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COMPACT-Magazin 09-2016

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COMPACT Titelthema Sie kommen als Türkei-Touristen _ von Karel Meissner 16 Überläufer des Islamischen Staates berichten von einer geheimen Killerstruktur namens Emni, die auf unserem Kontinent in Lauerstellung liegt. Aus dem Untergrund heraus rekrutieren sie Konvertiten, die den Sicherheitsbehörden noch nicht aufgefallen sind. Für einsame Wölfe «Wie könnt Ihr dort [im Westen] in Ruhe schlafen, während wir hier gebombt werden von den Amerikanern. (…) Nehmt Bomben, sprengt sie in die Luft. Oder stecht sie ab mit dem Messer. Und wenn Ihr das nicht könnt, dann spuckt denen wenigstens ins Gesicht.» (Aufruf von Emni- Chef Abu Muhammad al-Adnani an Muslime in westlichen Ländern, November 2014) Al-Adnani gehört zum engsten Führungszirkel des IS. Foto: YouTube _ Karel Meissner lebt als IT- Spezialist in Birmingham. Bis zu 220 Passagiere kann eine Boeing 737 von der Türkei nach Deutschland transportieren. Foto: Turkish Airlines «Etwa 1.200 Jugendliche aus Deutschland befinden sich in Syrien. In den sogenannten German Camps werden diese Jugendlichen noch mehr radikalisiert und an Waffen ausgebildet. Viele kämpfen auf der Seite des IS. Viele davon kommen als Schläfer zurück nach Deutschland. Sie sind eine tickende Zeitbombe unter uns.» Dieser Weckruf kommt nicht von einem der vermaledeiten Rechtspopulisten oder einem Ausländerhasser. Der Autor ist türkischer Mitbürger und Abgeordneter der CDU im hessischen Landtag: Ismail Tipi. Am 15. Juli, direkt nach dem Blutbad in Nizza und noch vor den Anschlägen in Deutschland, versuchte er uns wachzurütteln. «Sie sind eine tickende Zeitbombe unter uns.» Ismail Tipi Zwei Wochen später veröffentlichte keine deutsche Zeitung, sondern die New York Times (NYT) ein umfangreiches Interview mit einem der jungen IS- Kämpfer aus der Bundesrepublik, der mittlerweile in einem Hochsicherheitsgefängnis in der Nähe von Bremen einsitzt. Dieser Harry Sarfo wohnte bis vor einem Jahr noch in der Hansestadt, reiste dann aber in die Levante, um sich dem Heiligen Krieg anzuschließen. Nur wenige Tage, nachdem er auf IS-kontrolliertem Gebiet angekommen war, tauchten Gesichtsmasken tragende Mitglieder des Geheimdienstes der Terrormiliz auf, die ihm mitteilten, dass Europäer nicht mehr nach Syrien kommen sollten. Sie würden dringender in ihren Heimatländern gebraucht. «Er informierte uns ganz offen darüber, dass der IS in europäischen Staaten sehr viele ”Schläfer” habe, die auf Befehl jederzeit zu Anschlägen (…) bereit seien,» erklärte Sarfo. «In England, Deutschland und Frankreich sollten gleichzeitig eine Vielzahl von Anschlägen stattfinden.» Drahtzieher bleiben anonym Die Maskierten gehörten zu einer IS-Einheit mit dem arabischen Namen Emni, die von Propagandachef Abu Muhammad al-Adnani geführt wird. Ihm unterstellt sind sogenannte Leutnants, die mit der Planung von Angriffen in verschiedenen Weltregionen beauftragt sind. Nach Angaben Sarfos, aber auch weiterer Gefangener hat Emni sowohl die Anschläge im November 2015 in Paris verübt als auch die Koffer-Bomben gebaut, die im März in Brüssel explodiert sind. Auch der Überfall auf eine Ferienanlage im tunesischen Sousse im Sommer 2015 gehe auf das Konto von Emni. Laut Sarfo befinden sich viele der von al-Adnani nach Europa geschickten Kämpfer im Untergrund. Sie suchen nach potenziellen Selbstmordattentätern, die sich von der IS-Propaganda angezogen fühlen. Die Verbindung zu den Ausgewählten werde über «saubere Leute» hergestellt, die zum Islam konvertiert sind, aber noch keine nachweisbaren Kontakte zu radikalen Gruppen gehabt haben. «Die im Untergrund lebenden Drahtzieher nehmen keinen direkten Kontakt zu potenziellen Attentätern auf, damit sie bei deren Gefangennahme nicht aufgespürt werden können», erläuterte Sarfo gegenüber NYT. Zu den Methoden der Einschleusung erklärte Sarfo, dass der IS kampfwillige Deutsche als All-Inclusive- Urlauber mit Rückflugticket in einen Badeort im Süden der Türkei reisen lässt; von dort aus würden sie von Schmugglern nach Syrien gebracht und in wenigen Tagen militärisch ausgebildet. «Bei ihrer Rückkehr nach Frankreich oder Deutschland können sie angeben, sie hätten nur ihren Urlaub in der Türkei verbracht», erläuterte Sarfo. Westliche Geheimdienste gehen nach Angaben der NYT davon aus, dass Emni auf diese Weise mindestens 28 potentielle Attentäter auf der ganzen Welt verteilt habe, die auf einen Einsatzbefehl warten. Zu dieser – scheinbar – geringen Zahl kommen noch radikalisierte Einzelpersonen, die auf eigene Faust und ohne direkte Verbindung zu Emni Terror verbreiten sollen. Sie finden Anregungen in dem eBook Wie man im Westen überlebt. Ein Handbuch für Mujahideen, das im März 2015 über das Netz verbreitet wurde. Erklärt wird unter anderem, wie man Alltagsgegenstände – Messer, Äxte, Autos – als tödliche Waffen benutzt.

COMPACT Titelthema Requiem für Jolanta _ von Martin Müller-Mertens In Reutlingen starb eine vierfache Mutter unter den Machetenhieben eines Asylforderers. Die Behörden verharmlosen die Tat, die Antifa schüchtert Trauernde ein, die Staatsanwaltschaft droht allen, die an ihrer Version zweifeln. Die Welt ging an einem Sonntagabend unter. Am 24. Juli klingelte Wladyslaw Majka bei den Kindern von Jolanta Kijak in der polnischen Kleinstadt Dabrowa Tarnowska. Gemeinsam mit Polizisten musste der Chef der Sozialbehörde GOPS eine grausame Nachricht überbringen: Ihre Mutter lebt nicht mehr. Der Asylant Mohamad Halef zerhackte sie nur Stunden zuvor im fernen Reutlingen mit einer 60 Zentimeter langen Machete. Majka kannte Jolanta – wie viele andere in dem 12.000-Einwohner-Ort in der südlichen Wojewodschaft Kleinpolen. «Der Moment, in dem ich es den Kindern mitteilen musste, war einer der schlimmsten in meinem Leben», zitierte ihn die Zeitung Dziennik Polski. «Die Familie hat ein sehr enges Verhältnis. Mama war ihre ganze Welt.» Nun steht Dabrowa Tarnowska unter Schock. Er habe in den Medien von der Tragödie gehört, aber «nie gedacht, dass Jola betroffen sein könnte», meinte ein Nachbar. Jolantas Weg Nur Tage zuvor hatten die Kinder ihre Mutter in der Heimat verabschiedet – sie ahnten nicht, dass es kein Wiedersehen geben würde. Jolanta fuhr zurück ins deutsche Reutlingen, wo die 45-Jährige das Geld für ihre Familie verdiente. Die Not hatte die tapfere Frau ein Jahr zuvor in die Fremde gezwungen: Vier Kinder musste Jolanta versorgen – acht, 19, 22 und 23 Jahre alt. Zuvor war die Familie «durch Höhen und Tiefen gegangen», beschreiben es örtliche Medien. Zwei Ehen scheiterten. Eine Zeit lang hielt sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. «Aber immer hat sie das Wohl der Kinder im Auge behalten. Jola war eine großartige Mutter», meint Majka. Später lebte sie in Baden-Württemberg, fand eine Anstellung zunächst als Putzfrau, schließlich als Küchenhilfe im Dönerrestaurant Mangal unweit des Reutlinger Bahnhofes. Bekannte schildern, dass sie am liebsten alle vier Kinder zu sich holen wollte. Am 15. August sollte zumindest die jüngste Tochter zur Mutter ziehen, hier die Schule besuchen. Chronik einer Hinrichtung Am letzten Tag ihres Lebens ging Jolanta wie immer zur Arbeit – und Mohamad Halef beschloss, eine Frau zu schlachten. Um 16:25 Uhr erreichten die Polizei erste Notrufe. Den Hergang der Tat beschreiben die Ermittler im kühlen Amtsdeutsch. Demnach kam es zwischen Jolanta und ihrem Mörder «aus bislang ungeklärter Ursache zum Streit, in dessen Verlauf das Opfer vom Tatverdächtigen durch eine Machete tödlich im Kopfbereich verletzt wurde. In der Folge schlug der Asylbewerber am Federnseeplatz mit der Machete die Scheiben eines Pkw Citroën ein, in dem sich eine 51-jährige Frau sowie ein 41-jähriger Mann befanden». Erst der Sohn des Mangal-Wirtes konnte den Mörder stoppen. «Es war ein Albtraum. Ich sah die Frau im Blut liegen», sagte Robert Lukowski, der seit mehreren Jahren in der Stadt lebt. Nur wenig ist über die Messer-Fachkraft bekannt. Rund ein Jahr zuvor hatte Halef in Deutschland Asyl gefordert. Angeblich stammt er aus Syrien. Auch die 115.000-Einwohner-Stadt südlich von Stuttgart inszenierte damals den Willkommensrausch. «Die Flüchtlinge brächten Dynamik ins Gemeinwesen – gute Dynamik», zitierte die Südwest Presse im Oktober 2015 eine Helferin. Vermutlich interessierte sich Halef nicht für den arabischen Reutlingen-Rundgang, den die ehrenamtliche Stadtführerin Salima Fellous regelmäßig organisiert. Vielleicht stand ihm auch kein «passgenauer Wohnraum» in Aussicht, den die linke Kommunalabgeordnete Jessica Tatti zur gleichen Zeit für die Neusiedler verlangte. Die Hoffnung hatte sie nie aufgegeben: «Zeit für einen Wechsel…» schrieb Jolanta im September 2015 neben dieses Facebook-Bild. Foto: Facebook Trauer in Reutlingen. Foto: Maciej Wieteska «Jola war eine großartige Mutter.» Wladyslaw Majka 17

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