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COMPACT-Magazin 09-2016

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«Ich habe das erste Mal

«Ich habe das erste Mal in meinem Leben einen Mörder gesehen», sagt Anwohner Marco Greco. Wenige Minuten nach der Tat wurde Halef von der Polizei festgenommen. Foto: picture alliance / dpa 9,90 Euro (A), 13 sFr (CH) Sonder-Ausgabe Nr. 7 | 8,80 EUR (D) · spezial.compact-online.de Asylschwindel: Unterdrückte Zahlen Zahlen und und Fakten | Deutsche | Mieter werden zwangsgeräumt | Milliarden | für für Migranten | | Abschiebungen: Fehlanzeige Flüchtlinge als als Waffe Waffe | Die | Die Profiteure des des Notstands | Scharia | schlägt Verfassung Die Die verschwiegenen Morde Morde der der Zuwanderer | Auf | Auf dem Weg zum Bürgerkrieg COMPACT-Spezial Nr. 7 «Asyl. Die Flut» Foto: COMPACT Bald nach seiner Ankunft fiel Halef in der Asylunterkunft unangenehm auf, soll Mitbewohner beklaut haben. Zwei Mal wurde er verlegt. Zuletzt logierte der 21-Jährige in einem Einzelzimmer in der ehemaligen Ypernkaserne, die die Stadt für die Unterbringung von 65 Illegalen hergerichtet hatte. Auch der Polizei war der Bereicherer bereits bekannt – «wegen verschiedener Delikte, unter anderem wegen Körperverletzung, Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Eigentumsdelikten». Doch warum messerte Mohamad Halef an diesem Tag die vierfache Mutter aus Polen? Einen islamistischen Anschlag schließen die Ermittler aus. Tatsächlich gibt es bislang keine Hinweise etwa auf einen Allahu-akbar-Schlachtruf. Allerdings existieren durchaus Indizien, dass die Bluttat politisch-korrekt verharmlost werden soll. «Nach derzeitigem Sachstand handelt es sich bei der Tötung der Frau um eine Beziehungstat», meldeten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Presseerklärung. Eine Affäre mit dem Opfer habe der Mörder in ersten Vernehmungen eingeräumt. Zudem könnte bei Halef eine «psychische Erkrankung» vorliegen. Ein Sprecher des Reutlinger Polizeipräsidiums behauptete zudem, der Täter habe mit seinem Opfer in der Döner-Gaststätte gearbeitet. «Es war ein Albtraum. Ich sah die Frau im Blut liegen.» Robert Lukowski öffentlich geäußert würden. Demnach werde die «Verbreitung» von «unwahrem Inhalt» «bei Bekanntwerden auf strafrechtliche Relevanz geprüft und gegebenenfalls ein Ermittlungsverfahren eingeleitet», hieß es ganz im Duktus von Zensurminister Heiko Maas. Diese Anweisung wurde umgesetzt: Die vorgegebene These von der sogenannten Beziehungstat findet sich in der gesamten deutschen Medienberichterstattung wieder. Gestörte Trauer Zum zentralen Gedenkmarsch am darauffolgenden Wochenende lud lediglich die polnische Gemeinde ein – nicht jedoch die Stadt. Fast erleichtert berichtete die örtliche Presse, dass sich statt der erwarteten 500 nur 150 Teilnehmer eingefunden hätten. Die Reutlinger Nachrichten, eine Regionalausgabe der Südwest Presse, diffamierte den Umzug als «nicht frei von nationalistischen Zielen». Das Infoportal Tübingen-Reutlingen machte «auch polnische NationalistInnen» aus. Auch die örtliche Antifa trommelte ihre Fußtruppen zusammen, um Trauerfeiern und Gedenkmärsche etwa der Bürgerinitiative Grenzgänger Neckar Alb zu stören. Sekundiert wurden sie von der örtlichen Politik. «Das war eine Beziehungstat und hatte keinen politischen Hintergrund», diktierte der Kreisvorsitzende der Linken Rüdiger Weckmann das Verdikt. Auch SPD-Stadträtin Edeltraut Stiedl war zur Antifa-Kundgebung geeilt. Der örtliche General-Anzeiger wartete mit einer namentlich nicht genannten Lehrerin auf, der zufolge syrische Schulkinder völlig verstört seien und sich aus Angst vor «Faschisten» nicht mehr auf die Straße trauten. 18 Recht ungewöhnlich für eine Presseerklärung, stießen Polizei und Staatsanwaltschaft bereits am Nachmittag des 25. Juli unmissverständliche Drohungen für den Fall aus, dass Zweifel an der offiziellen Version Nun wäre nicht von vornherein auszuschließen, dass sich Jolanta kurzzeitig auf eine Liaison mit dem deutlich jüngeren Halef eingelassen hätte. Die polnische Boulevardzeitung Super Express – die sich

COMPACT Titelthema unter anderem durch die Veröffentlichung von Skandalen einen Namen gemacht hat – glaubt jedoch nicht an die Version von Polizei und deutscher Politik. Bereits am 26. Juli zitierte das Blatt Rafal Sobczaks vom Warschauer Außenministerium. Nach dessen Angaben verfügt die deutsche Polizei über detaillierte Kenntnisse zum Motiv des Täters, verschweigt die Fakten aber mit Verweis auf das Persönlichkeitsrecht. Die Zeitung Fakt recherchierte die Vorgeschichte des Mordes. Ihr zufolge war Halef arbeitslos, lungerte jedoch regelmäßig mit Landsleuten in dem Lokal herum. Immer wieder soll er Jolanta belästigt haben. Wiederholt schmissen ihn angeblich Imbiss-Mitarbeiter deshalb raus, schließlich bekam er sogar Hausverbot. Gut möglich, dass sich der Asylforderer deshalb in seiner sogenannten Ehre gekränkt fühlte. «Die Probleme sind das Resultat von Multikulti-Politik.» Innenminister Blaszczak Wenige Tage nach der Bluttat servierte Bild eine weitere Lüge: Demnach sei das Opfer schwanger gewesen, schreibt das Blatt – obwohl die Obduktion bereits zuvor das Gegenteil bewiesen hatte. Zugleich präsentierte die Springer-Zeitung eine rührselige Liebesgeschichte zwischen Täter und Opfer. Der in Reutlingen lebende Pole Paul Owedyk erinnerte sich zwar, dass Jolanta tatsächlich öfter mit einem Syrer telefonierte. Doch dabei soll es sich um einen Kollegen – und damit gerade nicht um Halef – gehandelt haben. Jolanta beschrieb er als «fröhlich, freundlich und immer lächelnd». Hinweise auf Probleme konnte er nicht erkennen. Zweifel aus Warschau Nicht nur polnische Medien interessieren sich für den Fall. Auch die Staatsanwaltschaft des Landes ermittelt – offenbar traut die Warschauer Justiz angesichts der möglichen Vertuschungen den baden-württembergischen Kollegen nicht über den Weg. Jedenfalls erklärten sowohl Vize-Justizminister Zbigniew Ziobro als auch die Generalstaatsanwaltschaft, dass die offizielle Version der Bluttat nicht der Wahrheit entspreche. Die EU-kritische Oppositionspartei Kukiz’15 forderte, den Mörder nach Polen auszuliefern, damit er seine Strafe nicht in einem «deutschen Luxusgefängnis» absitzen kann. Mittlerweile wird in Polen eine Petition vorbereitet. Damit soll die Regierung gezwungen werden, in diesem Fall juristisch gegen deutsche Medien vorzugehen, da diese vorsätzlich Falschinformationen verbreiteten. Doch weshalb halten die schwäbischen Behörden stur an ihrer Version einer Beziehungstat fest? Ein Verdacht drängt sich auf: Der brutale Messermord soll als tragischer Einzelfall, keinesfalls jedoch als Teil der zunehmenden Gewaltausbrüche muslimischer Asylbetrüger im Gedächtnis bleiben. Eine Schönfärberei, die in Polen Verärgerung auslöste. Aus Sicht von Innenminister Mariusz Blaszczak gibt es «keinen Zweifel daran, dass die Probleme, mit denen sich jetzt unsere Nachbarn rumschlagen, das Resultat einer jahrzehntelangen Migrationspolitik sind, das Resultat von Multikulti-Politik». Polen in Deutschland Wie viele Polen heute in der Bundesrepublik leben, ist aufgrund unterschiedlicher Definitionen von Polen und deutschen Aussiedlern in den Statistiken nur ungenau zu erfassen. 2013 lebten in Deutschland 609.855 Menschen, die ausschließlich die polnische Staatsbürgerschaft hatten. Der größte Teil kam als Arbeitsmigranten. Mittlerweile siedeln sich aber auch zunehmend Polen in von Leerstand betroffenen grenznahen Orten in Brandenburg und Vorpommern an. Stadtzentrum von Reutlingen. Foto: Stadtverwaltung Reutlingen Keine politischen Korrektheiten: Auf ihrer Trauerkundgebung erinnerten die Reutlingen Polen auch an die Schlacht am Kahlenberg – den Sieg eines deutsch-polnischen Heeres während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683. Fotos: Maciej Wieteska 19

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