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COMPACT-Magazin 08-2016

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COMPACT Politik Ein Beispiel aus Berlin Gedenken an die Opfer des Orlando-Massakers. Foto: picture alliance / AP Photo Ab da war es in der Homoszene beschlossene Sache: Der islamkritische Berger muss weg. Mit Pauken und Trompeten kündigte schließlich die finanzstarke Deutsche Aidshilfe im November 2014 an, dass man in Männer keine Werbeanzeigen mehr schalten werde – so lange dort ein «islamophober Rechtspopulist» Chefredakteur sei. Islamkritik stünde nämlich im «Widerspruch zu den Grundsätzen der HIV-Prävention in Deutschland». Kurz darauf wurde mir von meinem Chef jede Äußerung zum Islam bis auf Widerruf verboten. Trotz Zureden von Kollegen aus dem Verlag verbot mir mein Gewissen, mich an diese Weisung zu halten. Anfang Februar 2015 erfolgte dann die Entlassung als Chefredakteur. In Talkshows wurde Berger nur eingeladen, solange er die Kirche kritisierte – und nicht den Islam. Der Rauswurf verschaffte mir ganz neue Freiheiten, über Dinge zu schreiben, die ich bisher aus strategischen Gründen verschwiegen hatte. Nun unterzog ich den Homohass im Islam einer ähnlichen Kritik, wie ich die Homophobie in der katholischen Kirche seit 2010 an den Pranger gestellt hatte. Während es jedoch vorher kaum eine Talkshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gab, zu der ich nicht als schwuler Kirchen- und Papstkritiker eingeladen worden war, wurde im Frühjahr 2016 der Versuch eines HR-Redakteurs, mit mir ein TV-Interview für eine ARD-Produktion zum Thema «Islam und Homosexualität» aufzuzeichnen, bereits im Vorfeld gestoppt: «Hetze» wolle man keine Bühne geben. Die Absage kam interessanterweise aus dem gleichen Umfeld, in dem man mich vor nicht allzu langer Zeit vor TV-Auftritten mit einem süffisanten Lächeln darauf hingewiesen hatte, dass es sich um eine Livesendung handle und man daher meine Aussagen zu einem Schwulsein und der Homophobie des Papstes nicht nachträglich «herausschneiden» könne. Nebelkerzen nach Orlando Wenige Wochen nach der Absage des ARD-Interviews brach dann das herein, wovor schwule «Islamophobe» seit Jahren gewarnt hatten: Die Schreckensnacht von Orlando, in der der afghanischstämmige Moslem Omar Mir Seddique Mateen in einem Gay- Club 49 Personen erschoss und 53 weitere Menschen teilweise lebensgefährlich verletzte. Was schockierte, waren die Reaktionen von Schwulen und Lesben in aller Welt, die zum großen Teil von einer Mischung aus Masochismus und Stockholm-Syndrom geprägt waren. Ohne sich angesichts der ermordeten Brüder und Schwestern irgendwie zu schämen, übernahm man das Schweigen Barack Obamas zum Islam als treibende Kraft des Massenmordes und stürzte sich – neben Selbstmitleidsbekundungen – in Diskussionen über die Waffengesetze der USA. Auch die inzwischen vom FBI dementierte Vermutung, Mateen könnte selbst schwul gewesen sein und habe aus Hass auf seine nicht akzeptierte sexuelle Orientierung gehandelt, sollte vom Islam ablenken. In Deutschland eröffnete der Homo-Journalist Stefan Mielchen auf Stern Online einen Nebenkriegsschauplatz, der wie gemacht war für die zum Beleidigtsein neigenden queeren Shitstormbürger: «Angela Nachdem ich 2013 eine Sondernummer des Magazins Männer zum Thema «Islam und Sexualität» gemacht hatte, meldete sich Nasser bei mir, dessen Fall ich in der Folge bekannt machen konnte: Als der heute 19-Jährige vor vier Jahren in seiner streng muslimischen Familie als schwul geoutet wurde, übergoss ihn sein Onkel mit Benzin und wollte ihn anzünden, sein Vater ihn unter dem Ruf «Allahu akbar» töten. Schließlich sollte er in den Libanon entführt und dort zwangsverheiratet werden. Die Eltern flogen an der rumänischen Grenze auf, ihnen wurde das Sorgerecht für den Sohn entzogen. Im März 2015 kam es zum Prozess gegen die Eltern in Berlin – mit überraschendem Ausgang: Die Angeklagten kamen einfach nicht zum Gerichtstermin und wurden lediglich zu einer Strafzahlung von 90 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt. Nasser leidet nach wie vor unter der Verachtung, die ihm seine Nächsten entgegenbringen: «Nach allem, was passiert ist, ist es immer noch meine Familie», sagte er nach dem Prozess deprimiert den Journalisten. (David Berger) «Ich bin kein Mensch, der sich versteckt» – Nasser über sich selbst. Foto: David Berger Der Attentäter Omar Mateen. Foto: picture alliance/AP Photo 37

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