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COMPACT-Magazin 09-2016

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COMPACT Politik Das Leiden der Anwohner Nach eigenen Angaben führen die Linksradikalen in der Rigaer Straße einen Kampf für die Bewohner des Kiezes. «Auch die Solidaritätsbekundungen aus der Nachbarschaft haben uns bestärkt», heißt es in einer Stellungnahme. Im Berliner Tagesspiegel spricht dagegen ein früherer Nachbar Klartext. «Ich kam als Freund, der mit Wohlwollen sah, dass es in Berlin eine lebendige Haubesetzerszene gibt», heißt es in dem Text. «Ich ging, sieben Jahre später, persönlich zermürbt, politisch desillusioniert und mit einem ungeheuren Groll auf das ungeheure Maß an Dumpfbatzentum, das uns dort alltags begegnete. Schlaflose Nächte, Gepöbel, mutwillige Zerstörungswut haben mich aus dem Kiez getrieben. Kot, Scherben, Kotze – das ist, was mir in Erinnerung bleibt vom Leben als Nachbar des alternativ autonomen Wohn- und ”Kulturprojekts” Rigaer 78.» Polizisten in der Rigaer Straße. Foto: picture alliance / dpa Feuer und Flamme für diesen Staat: Das alte Autonomenmotto setzen linksradikale Täter an den Autos der Berliner um. Wie hier in der Nacht zum 27.5.2016. Foto: picture alliance / dpa hart-Hauptmann-Schule kurzzeitig geräumt werden sollte, randalierten Aktivisten auf den Besuchertribünen der Bezirksverordnetenversammlung. Vor allem Kritiker der Multikulti-Religion gerieten nun ins Visier. Im Februar 2016 schlugen Antifa-Terroristen die Fensterscheiben der Kreuzberger Kneipe Stadtklause ein und verspritzten Bitumen in den Gastraum. Das angebliche Verbrechen des Wirtes: In der Lokalität hatten sich Mitglieder des AfD-Bezirksverbandes zu einem Parteitag getroffen. Bereits im August 2015 hatte die Antifa Nordost «weitere Aktionen gegen die Lichtenberger AfD-Kneipe Zum Bären» angekündigt. Am 22. Oktober 2015 brüstete sich die rotlackierte SA, die Friedrichshainer Kneipe Zum Igel «komplett entglast» zu haben. Die Seite antifa-berlin.info veröffentlichte mittlerweile eine ganze Sammlung von Trophäenberichten über die Attacken auf Gasthäuser. Auch Empfehlungen für Angriffe sind den Machwerken zu entnehmen. So sei klar, «dass es sehr wirkungsvoll sein kann, eine freundliche Kommunikation zu suchen und die Eskalationsleiter danach (…) empor zu schreiten». Bei Lokalen, die sich den Befehlen der Linksfaschisten widersetzen, «scheint uns hier die Zeit der freundlichen Worte nun vorbei zu sein…» Morddrohungen gegen Politiker Dabei entlädt sich die Gewalt nicht mehr nur gegen tatsächliche oder vermeintliche Rechte. Auch der SPD- Abgeordnete Tom Schreiber gehört mittlerweile zu den Feindbildern der Szene. Seit 2006 beschäftigt er sich im Berliner Abgeordnetenhaus unter anderem mit dem Thema Extremismus – gelegentliche Drohungen von Neonazis und Rockern inklusive. Auf Twitter hatte der Politiker die anhaltenden Autobrandstiftungen als das «hässliche Gesicht der #Linksautonomen #Szene» bezeichnet. Die Antifa reagierte mit unmissverständlichen Drohungen: «Pass bloß auf, Tom» und «#Tom- Lodernde Flammen Anzahl der Brandanschläge auf Autos und Bezirke mit den meisten Vorfällen besonders betroffene Gebiete 403 CHARLOTTENBURG- WILMERSDORF 92 243 24 Quellen: Wikipedia, Statista 249 MITTE FRIEDRICHSHAIN- KREUZBERG davon eindeutig politisch motiviert 2011 2012 2013 2014 2015 Grafik: COMPACT DuArschloch» zierten Berliner Häuserwände. Innensenator Frank Henkel (CDU) wurde sogar mit Mord gedroht. «Bei Räumung (…) eine Million Sachschaden und Henkel im Kofferraum!», schrieben Rigaer-Sympathisanten auf indymedia.de – eine Anspielung auf die in einem Kofferraum gefundene Leiche des 1977 von der Roten Armee Fraktion ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Die Zeit der freundlichen Worte scheint uns vorbei. «antifa-berlin» Die heimlichen Hauptquartiere der Schläger: die Kneipen Kadterschmiede sowie Abstand in der Rigaer Straße. Keine der beiden Spelunken verfügt über eine Gaststättenerlaubnis, wie eine parlamentarische Anfrage Schreibers im März zu Tage förderte. Versuche der Polizei, die Kadterschmiede zu räumen, scheiterten im Juli an einem fehlenden Gerichtstitel. Das Bezirksamt unter Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) – die bereits die Besetzungen des Oranienplatzes und der Gerhart-Hauptmann-Schule wohlwollend duldete – sieht offenbar keinen Grund zum Handeln. «Es wurden vom zuständigen Bezirksamt Friedrichshain- Kreuzberg bisher keine Kontrollen durchgeführt», heißt es in der Antwort der Senatsinnenverwaltung. 23 242 53 179 38 28 Besonders pikant: Der Hausbesitzer plant, in leerstehenden (!) Wohnungen der Rigaer 94 und in der Absturz-Pinte Kadterschmiede Wohnraum und Werkstätten für Asylbewerber zu schaffen. Das aber lehnen die Linken, die ansonsten immer «Refugees welcome» plakatieren, scharf ab. Sie wollen selbst bestimmen, wen sie bei sich aufnehmen wollen – eine Haltung, die sie bei anderen frech als rassistisch geißeln.

«Kaischi hat das Lebenswerk von Axel Springer verjuckelt» _ Interview mit Peter Bartels Viel Freude haben die Aktionäre des Axel-Springer-Verlages, hier 2013, derzeit nicht an ihrem schlingernden Auflagen-Flaggschiff. Foto: picture alliance / dpa Der Niedergang der «Bild-Zeitung» ist dramatisch. Unter Chefredakteur Kai Diekmann stürzte ihre Auflage von über vier auf unter zwei Millionen ab. Einer seiner Vorgänger an der Spitze des Boulevard-Blattes zieht jetzt gnadenlos Bilanz. Ihr Buch liest sich weitgehend wie eine Abrechnung mit Kai Diekmann, Ihrem Nachfolger in der Chefredaktion zwischen 2001 und 2015. Was hat Diekmann – Spitzname «Kaischi» – denn falsch gemacht? So ziemlich alles. Wobei er eigentlich ganz gut losgelegt hat: Er hat in seinem ersten Quartal ordentlich Plus gemacht, wurde damals jedenfalls an den Auflagenkontrolldienst IVW gemeldet. Er nahm das angeblich zum Anlass, durch die Redaktion zu trompeten: «Jetzt haben wir’s geschafft!» Kaischi, Teens und Twens Also, was waren seine entscheidenden Fehler? Viele. Er fing schon früh an, eigentlich sofort, ein Blatt für Leute zu machen, die er nicht hatte. Wenn Du ein Massenblatt machst, dann machst Du ein Blatt für die Masse, nach Möglichkeit die Mehrheit der Masse. Und diese Mehrheit bei Bild ist immer «älter». Sie fängt bei 30, vielleicht 35 an, frühestens. Diekmann aber hat fast immer ein Blatt für jüngere Leser gemacht, manchmal wie für Schülerzeitungsleser. Es reicht nicht, wenn man ab und zu eine Rentengeschichte bringt und sich danach leicht angeekelt zurücklehnt: «So, jetzt habe ich mal was für die alten Säcke getan, Schnauze.» Die «Alten» wittern das. Im Übrigen: Vor 50 denkt in Deutschland eh keine Sau an Rente. Die, die es betrifft, haben längst Rente, den anderen geht´s am Arsch vorbei. Mit 40 wird man bekanntlich nie alt, höchstens die anderen. Wollen Sie sagen, Bild hatte und hat keine jungen Leser, keine unter 35? Natürlich hat Bild auch immer junge Leser gehabt – pro Tag sogar mehr als Bravo pro Woche, lange Zeit. Teenager hießen die früher. Das bedeutet aber nicht, dass diese Gruppe relevant für die Auflage war. Teens und Twens kauften das Blatt nämlich nicht. Die lesen es nur, weil es auf dem Tisch rumliegt, von Mama für Papa gekauft. Vorbild Salafistenbart: Kai Diekmann 2014 während der Verleihung des Deutschen Radiopreises. Foto: picture alliance / Eventpress MP Der Quatsch bei «Bild» wird quätscher, bis er quietscht. 29

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