschossen wie junge weiße Männer.» Doch man kann dieselben Zahlen auch entgegengesetzt interpretieren: «Cops töteten im Jahr 2015 fast doppelt so viele Weiße wie Schwarze», lautete die Schlagzeile auf dem polizeifreundlichen Portal dailywire.com. In Chicago gibt es im laufenden Jahr 30 Prozent mehr Morde als 2015. Unabhängig davon stellt sich die Frage: Sind es tatsächlich mehrheitlich weiße Beamte, die auf Farbige feuern? Aus einer Untersuchung des US-Justizministeriums ergibt sich das Gegenteil, zumindest in Bezug auf das Jahr 2015 in Philadelphia: Demnach sollen schwarze Polizisten 3,3-mal häufiger Schusswaffen eingesetzt haben als Kollegen mit anderer Hautfarbe. Noch viel dringender wäre zu klären: Entspringt der überproportionale Schusswaffeneinsatz gegen Schwarze rassistischer Willkür – oder ist er bloß eine Reaktion auf die Gewalt, die von diesen ausgeübt wird? Die Publizistin Heather Mac Donald – eine gemäßigte Anhängerin der Republikaner, die Hassattacken auf Präsident Barack Obama ablehnt – schrieb im Wall Street Journal, dass bei 62 Prozent der Raubüberfälle, 57 Prozent der Morde und 45 Prozent der gewalttätigen Angriffe die Angeklagten schwarz seien. Allein in New York begingen sie 75 Prozent der Angriffe mit Schusswaffen und 66 Prozent aller gewalttätigen Delikte. Ein besonders schwerwiegendes Argument der selbsternannten Antirassisten ist, dass die Polizei immer wieder auf unbewaffnete Farbige feuere. Mac Donald hat die Fälle der – neben 31 Weißen! – auf diese Weise zu Tode gekommen 36 Afroamerikaner genauer untersucht : Mindestens zwei waren – als Passanten, die nicht von der Polizei behelligt wurden – durch Querschläger getötet worden, mindestens fünf hatten vorher versucht, dem Polizisten seine Dienstwaffe zu entwenden. Dazu gehörte demnach auch Michael Brown, dessen Erschießung am 9. August 2014 in Ferguson zu tagelangen Unruhen im ganzen Land geführt hatte. Der Ferguson-Effekt Nach Ferguson geriet die Polizei überall in den USA in die Defensive und fuhr aus Angst vor der Rassismus-Keule ihre Einsätze zurück. So entstanden oder vergrößerten sich vor allem in den Millionenmetropolen Freiräume für Kriminelle: Die Zahl der Morde ist 2015 in den 50 größten Städten der USA um 17 Prozent gestiegen. Besonders dramatisch ist die Lage in Chicago. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres wurde alle zweieinhalb Stunden jemand angeschossen, alle 14 Stunden jemand ermordet – das war eine Zunahme von 53 beziehungsweise 30 Prozent gegenüber dem ohnedies schon blutigen Vorjahr. Die meisten Toten gehen auf das Konto von Straßenbanden, die sich vor allem in den schwarzen Vierteln gebildet haben. Mac Donald sieht die Ursache darin, dass dort 80 Prozent der Väter ihre Familien verlassen und die Kinder dann bei den Müttern zurückbleiben: «Diese Lücke füllen die Gangs aus.» Das Problem gibt es zwar schon lange, wurde aber bisher durch Polizeipräsenz in den verwahrlosten Vierteln eingedämmt. Seit Jahresanfang 2016 aber haben sich die Beamten weitgehend zurückgezogen, weil sie durch ein Abkommen der Stadt mit der mächtigen Bürgerrechtsbewegung ACLU gezwungen sind, bei jeder Personenkontrolle ein Protokoll mit 70 Informationsfeldern auszufüllen – ein Aufwand, der im Schnitt eine halbe Stunde in Anspruch nimmt. «Wenn nicht endlich etwas passiert, erleben wir diesen Sommer ein Blutbad», erklärte ein Bürger gegenüber der New York Times.

COMPACT Politik Das Schweigen der Lämmer _ von David Berger Nach dem Terroranschlag in einem schwulen Nachtclub in Orlando werden homosexuelle Stimmen zum Schweigen gebracht, die auf den islamischen Hintergrund des Verbrechens hinweisen. Unser Autor kämpft schon seit Jahren gegen die Kapitulation vor dem Fundamentalismus in der Szene – sehr zum Ärger der Funktionäre, aber bei wachsender Zustimmung der Betroffenen. Schon kurz nachdem in den USA die ersten Berichte über das Massaker von Orlando die Runde gemacht hatten, erreichten mich zahlreiche persönliche Nachrichten. Eine von einem Kollegen lautete: «Wir beide haben immer davor gewarnt & wurden dafür gemobbt – aber dass es so schlimm kommen würde, haben nicht einmal wir erwartet.» Erinnerungen aus den letzten Jahren wurden wach, an jene ersten Tage im neuen Job, als ich 2013 vom ehemaligen Vatikanprofessor zum Chefredakteur des Schwulenmagazins Männer wurde – und Leser mich immer wieder fragten, ob es nun nicht an der Zeit sei, den tödlichen Homohass im Islam stärker ins Visier zu nehmen, statt immer wieder jenen der katholischen Kirche zu kritisieren. Vorsichtig wagte ich den Versuch mit einem Schwerpunktheft zu Islam und Homosexualität. Noch bevor es überhaupt erschienen war, gab es innerhalb der links-grünen Homoszene enorme Aufregung. Ein Mitarbeiter des Blogs queer. de beschimpfte mich als islamophoben Rassisten, das Magazin als «schwulen Stürmer». Gleichzeitig schrieben mir zahlreiche Betroffene, die aus deutschen Großstädten über Gewalterfahrungen durch Männer mit muslimischem Migrationshintergrund klagten. Sie betonten gleichzeitig immer, dass man bei den einschlägigen Hilfsstellen oder Homo-Medien, an die man sich gewandt habe, immer nur daran interessiert war, die Angaben über den kulturell-religiösen Migrationshintergrund möglichst tief unter den lukrativen rosa Teppich zu kehren. Ab diesem Zeitpunkt galt ich in der ganz von linksgrünen Ideologien und deren Vertretern bestimmten Homosexuellenszene in Deutschland als «rechtspopulistisch» und «islamophob». Verschwörungstheoretisch angehauchte Zeitgenossen, wie der ehemalige The European-Kolumnist Wolfgang Brosche, argwöhnten gar, ich sei als eine Art katholischer James Bond vom Papst in die Homoszene eingeschleust worden, um dort einen Kreuzzug gegen den Islam zu führen. Bald darauf warnte mich auch der Herausgeber der Huffington Post, der frühere ZDF-Morgenmagazin-Moderator Cherno Jobatey, in einem persönlichen Telefongespräch, diesen Eindruck durch islamkritische Artikel aus meiner Feder entstehen zu lassen. Auf «queer.de» wurde Bergers Magazin als «schwuler Stürmer» beschimpft. In zehn moslemischen Staaten wird Homosexualität mit dem Tode bestraft. Hier zeigen Moslems in Indonesien am 23. Februar 2016, was sie von Schwulen und Lesben halten. Foto: AFP/Getty Images 35

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