Aufrufe
vor 8 Monaten

COMPACT-Magazin 09-2016

  • Text
  • Compact
  • Deutschland
  • Alliance
  • Politik
  • Google
  • Juli
  • Tarzan
  • Zeit
  • Kurz
  • Polizei

24 Er fühlt sich

24 Er fühlt sich sichtlich wohl: Bundesjustizminister Heiko Maas mit Moschee-Vorstand Ender Cetin (l) und DITIB-Vertreter Süleyman Kücük am 09.01.2015. Foto: picture alliance / dpa Reda Seyam (oben) und Denis Cuspert. Fotos: YouTube; picture alliance / dpa «Die arrangierte Ehe ist ja keine Zwangsehe.» Ahmadiyya-Gemeinde bige «kein Leben ohne Dschihad» führen können. Solche Positionen sind Programm: «Erst im März haben sich dort Ultra-Hardliner getroffen, gehen immer wieder aus und ein. Muslimbrüder und weitere radikale Islamisten machten dort Vorgaben für hiesige Muslime», berichtet die SPD-Politikerin Sigrid Herrmann- Marschall. Imame in der Black Box 1928 eröffnete im Bezirk Wilmersdorf das erste mohammedanische Gotteshaus der Stadt. Errichtet wurde es von der Lahore-Ahmadiyya-Bewegung, die seit Ende des Ersten Weltkriegs in Europa missioniert. Doch erst seit etwa Mitte der 1980er Jahre nimmt die Zahl der Moscheen in Berlin stetig zu. Waren es zunächst vor allem unauffällige Gebetsräume in Hinterhöfen, entstehen seit 2005 zunehmend Prunkbauten mit Kuppeln und Minaretten. Über ihre Anzahl gibt es keine seriösen Statistiken. Selbst das offizielle Stadtportal berlin.de beruft sich lediglich auf Angaben der Nachrichtenagentur dpa und nennt «rund 80 Moscheen und Gebetsräume». Andere Berichte gehen von etwa 100 Gemeinden aus. Rund 90 Prozent sind sunnitisch. Allein die Türkisch-Islamische Union (DITIB), ein Ableger der staatlichen Religionsbehörde in Ankara, betreibt 20. Wie viele der etwa 250.000 Berliner Mohammedaner an Freitagsgebeten teilnehmen, ist ebenfalls unklar. Die Internetplattform moscheebesuche.de geht von knapp 25.000 regelmäßigen Besuchern pro Woche aus. Was sich hinter den Mauern der frommen Trutzburgen abspielt, ist für Außenstehende kaum zu erfahren. «In der einen oder anderen Moschee kümmert man sich einen feuchten Kehricht um das deutsche Recht», resümiert etwa der Islamwissenschaftler Mathias Rohe. Der Professor der Universität Erlangen-Nürnberg verfasste 2015 im Auftrag der Berliner Justizverwaltung eine Studie über islamische Friedensrichter in der Hauptstadt. Die Ahmadiyya-Gemeinde gewährt in einer Selbstdarstellung unfreiwillig einen Einblick in ihr Denken: «Die arrangierte Ehe ist ja keine Zwangsehe, man muss das immer unterscheiden. Es ist ja auch nicht ungestattet, auch selbst ’n Vorschlag zu bringen.» 2008 hatte die Organisation im Stadtteil Heinersdorf gegen massiven Widerstand der Anwohner die erste Moschee auf dem Gebiet der früheren DDR eröffnet. Erdogans Kasernen Mit der Islamisierung Deutschlands wächst auch die Macht der Imame. So ließ es DITIB beim Bau ihrer 2004 eröffneten Sehitlik-Moschee auf eine regelrechte Kraftprobe mit den Behörden ankommen. Statt der genehmigten 28,6 Meter messen die beiden Minarette 37,1 Meter. Während deutsche Häuslebauer ihr mühsam erspartes Eigenheim jedoch bereits wegen weniger Zentimeter Abweichung von der Baugenehmigung wieder abreißen müssen, beließ es der zuständige Bezirk Neukölln in diesem Fall bei einem geminderten Bußgeld von 80.000 Euro. Die Minarette waren nicht die einzige Provokation des Neubaus: Der Innenraum des 1.500 Menschen fassenden Gebäudes wurde nach Angaben der Berliner Zeitung mit Elfenbein und Rückenplatten von Schildkröten geschmückt – Material, das gemäß Washingtoner Artenschutzabkommen nicht eingeführt werden darf. Dabei genoss der Bau besonderes Augenmerk von Seiten der Türkei, deren Rechtsvorgänger Osmanisches Reich das Gelände zum Anlegen eines Diplomatenfriedhofs erhielt. Noch vor Eröffnung stattete der damalige

COMPACT Politik Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan der Moschee höchstpersönlich einen Besuch ab. Kein Wunder: Von ihm stammt der Ausspruch «Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette.» Kritik von den deutschen Kuffar-Politikern hatte er nicht zu befürchten. Ganz im Gegenteil: «Die Moschee ist ein architektonisches Bauwerk, auf das Berlin noch in 50 Jahren stolz sein kann», schwärmte Neuköllns damalige Baustadträtin Stefanie Vogelsang. Immerhin: Die Errichtung eines noch größeren Gebetszentrums lehnte die CDU-Politikerin drei Jahre später aus baurechtlichen Gründen ab. Mit deutscher Prominenz schmückt sich Ankaras Außenstelle ebenfalls gerne. Im Januar 2015 nahm Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) auf einem Gebetsteppich in der Sehitlik-Moschee Platz – ausgerechnet nach dem Terror gegen das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo. Auch Bundespräsident Joachim Gauck weilte bereits im Schatten ihrer Minarette. Keinen Anstoß nahmen die Politiker am nach wie vor existierenden Friedhof. In sorgsam gepflegten Ehrengräbern ruhen hier die Gebeine von Cemal Azmi und Bahaettin Sakir, Hauptorganisatoren des Genozids an den Armeniern im Jahre 1915. Beide hatten bis zu ihrer Ermordung 1922 im Berliner Exil gelebt. Terror-Fabriken Nicht nur die türkische Großmachtpolitik verfügt an der Spree über gefestigte Strukturen. Auch der Salafismus hält in manchen Gemeinden die Zügel straff in der Hand. Der Verfassungsschutz geht von etwa 700 Anhängern in Berlin aus, von denen 380 als gewaltbereit gelten. Zugerechnet werden der von Saudi- Arabien gesponserten Strömung die al-Nur-Moschee in Neukölln, die as-Sahaba-Moschee im Wedding, die Ibrahim-al-Khalil-Moschee in Tempelhof und die Moschee des Fussilet 33 in Moabit: Gebetshäuser, die wiederholt Nachschub für den Terror in Syrien lieferten. Reda Seyam, der die as-Sahaba-Moschee mit aufbaute, beteiligte sich nach Aussagen seiner ersten Ehefrau Doris Glück bereits 1994, im bosnischen Bürgerkrieg, an Kriegsverbrechen gegen Christen. Inzwischen fungiert er wohl als Bildungsminister des Islamischen Staates (IS). Auch der Imam der Ibrahim-al-Khalil- Moschee, Abdel Qader D., soll für Dschihad-Banden in der Levante rekrutiert haben. Der heutige IS-Kämpfer Denis Cuspert radikalisierte sich in der al-Nur-Moschee. Insbesondere die in einem unscheinbaren Plattenbau beheimatete al-Nur-Moschee gilt als regelrechte Kaderschmiede für Kopfabschneider. 2003 verdächtigte die Polizei einen Tunesier, in dem Gebäude Kämpfer auszubilden. 2009 reisten mehrere Besucher zum Dschihad nach Pakistan. Der Konvertit Denis Cuspert hörte dort seit 2010 regelmäßig Predigten – mittlerweile treibt der einst als Rapper Deso Dogg aufgetretene 40-Jährige beim IS sein Unwesen. Wiederholt lud das Gotteshaus Gastprediger ein, darunter den deutschen Salafistenführer Pierre Vogel und den ägyptischen Hass-Scheich Abdel Moez al-Eila – dieser propagierte im Februar 2015 in Berlin prompt das angebliche Recht auf Vergewaltigungen. Im Jahr zuvor bat Terror-Imam Abu Bilal Ismail in der al-Nur-Moschee öffentlich um die Vernichtung der Juden «bis auf den Letzten». Erst als Videos dieser Ausfälle die Öffentlichkeit schockierten, leitete Berlins Innenverwaltung Anfang 2015 ein Verbotsverfahren gegen den al-Nur-Moscheeverein ein. Doch mittlerweile scheint der Vorstoß im Sande verlaufen zu sein. Einzelheiten der Prüfung sind nicht bekannt. Im Januar verweigerte Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) gleich zwei Mal die Antwort auf entsprechende parlamentarische Anfragen. Dschihad an der TU Mitte März beschloss die Technische Universität Berlin die Schließung des bisherigen moslemischen Gebetsraumes auf ihrem Gelände. «Ein staatlicher Universitätscampus ist für die aktive Religionsausübung in Formen von Gottesdiensten, Messen und Freitagsgebeten der falsche Ort», begründete die Hochschule ihren Schritt. Nach Angaben von Studenten waren die Predigten an der TU nahezu ausschließlich auf arabisch gehalten und vielfach von universitätsfremden Gläubigen besucht worden. Auch Humboldt-Universität und Freie Universität teilten mit, dass es in ihren Gebäuden keine Gebetsräume gebe und auch in Zukunft nicht geben werde. Islamische Gruppen haben mit wiederholten öffentlichen Gebeten vor dem TU-Hauptgebäude gegen die Entscheidung protestiert – bislang jedoch ohne Erfolg. In der Neuköllner Karl-Marx-Straße sind solche Bilder Alltag. Foto: picture alliance / dpa Deutschland zeigen sie den Allerwertesten: Muslimisches Protestgebet vor der TU Berlin. Foto: picture alliance / NurPhoto Berlin unterm Halbmond Wichtige Moscheen in Berlin REINICKENDORF PANKOW SPANDAU CHARLOTTENBURG- WILMERSDORF MITTE FRIEDRICHSHAIN- KREUZBERG STEGLITZ-ZEHLENDORF TREPTOW- TEMPELHOF- KÖPENICK SCHÖNEBERG NEUKÖLLN Quelle: Google Maps Grafik: COMPACT 25

© COMPACT-Magazin GmbH 2016 Alle Rechte vorbehalten

   Mediadaten  /  Datenschutz  /  Impressum  /  Kommentarregeln  /  Nutzungsbedingungen  /  Widerruf