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COMPACT-Magazin 08-2016

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COMPACT Politik sahen ihre Stunde gekommen, wie Rohrspatzen über die Kanzlerin zu schimpfen: Man suggerierte, an Hassgewalt sei vor allem die CDU schuld, weil sie «Gleichberechtigung versage und so Ausgrenzung, Abwertung und Diskriminierung fördere». Origineller war nur noch die Berliner Filiale des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschlands. Das von diesem Verein eröffnete Ablenkungsmanöver war die Beleuchtung des Brandenburger Tors in Regenbogenfarben. Die damit verbundenen technischen Schwierigkeiten wurden provinzpossenhaft zur Staatskrise hochgespielt, erfüllten aber ebenfalls perfekt die Funktion, Empörungserektionen auszulösen, ohne den Islam zu thematisieren. Im vergleichenden Bild gesprochen: Die Brandstifter konnten sich zünftig über den Scheuklappenblick der Hausfrauen freuen, die sich alleine Sorgen um den Hochglanz ihres Parketts machten, während bereits das ganze Haus brannte. Zensur gegen schwule Islamkritiker 38 Bunt aber einfältig: Nach jedem Anschlag wird das Brandenburger Tor in Berlin reflexhaft in den Farben der Opfer angestrahlt. Nach dem Massaker von Orlando war es die Regenbogenfarbe. Die Hintergründe des Blutbades blieben hingegen weitgehend ausgeblendet. Foto: picture alliance / dpa _ David Berger (* 1968) ist ein katholischer Theologe, Publizist und Philosoph. Von 2003 bis 2010 war er Professor an der Päpstlichen Thomas-Akademie im Vatikan. Nach seinem Coming-Out 2010 kam es zu Konflikten mit der Kirche, die zu seinem Austritt führten. Berger, der sich weiterhin als Katholik versteht, schrieb auch für «Taz», «Zeit», «Huffington Post», «Cicero» und «Vice». Von 2013 bis zu seiner Entlassung im Februar 2015 wirkte er als Chefredakteur der Schwulen-Monatszeitschrift «Männer». Viele seiner Beiträge finden sich auf seinem Blog «philosophia-perennis.com». Merkel trauert um die Opfer vor Orlando. Mit keinem Wort erwähnt sie jedoch, dass es sich bei den Toten um Lesben und Schwule handelte. Diese Ignoranz ist erbärmlich. Und sie tut weh.» Damit ist eigentlich schon alles gesagt, was den Artikel inhaltlich ausmacht – außer vielleicht die Tatsache, dass der Islam in dem Beitrag nicht vorkommt, stattdessen aber das Christentum anspielungsweise zum Täter gemacht wird: «Eine Geste, ein Zeichen der Empathie in Richtung der Homosexuellen ist offenbar zu viel für eine christliche Politikerin.» Der schwule Mainstream diskutiert lieber über die US-Waffengesetze als über den Islam. Der Coup funktionierte: Im ganzen Land erregten sich nun Homosexuelle in den sozialen Netzwerken über die «christliche» Kanzlerin – und vergaßen dabei komplett, worum es eigentlich ursprünglich gegangen war. Der jede Verhältnismäßigkeit verlierende Spruch «Die Katholiken sind auch nicht besser» machte die Runde. Bisweilen gewann man aufgrund der ausgesprochenen Gewaltdrohungen und Beleidigungen gegenüber Merkel den Eindruck, sie selbst sei mit christlichen Kreuzrittern aus der Union durch den Gay-Club in Orlando gezogen, um dort alle Schwulen niederzuschießen. «Gut-Homos» wie Volker Beck oder die Verantwortlichen des Überfalltelefons Maneo Manche begnügten sich allerdings nicht mit Aufrufen zum Parkettbohnern, sondern gingen in ihrem pathologischen Masochismus so weit, auch noch die Feuerwehrleute wegzusperren. Auffälligerweise wurden innerhalb weniger Tage nach Orlando fast alle für ihre Islamkritik bekannten schwulen Journalisten aus den sozialen Netzwerken, allen voran Facebook, ausgesperrt. Der weltweit erfolgreichste schwule Journalist, Milo Yiannopoulos, hatte kurz nach Orlando getwittert: «As a gay person, the scariest words you will ever hear are ”Allahu akbar”». («Für einen Schwulen sind die furchteinflößendensten Worte, die Du je hören wirst, ”Allahu akbar”.») Der Satz wurde tausende Male retwittert und geteilt, woraufhin der Account von Yiannopoulos geblockt und der Tweet gelöscht wurde. Kurz danach wurde auch sein Profil bei Facebook gesperrt. Ähnlich erging es auch anderen schwulen Journalisten und dem Verfasser dieser Zeilen, der in einem Beitrag den islamophilen Homoaktivisten zugerufen hatte: «Ihr seid nicht Orlando!» Ein homosexueller Damendarsteller, der als Veranstalter und Moderator des Berliner Orlando-Gedenkens am Brandenburger Tor auftrat, brüstete sich damit, dass er den erfolgreichen Denunziationssturm zur «Sperrung der Bergerette» auf Facebook initiiert habe. Das geschilderte Verhalten zeigt eine angesichts des islamischen Terrors komplett überforderte Gesellschaft. Donald Trump wird deshalb mit seiner Prophezeiung Recht behalten, dass Orlando nur der Anfang war. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir auch in Deutschland einen solchen Terroranschlag erleben werden. Manch böser Leser wird jetzt in seinen Bart murmeln, dass es die Homosexuellen nicht anders verdient haben. Das ärgert mich und macht mir Angst, aber ich weiß nicht, was ich – angesichts des Ausgeführten – darauf glaubhaft erwidern könnte.

COMPACT Dossier Dossier _ Seite 40–46 Nach dem Brexit «In isch in und out isch out», sagte Wolfgang Schäuble vor dem Brexit-Referendum in seinem badischen Idiom. Doch nachdem sich das britische Volk für den EU-Austritt entschieden hat, sind den Eurokraten die Späße vergangen: Unverholen lassen sie ihrem Hass auf die Demokratie freien Lauf. Auf der Insel jedoch weht ein neuer, frischer Wind – bis in die regierende Konservative Partei hinein. Foto: Melinda Nagy / Fotolia 39

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